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Schulschwänzer hinter Gittern

Schulschwänzer hinter Gittern

Die Sommerferien können eine aktuelle Diskussion nicht gänzlich ausblenden. Im Freistaat werden wieder vermehrt Schulschwänzer registriert.

Oschatz/Nordsachsen.

 

 

 

 

Laut Kultusministerium wurden im Schuljahr 2010/11 im Freistaat 5238 Schüler gezählt, die den Unterricht verweigerten. Das entspricht einem Zuwachs von 13 Prozent im Vergleich zum vorherigen Schuljahr. Im Landkreis Nordsachsen waren es im gleichen Zeitraum 261 Jugendliche, die dem Unterricht unentschuldigt fernblieben. Das sind 37 Fälle mehr als im Schuljahr davor. Damit liegt Nordsachsen im Trend.

Die schwierigsten Zeiten liegen aber offenbar hinter den Schulen. Im Schuljahr 2005/06 gab es im Kreis Nordsachsen noch 366 notierte Fälle.

Schulschwänzerei ist kein Kavaliersdelikt. Erst recht nicht im Wiederholungsfall. Das Strafregister sieht Verwarnungen über Geldstrafen bis hin zum Jugendarrest vor. "Die Verwaltungsvorschrift Schulverweigerer sowie Paragraf 61 des Schulgesetzes geben klare und verbindliche Handlungsorientierungen für die Schulen", erklärt Susann Mende, Sprecherin des Kultusministeriums in Dresden. Danach werden die Eltern per Schulleiterbrief nach der zweiten unentschuldigten Fehlstunde informiert. Mende ergänzt: "Natürlich werden zuerst Gespräche mit dem Schüler geführt, um die Ursachen des Fehlens zu ergründen." Ab dem dritten unentschuldigten Fehltag im Schulhalbjahr wird's dann unangenehm für den Schwänzer. Die Schule sucht den Kontakt zur Familie. Bei weiterem Fehlen können auch die Vertrauens- und Beratungslehrer herangezogen werden. Die Schule informiert außerdem über Angebote der Jugendhilfe.

Ändert sich nach dem Gespräch mit den Eltern nichts, wird ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Dann übernimmt der Landkreis Nordsachsen als untere Verwaltungsbehörde das Verfahren. Der wiederholte Verstoß kann mit einer Geldbuße bis zu 1250 Euro geahndet werden.

Ist der Delinquent auch dann nicht zur Vernunft zu bringen oder wird die Geldstrafe nicht bezahlt, können Arreststrafen verhängt werden. Die werden von Amtsgerichten angeordnet. Birgit Ackermand, Sprecherin des Justizministeriums: "Die Anordnung von Jugendarrest gegen Schulverweigerer in Sachsen beruht auf Festlegungen im Schulgesetz. Danach kann Jugendarrest verhängt werden, wenn ein Schulverweigerer eine gegen ihn verhängte Geldbuße nicht bezahlt hat und auch einer vom Jugendrichter angeordneten Maßnahme nicht nachgekommen ist." Wird ein Arrest angeordnet, geht's zur mehrtägigen Selbstreflektion in den Knast, vorzugsweise in die Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen.

Auch Schulschwänzer aus der Region Oschatz machen immer mal wieder Bekanntschaft mit diesem Ort. Laut Katja Kohlschmid, Direktorin des Amtsgerichtes Oschatz, wanderten im vergangenen Jahr acht Schulschwänzer in den Jugendarrest. In diesem Jahr wurden bisher drei Bummelanten mit Arrest bestraft. Sie müssen jeweils sieben Tage in Regis-Breitingen absitzen. "Viele, die als Straftäter zu uns kommen, waren Schulschwänzer", weiß die Gerichtsdirektorin. Oftmals erweise sich der Jugendarrest allerdings "als stumpfes Schwert". "Vielfach melden die Schulen die Schwänzer nicht schon nach dem fünften oder sechsten, sondern erst nach dem 40. Fehltag. Und danach liegt die Sache noch etliche Zeit bei der Bußgeldstelle des Landratsamtes." Die Folge: Die Jugendlichen kommen erst dann in den Arrest, wenn sie ihre Schulzeit schon längst hinter sich haben. Katja Kohlschmid: "Es wäre schön, wenn das etwas zackiger abliefe."

Besonders viele Schwänzer leben den Statistiken nach in den Großstädten Leipzig und Dresden. 23 Prozent aller Schulschwänzer Sachsens wurden an Leipziger Schulen registriert, der Anteil der Dresdener Schulverweigerer lag bei 21 Prozent. An den Schulen der Landkreise Erzgebirgskreis und Meißen wurden 2010/11 die wenigsten Schulschwänzer gezählt. Am häufigsten bleiben junge Leute an berufsbildenden Schulen dem Unterricht fern. Das Kultusministerium versucht mit verschiedenen Projekten, Schulschwänzer wieder zur Teilnahme am Unterricht zu bewegen. Hierzu gehören Lerncamps und tageweiser Unterricht in Unternehmen.

-Kommentar

 

Thomas Lieb/Frank Hörügel

 

Schulschwänzer Kreis Leipzig Mittelsachsen Nordsachsen Sachsen

2005/06712 376 366   5428 2006/07609 278 362   5206 2007/08376 147 243   4890 2008/09163 235 269   4627 2009/10247 271 224   4656 2010/11234 320 261   5238

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