Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Schrecken der Mügelner Autofahrer im Ruhestand

Straßenverkehr Schrecken der Mügelner Autofahrer im Ruhestand

Insgesamt rund 12300 Knöllchen hat Eberhard Aßmus nach eigenen Angaben im Laufe seiner 20-jährigen Tätigkeit als Vollzugsbediensteter der Stadtverwaltung Mügeln verteilt. Jetzt verabschiedete ihn Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke in den Ruhestand – und sucht einen Nachfolger. Wer gern Knöllchen verteilt, kann sich bei der Stadtverwaltung melden.

Eberhard Aßmus geht in den Ruhestand und verteilt keine Knöllchen mehr.

Quelle: Dirk Hunger

Mügeln. Die Verabschiedungsrunde im Rathaus Mügeln setzt sich unbeirrt fort. Räumte bereits Ende Februar Stadtkämmerin Rosmarie Sprößig ihren Schreibtisch in der Stadtverwaltung und trat ihren Ruhestand an, folgte ihr kurze Zeit darauf Ordnungsamtschef Frank Roßberg (wir berichteten). Jetzt verabschiedete Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke (Freie Wählervereinigung Mügeln) vor versammelter Rathausmannschaft Eberhard Aßmus.

Genau 20 Jahre, einen Monat und 26 Tage war der 73-Jährige nach eigenen Angaben im Stadtgebiet im Einsatz, verteilte an Falschparker Knöllchen und ermahnte sie mit einem Ordnungsgeld zur Einhaltung der Straßenverkehrsordnung. Immerhin etwa 12 300 Knöllchen hat der Mügelner im Laufe der Jahre hinter die Scheibenwischer an die Windschutzscheiben von Autos geheftet oder sie ihren Haltern gleich höchstpersönlich in die Hand gedrückt, wie er selbst ausgerechnet hat.

Das war jedoch nicht die einzige Aufgabe des Vollzugsbediensteten, wie die offizielle Bezeichnung seines Jobs in der Behördensprache heißt, mit dem er über die Jahre hinweg im Nebenerwerb seine Brötchen verdiente. Aßmus rief Kraft seines Amtes auch Hundehalter zur Ordnung, denen beispielsweise die Hinterlassenschaft ihrer Vierbeiner im Stadtgebiet oder auf den öffentlichen Flächen völlig gleichgültig war und überprüfte zudem das Vorhandensein und die Gültigkeit der Hundemarken.

„Ich bin ein ordnungsliebender Mensch“, sagt Aßmus selbst von sich. Schließlich engagierte er sich auch fast 20 Jahre lang aktiv in der Verkehrswacht der Stadt Mügeln.

Dass man sich als „Knöllchenverteiler“ nicht unbedingt Freunde macht, das musste auch Aßmus über all die Jahre des Öfteren zur Kenntnis nehmen. „Da hat es alles gegeben, Beschimpfungen von Bürgern reichten von Arschloch bis zur Morddrohung“, resümiert Aßmus über Nebenwirkungen seiner verantwortungsvollen Tätigkeit. Doch davon ließ sich der Mügelner keinesfalls beeindrucken, sah stattdessen über die ausfälligen Bemerkungen seiner Mitmenschen großzügig hinweg: „Wenn ich jedes Wort auf die Goldwaage gelegt hätte, würde ich dreimal in der Woche beim Gericht sitzen. Man muss sich ein dickes Fell zulegen. Die Aufgabe pflichtbewusst durchzuziehen, gehört einfach dazu.“ Und schließlich könne nicht er dafür, wenn jemand beispielsweise seine Parkuhr nicht ins Auto lege. Da müsse man eben mit Sanktionen rechnen.

Doch auch eine positive Seite seines bei manchem Zeitgenossen verhassten Jobs möchte Aßmus nicht unerwähnt lassen. „Für mich war es gut, immer an der frischen Luft und in Bewegung zu sein.“

Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke lobte das Engagement von Aßmus vor den Rathausmitarbeitern in höchsten Tönen. „Es war sicher nicht einfach. Du hast drei Bürgermeister überlebt und kannst jetzt deinen Ruhestand genießen. Ich wünsche dir viel Gesundheit und genieße die nächsten Jahre.“ Gleichzeitig stellte Stadtchef Ecke klar, dass es jetzt in Mügeln keineswegs einen rechtsfreien Raum geben werde. Die Aufgabe übernimmt zunächst zusätzlich Julius Enge, Sachbearbeiter im Ordnungsamt. „Ich versuche, wenn ich die Zeit finde, mir einen Block zu schnappen, und aufmerksam eine Runde durch Mügeln zu drehen“, kündigt der 19-Jährige an. Autofahrer sollten in Mügeln also auch weiterhin auf der Hut sein und die Vorschriften einhalten.

Die Stadt will unterdessen die Teilzeitstelle des Vollzugsbediensteten demnächst öffentlich ausschreiben. Ecke ist sich allerdings bewusst, dass es schwer sein wird, einen Nachfolger zu finden. Wer also gern Knöllchen verteilt, wird ermuntert, sich dafür in der Stadtverwaltung Mügeln zu bewerben.

Von Heinz Großnick

Mügeln 51.2364187 13.045206
Mügeln
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oschatz
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

22.08.2017 - 06:26 Uhr

Laußig und Bad Düben starten mit klaren Heimniederlagen.

mehr