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Schreckliche Premiere für Betreuer von geschockten Feuerwehrleuten bei Oschatz

Feuerwehr Schreckliche Premiere für Betreuer von geschockten Feuerwehrleuten bei Oschatz

Nach schweren Verkehrsunfällen stehen die Rettungskräfte oftmals unter Schock. Zur psychischen Betreuung der Helfer wurde zum Jahresanfang ein Team zur psychischen Nachsorge gegründet. Nach dem schweren Verkehrsunfall am 30. April bei Oschatz hatte das Team seinen ersten Einsatz.

Ein verheerendes Bild bot sich den Feuerwehrkameraden nach dem Unfall am 30. April auf der B 6 bei Oschatz.

Quelle: Fotograf Sven Bartsch

Oschatz. Der Anlass für die Premiere hätte kaum schlimmer sein können: Nach dem schweren Verkehrsunfall am 30. April auf der Bundesstraße 6 bei Oschatz, bei dem vier Menschen ums Leben kamen, war das zum Jahresanfang gegründete Einsatznachsorgeteam (ENT) erstmals gefordert. Die geschockten Feuerwehrleute, die nach dem Unfall zur Stelle waren, brauchten Unterstützung.

Bei dem Unfall war ein Peugeot gegen 12 Uhr auf der Bundesstraße aus Richtung Riesa in Richtung Oschatz unterwegs. Das Auto geriet vor dem Abzweig Rechau auf die Gegenfahrbahn. Die Polizei ermittelte später, dass der 61-jährige Fahrer aus gesundheitlichen Gründen die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hatte. Er stieß dabei mit einem VW, der aus Oschatz kam, zusammen. Die 53-jährige Frau und der 61-jährige Fahrer im Peugeot überlebten den Crash nicht. Im entgegenkommenden VW wurden bei dem Zusammenstoß der 58-jährige Fahrer sowie eine 64-jährige Insassin getötet. Die 58-jährige Beifahrerin wurde mit dem Hubschrauber sehr schwer verletzt und musste ins Krankenhaus geflogen werden.

Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Oschatz waren mit einem Großangebot unterwegs und mussten die Fahrzeuge zum Teil aufschneiden, um die Opfer bergen zu können. Eine Aufgabe, die die erfahrenen Kameraden zwar professionell erledigten, die aber dennoch nicht spurlos an ihnen vorüber ging.

Karsten Saack war als stellvertretender Kreisbrandmeister vor Ort. Als Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes wusste er von der Existenz des Einsatznachsorgeteams, das Kameraden bei schweren Einsätzen psychisch betreut. Saack kontaktierte die Helfer, noch während die Kameraden am Unfallort zu tun hatten. Über die Leitstelle Dresden wurde der Koordinator des ENT alarmiert. Dieser schickte Marlen Reichel aus Lampersdorf und Frieder Hofmann aus Dresden zum Einsatzort. „Es war für uns der erste Einsatz seit der Gründung des ENT – ein gutes Gefühl als Ansprechpartner zur Unterstützung der Einsatzkräfte vor Ort sein zu können. Für die Kameraden war es eine Herausforderung, denn die Opfer verstarben am Unfallort und nicht im Rettungswagen oder Krankenhaus. Und obwohl die Oschatzer Kameraden bereits viele Einsätze erlebt und auch schon einiges gesehen haben, belastete sie der Verlust von vier Menschen. Da ich selber mit am Unfallort war, konnte ich mich gut in die Einsatzkräfte hinein versetzen“, sagt Marlen Reichel, die selbst in der Feuerwehr tätig ist.

Vor Ort suchte sie mit den Kameraden, die nur noch auf den Gerichtsmediziner warten konnten, das Gespräch. Sie begleitete die Kameraden zurück in das Gerätehaus. „Ich denke, es war auch für sie ein beruhigendes Gefühl, dass einfach jemand da war. Ich habe ihnen gesagt, dass sie mit uns reden und auch später noch Kontakt mit uns aufnehmen können, wenn Redebedarf besteht.“

Und dieser Bedarf war gegeben. „Da es der erste Einsatz für uns war, war ich zwar aufgeregt, bin am Ende aber mit einem sehr guten Gefühl nach Hause gefahren. Ich habe schon bei meiner früheren Tätigkeit im Rettungsdienst immer wieder gesehen, wie es einigen Helfern bei schwierigen Einsätzen ging. Und auch ich selbst war schon in der Situation, in der ich die Einsatz-Nachsorge gerne angenommen hätte, als wir bei einem Einsatz mit der Waffe bedroht wurden. Ich denke, das ENT kann etwas Positives bewirken“, so die Lampersdorferin. Sie und ihre Kollegen sind ehrenamtliche aktive Feuerwehrangehörige mit einer Einsatznachsorge-Ausbildung an der Sächsischen Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Nardt und psychosoziale Fachkräfte, die mit dem Einsatzalltag vertraut sind.

Von Kristin Engel

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