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Oschatz Schwarzer Peter bleibt schwarz und freut sich auf Besuch in Oschatz
Region Oschatz Schwarzer Peter bleibt schwarz und freut sich auf Besuch in Oschatz
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17:18 13.11.2014
Die Blomberger Zwarte Pieten dürfen ihre Gesichter auch künftig schwarz schminken. Quelle: Dirk Hunger
oschatz/blomberg

von frank hörügel

Am Mittwoch hatte das Verwaltungsgericht im niederländischen Den Haag geurteilt, dass die Zwarten Pieten (Schwarzer Peter) ihre Gesichter nun doch weiter tiefschwarz anmalen dürfen (wir berichteten). Damit ist das Gastspiel der Blomberger in Oschatz auch in diesem Jahr gesichert.

Charles Vlaanderen aus Blomberg war auch gestern - einen Tag nach dem Richterspruch - noch immer bester Laune. "Ich bin glücklich über das Urteil", sagt der Vize-Vereinschef des Blomberger Heimatvereins Sint Nicolaas. Der 69-Jährige freut sich schon auf den 6. Dezember. An diesem Tag wird er mit zwei Zwarte Pieten aus Blomberg in Oschatz eintreffen und zusammen mit fünf schwarz geschminkten Oschatzern Pfeffernüsse und Spekulatius an die Kinder verteilen. Die Zwarte Pieten mit ihren schwarz geschminkten Gesichtern, dem krausen Haar und den knallroten Lippen werden wieder der Hingucker inmitten der weihnachtlich geschmückten Buden sein.

Seit Monaten wird im Blomberger Heimatverein Sint Nicolaas darüber diskutiert, wie es mit den Zwarten Pieten weitergeht. Auslöser dafür war, dass das Verwaltungsgericht in Amsterdam im Juli die Zwarte Pieten als rassistisch eingestuft hatte. Das Gericht hatte sich mit seinem Urteil auf eine Einschätzung des UN-Rassismusausschusses gestützt. Der Ausschuss hatte den Piet als ras­sistische Karikatur eingestuft. Die Figur stelle eine negative Stereotypisierung des schwarzen Menschen dar. Ausschussvorsitzende Verene Shepherd sprach gar von einer "Rückkehr zur Sklaverei".

Charles Vlaanderen hält das für Unsinn: "Sint Nicolaas mit seinen Zwarten Pieten sind eine gewachsene Tradition, die schon lange in der holländischen Bevölkerung verankert ist." Auch in der Oschatzer Partnerstadt Blomberg ist diese Tradition seit Jahrzehnten verwurzelt. Von 1962 bis 1996 war hier eine niederländische Einheit von 1600 Soldaten mit ihren Familienangehörigen stationiert.

Saisonauftakt für die Blomberger Zwarten in diesem Jahr ist der Einmarsch in ihre Heimatstadt am 29. November. Genau eine Woche später werden sie dann in Oschatz erwartet. Die Freizeitstätten-Gesellschaft organisiert das Kulturprogramm für den Weihnachtsmarkt. Geschäftsführerin Iris Kübler ist heilfroh, dass die Blomberger Mohren auch in diesem Jahr anreisen. "Für unseren Weihnachtsmarkt ist das ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal, das andere sächsische Weihnachtsmärkte nicht haben", sagt sie. Dass sich die Besucher des weihnachtlichen Trubels auf dem Neumarkt an den schwarzen Gesichtern der Zwarte Pieten stören könnten, befürchtet sie nicht: "Die Oschatzer sind in dieser Beziehung aufgeschlossen."

Frank Hörügel

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