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Schöne Schlittenfahrt mit Hindernissen

Schöne Schlittenfahrt mit Hindernissen

November 1910 mit Schneestürmen seine Visitenkarte abgegeben und wollte nunmehr seine Herrschaft antreten. Ab 10. November 1910 setzte ein sehr starkes Schneetreiben mit Kälte ein.

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Die besten Wünsche zum Fest.

Quelle: privat

Der Winter hatte am 3. Die Bürger stöberten in ihren Kleiderschränken nach dicken Pullovern, Wintermänteln und fellgefütterten Stiefeln. Die niedrigen Temperaturen hatte den einen oder anderen merken lassen, dass die Garderobe angepasst werden muss. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend, dem 19. November 1910, und bis zum Abend fielen "gewaltige" Schneemassen mit vielfältiger Verkehrsbehinderung. Feld und Flur, sowie alle Dächer und Bäume waren erdrückend mit Schnee bedeckt und in eine winterliche Märchenlandschaft verwandelt.

 

Wohl an keinem der verflossenen Tage im Jahr 1910 war der Schlittenverkehr in der Oschatzer Region so lebhaft gewesen wie an diesem. Das Geläut der Schellen wollte kein Ende nehmen. Die vielfach durch die Straßen eilenden Schlitten verliehen Oschatz ein lebendiges Gepräge.

 

Durch den Schneefall wurde es zeitiger dunkel. Der Höhepunkt wurde am 26. November 1910, nachmittags gegen 5 Uhr erreicht. Begünstigt vom Winterwetter kam eine aus Oschatz und Umgebung mit Musik begleitete sowie schön geschmückte Schlittenpartie. Schon am Ortseingang wurde die imposante, nicht enden wollende Schlittenreihe unter dem Hallo von einigen Kindern zum Gasthof Naundorf begleitet. Der Gasthof war bekannt, zumal er erst 1898/99 zu einer größeren Ausflugslokalität mit Vereins- und Fremdenzimmer umgebaut wurde.

 

Die aus zahlreichen Postunterbeamten vom Post- und Telegraphenamt Oschatz bestehende Gesellschaft, darunter auch Postdirektor Dachsel und Postsekretär Igel mit ihren Damen, kehrten im stilvollen Gasthof "Grauer Wolf" ein. Auf dem Vorplatz zum Gasthof entstand eine Regsamkeit. Mit einem weiteren Schlitten kam von der Oberpostdirektion Leipzig Oberpostdirektionssekretär Gwendolin mit Gattin nach Naundorf. Bei der Begrüßung auf dem Vorplatz gab Gwendolin jedem die Hand, und wechselte ein paar Worte.

 

Mit großen Schritten liefen die Gäste ihrem wärmenden Ziel entgegen. Meist machten sie auf der untersten Stufe zur Sonnenterrasse des Gasthofes kurz halt. Dabei ordneten sie ihre Wintergarderobe, begrüßten sich gegenseitig. Pelzhandschuhe sowie gefütterte Pelzmuffe und -coliers gehörten in der Wintersaison zwingend dazu. Ein Muff ist ein röhrenförmiges zusammengenähtes und warm gefütteres Stück Pelz, in das die Hände von beiden Seiten hineingesteckt wurden, um sie warm zu halten. Meist war ein kleines Geldtäschchen mit eingearbeitet.

 

Die Emsigkeit erhöhte sich immer weiter, je mehr Schlitten ankamen. Der Gastwirt und Kaiserliche Postagent Emil Wolf stand erwartungsvoll an der Eingangstür und musterte die Gäste unbeirrt. Mit einer einladenden Bewegung der rechten Hand und einer schuldigen leichten Verbeugung wies er den Weg ins Haus. Mit der linken Hand zeigte er auf das Postschild der Postagentur Naundorf und auf eine Tafel über der Tür. Mit großen Buchstaben hatte man das Wort Gasthof Naundorf geschrieben. Neben der Tür befand sich ein Aushang mit Speisen- und Weinspezialitäten. In der Eingangshalle, kurz vor der Treppe zum Saal, wurden die Gäste vom Personal freundlich erwartet. Das Wintervergnügen der Oschatzer Postler begann mit einem gemeinsamen Essen. Unter anderem gab es Rehrücken, Wildschwein, Königinnensuppe und Rheinlachs, zum Abschluss Leipziger Lerche oder Maulwurfkuchen.

 

Nach dem Essen begann Postdirektor Dachsel in einer festlichen Form mit der Begrüßung. Er endete mit einem dreifachen Vivat auf den Kaiser und den König. Während der Reden von Gwendolin und Igel inspizierte Dachsel die Räumlichkeiten der Kaiserlichen Deutschen Postagentur Naundorf. Trinksprüche dominierten an diesem Abend und auch der Radetzky-Marsch durfte nicht fehlen. Damen trugen Kleider, die den Körper stark zusammenpressten, es gab Ohnmachtsanfälle. Gesprächsthemen waren Adele Sand-rock und Asta Nielsen. Auch unterhielt man sich über die Firma Marthaus in Oschatz. Einige Damen waren Heimarbeiter aus Dahlen und Mügeln. Bei einem flotten Tänzchen nahm der Spaß kein Ende.

 

Die männliche Gesellschaft, meist mit einem Kaiser-Wilhelm-Bart, war mit grauen oder schwarzen Anzügen, Weste, Krawatte und steifem Kragen bekleidet. Da bebte schon die Decke mit dem rustikalen Petroleumkronleuchter. Mit dem "Glück auf, der Steiger kommt" wurde die Heimfahrt angetreten. Vorbei am Rittergut Leuben, durch Thalheim nach Oschatz. An jedem Schlitten waren Sturmlaternen befestigt. Doch plötzlich stieß man auf eine hohe Schneewehe. Der letzte Schlitten wankte hin und her. Die einen fielen rechts und die anderen links in den Schnee. Die Pferde trabten aber weiter in Richtung Heimat. Pferde und Schlitten kamen ohne zwei Paare am Postamt an. Ein Postillon fuhr sofort los, um die Vermissten zu suchen. Er fand sie unverletzt und brachte sie nach Oschatz zurück. Claus Schimmel

Claus Schimmel

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