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Oschatz Schwarzer Humor mit Stefan Schwarz in der Stadthalle Oschatz
Region Oschatz Schwarzer Humor mit Stefan Schwarz in der Stadthalle Oschatz
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15:30 28.10.2016
Kommt gern nach Oschatz: Stefan Schwarz Quelle: Foto: Dirk Hunger
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Oschatz

Die komischsten Momente entstehen, wenn ernste Situationen ins Absurde kippen. Dieses Prinzip wendet Stefan Schwarz in seinem vierten Roman konsequent an. In dieser Woche las der Leipziger Autor, Kolumnist und Journalist aus „Oberkante Unterlippe“ in der Oschatzer Stadthalle – und bescherte damit den über 100 zumeist weiblichen Gästen im Thomas-Müntzer-Haus einen unterhaltsamen Abend.

Erzählt wird vom Schauspieler Yannek Blume, der drei Sachen sucht: Einen Job, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, eine Frau fürs Leben und seinen Vater, den er niemals kennenlernte. Larissa, Hamburger Arzttochter, scheint die Richtige zu sein. Doch schon nach der ersten gemeinsamen Nacht eröffnet sie ihm: „Du wirst Vater.“ Yanneks erster Gedanke: „Dass sie die dazugehörige Mutter war, erwähnte Larissa nicht.“Das gibt den Ton für den Rest des Buches vor.

Das Bewusstsein dafür, dass aus Liebe im Handumdrehen Hass wird, was das aus Menschen macht und wie kompliziert das Ganze dann wird, wenn ein gemeinsames Kind im Spiel ist, hat Stoff für eine Tragödie. Schwarz gelingt es jedoch, all dem mit Komik zu begegnen. „Ein Kind ist kein Gegenstand, den man hin und her schieben kann“, sagt er. Im Umkehrschluss wimmelt es im Werk vor Gegenständen, die Ausgangspunkt herrlicher Situationskomik sind: Ein Hochbett mit Leiter, deren lockere Sprossen „in keiner Epoche der menschlichen Evolution als geeignetes Instrument für ein gelungenes Vorspiel nützlich waren oder sind“, die massive, aus Eisen geschmiedete Flurgarderobe, die das Paar beim ersten Koitus aus der Wand reißt oder der scharfkantige Couchtisch, der aus Sicht der Babysitterin eine Lebensgefahr für den Sprössling darstellt und schließlich die komplett möblierte Wohnung, die Yannek auf die entscheidende Spur zu seinem Erzeuger führt.

Der Roman ist bevölkert von Frauen, die dem Helden das Leben schwer machen: Eine dominante Schwiegermutter, eine radikal-feministische Furie als Beistand im Sorgerechtsstreit und eben Larissa, die Traumfrau, die zum Alptraum wird.

Einziger Lichtblick in dem mit grotesken Details gespickten Roman ist dann folgerichtig ein Mann. Mittels eines Anwalts findet Yannek heraus, wer sein Vater ist. Die Auflösung führt weit zurück in die DDR-Zeit und soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

„Ich schreibe über Männer, habe aber seltsamerweise fast nur weibliche Fans“, sagt Schwarz. Vermutlich sei das darin begründet, dass die Damen über seine Schilderungen einen Blick in das männliche Denken gewinnen wollen. Im Thomas-Müntzer-Haus gelang das den anwesenden Frauen offenbar sehr gut – das ließ sich aus dem Applaus schließen. Grund genug für Stefan Schwarz, noch ein weiteres Mal nach Oschatz zu kommen.

Von Christian Kunze

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