Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Schrecken der Mügelner Autofahrer im Ruhestand
Region Oschatz Schrecken der Mügelner Autofahrer im Ruhestand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 25.03.2016
Seinen Strafzettelblock nahm Eberhard Aßmus hier für den Fotografen noch ein letztes Mal auf dem Marktplatz in Mügeln zur Hand. Zuvor wurde er im Rathaus feierlich mit einem Blumenstrauß und Dankesworten des Bürgermeisters und der Mitarbeiter verabschiedet. Quelle: Dirk Hunger
Anzeige
Mügeln

Die Verabschiedungsrunde im Rathaus Mügeln setzt sich unbeirrt fort. Räumte bereits Ende Februar Stadtkämmerin Rosmarie Sprößig ihren Schreibtisch in der Stadtverwaltung und trat ihren Ruhestand an, folgte ihr kurze Zeit darauf Ordnungsamtschef Frank Roßberg (wir berichteten). Jetzt verabschiedete Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke (Freie Wählervereinigung Mügeln) vor versammelter Rathausmannschaft Eberhard Aßmus.

Genau 20 Jahre, einen Monat und 26 Tage war der 73-Jährige nach eigenen Angaben im Stadtgebiet im Einsatz, verteilte an Falschparker Knöllchen und ermahnte sie mit einem Ordnungsgeld zur Einhaltung der Straßenverkehrsordnung. Immerhin etwa 12 300 Knöllchen hat der Mügelner im Laufe der Jahre hinter die Scheibenwischer an die Windschutzscheiben von Autos geheftet oder sie ihren Haltern gleich höchstpersönlich in die Hand gedrückt, wie er selbst ausgerechnet hat.

Das war jedoch nicht die einzige Aufgabe des Vollzugsbediensteten, wie die offizielle Bezeichnung seines Jobs in der Behördensprache heißt, mit dem er über die Jahre hinweg im Nebenerwerb seine Brötchen verdiente. Aßmus rief Kraft seines Amtes auch Hundehalter zur Ordnung, denen beispielsweise die Hinterlassenschaft ihrer Vierbeiner im Stadtgebiet oder auf den öffentlichen Flächen völlig gleichgültig war und überprüfte zudem das Vorhandensein und die Gültigkeit der Hundemarken.

„Ich bin ein ordnungsliebender Mensch“, sagt Aßmus selbst von sich. Schließlich engagierte er sich auch fast 20 Jahre lang aktiv in der Verkehrswacht der Stadt Mügeln.

Dass man sich als „Knöllchenverteiler“ nicht unbedingt Freunde macht, das musste auch Aßmus über all die Jahre des Öfteren zur Kenntnis nehmen. „Da hat es alles gegeben, Beschimpfungen von Bürgern reichten von Arschloch bis zur Morddrohung“, resümiert Aßmus über Nebenwirkungen seiner verantwortungsvollen Tätigkeit. Doch davon ließ sich der Mügelner keinesfalls beeindrucken, sah stattdessen über die ausfälligen Bemerkungen seiner Mitmenschen großzügig hinweg: „Wenn ich jedes Wort auf die Goldwaage gelegt hätte, würde ich dreimal in der Woche beim Gericht sitzen. Man muss sich ein dickes Fell zulegen. Die Aufgabe pflichtbewusst durchzuziehen, gehört einfach dazu.“ Und schließlich könne nicht er dafür, wenn jemand beispielsweise seine Parkuhr nicht ins Auto lege. Da müsse man eben mit Sanktionen rechnen.

Doch auch eine positive Seite seines bei manchem Zeitgenossen verhassten Jobs möchte Aßmus nicht unerwähnt lassen. „Für mich war es gut, immer an der frischen Luft und in Bewegung zu sein.“

Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke lobte das Engagement von Aßmus vor den Rathausmitarbeitern in höchsten Tönen. „Es war sicher nicht einfach. Du hast drei Bürgermeister überlebt und kannst jetzt deinen Ruhestand genießen. Ich wünsche dir viel Gesundheit und genieße die nächsten Jahre.“ Gleichzeitig stellte Stadtchef Ecke klar, dass es jetzt in Mügeln keineswegs einen rechtsfreien Raum geben werde. Die Aufgabe übernimmt zunächst zusätzlich Julius Enge, Sachbearbeiter im Ordnungsamt. „Ich versuche, wenn ich die Zeit finde, mir einen Block zu schnappen, und aufmerksam eine Runde durch Mügeln zu drehen“, kündigt der 19-Jährige an. Autofahrer sollten in Mügeln also auch weiterhin auf der Hut sein und die Vorschriften einhalten.

Die Stadt will unterdessen die Teilzeitstelle des Vollzugsbediensteten demnächst öffentlich ausschreiben. Ecke ist sich allerdings bewusst, dass es schwer sein wird, einen Nachfolger zu finden. Wer also gern Knöllchen verteilt, wird ermuntert, sich dafür in der Stadtverwaltung Mügeln zu bewerben.

Von Heinz Großnick

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Polizeiticker Wiederholt ausländerfeindlich aufgefallen - 56-Jähriger Oschatzer bedroht Gastwirt mit Pistole

Ein als ausländerfeindlich bekannter Mann hat am Mittwochabend in Oschatz einen indischen Pizzariabetreiber beschimpft und mit einer Pistole bedroht. Schließlich konnte der Mann überwältigt werden.

24.03.2016

An sich sind Sprach-, Natur- und Gesellschaftswissenschaften eine schöne Sache. Nach dem Abitur lässt sich das Leben allerdings nicht mehr in einzelne Schulfächer einteilen. Einen Vorgeschmack darauf erlebten die Schüler des Thomas-Mann-Gymnasiums (TMG) in dieser Woche bei fächerübergreifenden Projektarbeiten.

24.03.2016

Ostern, das Ende der Dunkelheit, der Beginn des neuen Lebens – dieses wichtigste Fest des Christentums ist seit jeher eng verbunden mit dem Ritual der Taufe. Wenngleich die Zahl der Täuflinge in der Region kleiner geworden ist, ist die Osterzeit für Taufen der Klassiker.

24.03.2016
Anzeige