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Schutz vor Amokläufern: Landkreis will Oschatzer Schulen sicherer machen

Schutz vor Amokläufern: Landkreis will Oschatzer Schulen sicherer machen

15 Tote und ein Dutzend schwer verletzte Menschen: Das war die schreckliche Bilanz des Amoklaufs im baden-württembergischen Winnenden am 11. März 2009. Obwohl dieses Drama bereits sechs Jahre zurückliegt, ist es nicht vergessen.

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Nach den Amokläufen von Erfurt und Winnenden wurden etliche Schulen in Deutschland mit Amok-Alarm-Knöpfen ausgerüstet.

Quelle: privat

Die Konsequenz: Schüler und Lehrer sollen besser vor Amokläufern geschützt werden. In den vergangenen Jahren haben die Schulträger in die Sicherheit investiert - in unterschiedlichem Umfang.

 

Für vier Oschatzer Schulen trägt der Landkreis Nordsachsen die Verantwortung: Berufliches Schulzentrum, Thomas-Mann-Gymnasium, Rosenthalschule - Förderschule für Lernbehinderte und Förderschule für geistig Behinderte. "Prinzipiell hat sich der Schulträger Landkreis Nordsachsen - auch in Auswertung der bekannten Vorkommnisse mit Amokläufen in Schulen - dazu bekannt, der Gewährleistung der Sicherheit seiner Schulen vor unbefugtem Betreten, der Verhinderung von Amokläufen und dem Schutz des Lebens und der Gesundheit der Schüler und Lehrkräfte im Falle einer Amok-Gefahr eine sehr hohe Priorität einzuräumen", sagt Rayk Bergner, Pressesprecher der Kreisbehörde.

 

In den vier Oschatzer Schulen sei die sogenannte Verschlusssicherheit gewährleistet. Hierzu habe der Landkreis bereits beim Bau der Gebäude gesorgt oder die entsprechende Technik nachgerüstet. So wie beim Thomas-Mann-Gymnasium, für das der Landkreis am 1. Januar 2010 die Trägerschaft von der Stadt Oschatz übernommen hat. Bergner: "Die Regelungen zur Zutrittsberechtigung sowie den Zutrittszeiten in die Gebäude wurden durch die jeweiligen Schulleitungen getroffen."

 

Für das Thomas-Mann-Gymnasium ist Marion Müller verantwortlich. Nach Angaben der Schulleiterin kann über ein neu eingeführtes Schlüsselsystem für die Lehrer elektronisch erfasst werden, welcher Kollege wann das Schulhaus betritt oder verlässt. Für alle anderen Personen, die ins Gymnasium wollen, gibt es eine Einlasskontrolle per Video, die vom Sekretariat aus gesteuert wird. Während des Unterrichts könnten die meisten Klassenzimmer (außer Fachkabinette) jedoch nicht abgeschlossen werden. "Das hängt mit den Fluchtwegen zusammen", erklärt die Schulleiterin. Zudem würden die Lehrer regelmäßig geschult, wie sie sich im Falle eines Amoklaufes verhalten sollten. Mit einem bestimmten Wort-Code werde so im Ernstfall ein genau festgelegter Handlungsablauf in Gang gesetzt. Marion Müller weiß aber auch: "Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, aber wir können zumindest eine Hemmschwelle errichten."

 

Im Beruflichen Schulzentrum (BSZ) mit seinen Standorten Am Zeugamt und in der Berufsschulstraße gibt es laut Schulleiterin Margit Müller kein hausinternes Alarmierungs-System. "Denn wir haben in Oschatz die Besonderheit, dass es zwei selbstständige Häuser gibt, die nicht miteinander verbunden sind", sagt sie. Das BSZ zählt aktuell 360 Schüler und 40 Lehrer. Einmal jährlich würden die Lehrer im Rahmen der Arbeitssicherheit zum Verhalten im Fall eines Amoklaufes geschult. Mittlerweile seien alle Unterrichtsräume so nachgerüstet worden, dass sie von innen abgeschlossen werden könnten. "Im Falle eines Falles könnten sich die Lehrer und Schüler in den Unterrichtsräumen verbarrikadieren", sagt Margit Müller. Eine Garantie, dass kein Unbefugter die Schulgebäude betreten könne, gebe es jedoch nicht. "Wir haben eine offene Schule und können die Türen gar nicht verschließen, da auch die Volkshochschule unsere Räume nutzt", sagt sie.

 

Sicherheitstechnisch am weitesten aufgerüstet hat der Landkreis sein Gymnasium in Delitzsch. Die Eingänge sind videoüberwacht und mit Zeitschaltuhren ausgestattet. Neu ist, dass alle Unterrichtsräume miteinander verbunden sind und Notfalltasten für eine Alarmierung der gesamten Schule haben. Das Signal erreicht zuerst die Schulleitung. Zudem gibt es auf jeder Etage einen sogenannten Panikraum, den jene aufsuchen können, die bei einer Alarmierung auf den Gängen sind. Die Unterrichtsräume können von außen nicht mehr geöffnet werden, sind mit einem Knauf gesichert. Ohne Schlüssel kommt niemand rein.

 

Bezüglich der Alarmierungsmöglichkeiten an den anderen kreiseigenen Schulen befindet sich Nordsachsen laut Pressesprecher Bergner noch in der Vorbereitungsphase: "Die Maßnahmen in Bezug auf Amok werden an allen Schulen schrittweise umgesetzt."

Frank Hörügel

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