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Oschatz Schuldenfrei und nicht verheiratet – Wanderbursche macht in Oschatz Station
Region Oschatz Schuldenfrei und nicht verheiratet – Wanderbursche macht in Oschatz Station
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16:05 24.10.2016
Zimmerergeselle Halka macht auf seinem Weg von Leipzig nach Dresden am Oschatzer Vogtshaus Station Quelle: Dirk Hunger
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Oschatz

Kürzlich in Oschatz: ein junger Mann in schwarzer Cord-Kluft und mit breitkrempigen Hut steht an der Bundesstraße 6 und hebt den Daumen. Er sucht eine Mitfahrgelegenheit nach Dresden. Eine Stunde zuvor hatte sich der Zimmerergeselle, der sich nur Halka nennt, im Vogtshaus einen Stempel für sein Wanderbuch geholt und stand der Oschatzer Allgemeinen für ein Gespräch zur Verfügung. Reisen darf er nur zu Fuß, per Anhalter oder mit Tickets, die ihm jemand schenkt. Für einen Gesellen, der Meister werden wollte, war die Walz viele Jahrhunderte Pflicht. Auf den Wanderjahren sollte er in anderen Werkstätten, als jener, in der er gelernt hatte, weiteres Wissen erwerben.

Wanderkarte mit zwei Tabuzonen

Diese Art von Weiterbildung ist auch für Halka der Anreiz, die Strapazen auf sich zu nehmen, die solch eine drei Jahre und einen Tag andauernde Wanderschaft mit sich bringt. Es gäbe nur wenige Bedingungen für die Tippelei“, erläutert er: „Man muss den Gesellenbrief haben, schuldenfrei sein und darf nicht verheiratet sein“. Schließlich solle die Wanderschaft nicht wie eine Flucht aussehen.

Der 27-Jährige ist inzwischen rund ein Jahr unterwegs. Seine Karte weist zwei sich überschneidende braune Flecken auf. Damit sind die Gebiete rund um Potsdam und um das in der Prignitz liegende Kyritz abgedeckt. Der Stadt, in der er gelernt hat und seiner Heimatstadt darf sich Halka bis zum Ende seiner Wanderschaft nicht mehr als 51 Kilometer nähern.

Die meiste Zeit seines ersten Wanderjahres habe er in Deutschland verbracht, den Sommer vor allem an der Ostsee. „Ich habe unter anderem ist Greifswald, Wismar und Lübeck gearbeitet“, erzählt er. Außerdem führte ihn die Wanderschaft schon in die Niederlande und im vergangenen Winter in die Schweiz. „Die interessante Arbeitsstelle war bis jetzt eine Zimmerei, die seit 1735 als Familienbetrieb geführt wird. Vom der dort angesammelten Theorie und Praxis konnte ich profitieren“, betont Halka. Zuletzt sei er in Frankfurt am Main tätig gewesen. Bevor er sich einen neuen Job suche, wolle er sich in Dresden mit Freunden treffen. Das sei nicht verboten. Tabu sei allerdings, ein Smartphon im Gepäck zu haben oder in sozialen Netzwerken Kontakte zu pflegen. Aber verabreden könne man sich auch anders. So könne er seine Freundin treffen, ohne die „Bannkreise“ zu betreten.

Mit eigenem Arbeitsgerät unterwegs

Neue Arbeit finde ein Geselle, indem er in Betrieben oder auf Baustellen nachfrage. Außerdem erhalte man manchmal Tipps von den Handwerkskammern. Dabei geht es Halka nicht zuerst ums Geld, sondern ums Lernen. Aber wenn beides nicht funktioniere, müsse man eben einen Meister schon mal vor Ende der vereinbarten Zeit wieder verlassen.

Im Gepäck hat Halka mehr Werkzeug als Klamotten. „Ich dachte erst, man könne das Werkzeug am Arbeitsort nutzen, aber der eigene Zimmererhammer ist durch nichts zu ersetzen“, hat der Geselle erfahren. Daneben gehöre unter anderem ein von einem Freund geschmiedetes Stemmeisen zu seinem Gepäck.

Da man als Wandergeselle seine Siebensachen meist selber tragen muss, will jedes Gepäckstück sorgfältig gewählt sein. „Es ist eine coole Erfahrung, sich damit auseinandersetzen zu müssen, was wirklich wichtig ist“, stellt Halka fest. So besitzt er nur ein Paar Schuhe, das zwar schon mehrfach geflickt und repariert ist, ihm aber seit über einem Jahr zuverlässig dient. Ein anderer zuverlässiger Begleiter ist sein auffällig geformter Wanderstab – der Stenz. Ihn hat Halka bei Lauenburg gefunden.

Von Axel Kaminski

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