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Oschatz Sebastian Krumbiegel ist Schirmherr der Hubertusburger Friedensgespräche
Region Oschatz Sebastian Krumbiegel ist Schirmherr der Hubertusburger Friedensgespräche
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10:34 30.08.2018
Schloss Hubertusburg in Wermsdorf in Nordsachsen ist Austragungsort und Namensgeber für die 7. Hubertusburger Friedensgespräche am 14. und 15. September. Quelle: Foto: Axel Kaminski
Wermsdorf

Er hat etwas zu sagen und hält damit nicht hinterm Berg: Der Leipziger Musiker und Sänger Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen) ist ein Streiter für Toleranz und Demokratie – und in diesem Jahr Schirmherr der 7. Hubertusburger Friedensgespräche in Wermsdorf. Mit seinem Beitrag wird der zweite Tag der Veranstaltung eröffnet. Im Interview spricht er vorab über die Notwendigkeit, immer wieder um Frieden zu ringen, darüber, was ihn antreibt und was die Besucher in Wermsdorf von ihm erwarten können.

Sebastian Krumbiegel Quelle: Tapete Records

Als die Anfrage zur Schirmherrschaft kam, hatten Sie da schon von den Friedensgesprächen in Wermsdorf gehört?

Das hatte ich tatsächlich. Als zuvor Kurt Biedenkopf Schirmherr war, hatte ich erstmals etwas darüber gelesen und bei der Gelegenheit auch erfahren, dass der Hubertusburger Frieden den Siebenjährigen Krieg beendet hat. Ich finde es wirklich gut, dass der Freundeskreis daran erinnert und heute wieder dazu aufruft, über Frieden nachzudenken. Das unterstütze ich gern.

Ist der Frieden für uns nicht eine Selbstverständlichkeit?

Es schien lange so, weil wir in Deutschland seit über 70 Jahren in Frieden leben. Aber immer mehr Menschen machen sich Gedanken und sorgen sich um die Zerbrechlichkeit des Friedens. An vielen Orten in der Welt leiden andere unter Konflikten und Krieg, und mitunter ist das gar nicht so weit weg von uns – da muss man nur in die Ukraine oder nach Syrien schauen. Mir selbst ist das erstmals richtig bewusst geworden, als ich Bilder aus dem Kosovo-Krieg gesehen habe, auf denen Leute, die so aussahen wie du und ich, die moderne Klamotten anhatten, in ihrem eigenen Blut lagen ...

Aber ist dieses Bewusstsein tatsächlich schon bei allen angekommen oder blendet das die Mehrheit aus?

Ich denke schon, dass sich die meisten Menschen durchaus Sorgen machen, was in der Welt abgeht, und das hat gar nichts mit politischer Überzeugung zu tun. Kriege, Klimawandel und Umweltzerstörung sind Themen, die uns alle umtreiben sollten. Selbst diejenigen, die bei Pegida mitlaufen, machen sich über diese Themen ihre Gedanken. Allerdings kann ich diese Menschen spätestens seit den unsäglichen „Absaufen“-Sprechchören angesichts der Flüchtlingsboote im Mittelmeer nicht mehr verstehen, auch wenn ich immer für einen Perspektivwechsel bin, weil die Welt nun einmal nicht nur schwarz oder weiß ist. Wirklich, ich bin dafür, mit allen zu reden – aber nicht, wenn jemand „Absaufen“ ruft. Es gibt so viel durch Krieg verursachtes Elend, dass man gar nicht oft genug zum Frieden mahnen kann. Ich muss oft an eine Begegnung denken, die etwa zwei Jahre zurückliegt: Ich war beim damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Kulturempfang, und er war gerade aus irgendeinem Krisengebiet zurück und sagte uns, alles sei so furchtbar gewesen, dass er gerade nichts Schönes sagen könne. Das hat mich echt bewegt, weil Steinmeister sonst immer ein Typ ist, der positive Botschaften verbreiten kann.

Haben Sie angesichts der vielen Krisen und bewusst geschürten Eskalationen noch Hoffnung, etwas bewegen zu können?

Wir werden ja auch als „Prinzen“ immer danach gefragt, ob wir mit unserer Musik die Welt verändern können. Das können wir sicher nicht, aber ich glaube, dass es immer auch Menschen gibt, die man damit erreichen kann. Die große Weltpolitik kann ich nicht beeinflussen, aber ein Lied, das Interview, das wir hier führen, oder die Hubertusburger Friedensgespräche – das sind alles Dinge, die andere wahrnehmen, hören, lesen und reflektieren. Es wird immer jemanden geben, der dann wiederum mit anderen darüber spricht, und damit ist schon viel erreicht. Ich weiß, dass meine Äußerungen manchmal einen Shitstorm auslösen, aber ich bekomme auch viele Mails und Zuspruch und erfahre so, dass ich Leute erreichen kann.

Jungen Menschen wird oft vorgeworfen, sie seien desinteressiert und wenig politisch. Wie ist Ihr Eindruck?

Ach, Ältere vergessen gern, wie sie selbst in ihrer Jugend drauf waren. Wir haben doch alle Scheiß gemacht, nur denken wir ungern daran zurück. Ich habe bei Lesungen und Konzerten viel mit Jugendlichen zu tun, und kann sagen, die klatschen nicht höflich, wenn ihnen etwas nicht passt, die verschaffen sich Luft. Außerdem bin ich mit dem Verein „Gesicht zeigen!“ für die Aktion „Störungsmelder“ an Schulen unterwegs und spreche dort über Nazis und Zivilcourage. Dabei merke ich deutlich, dass die Leute interessiert und berührt sind – das ist für mich sehr tröstlich. Unterm Strich finde ich die Menschen, vor allem auch junge Menschen, zurzeit extrem politisch sensibilisiert.

Bei den Hubertusburger Friedensgesprächen haben Sie Gelegenheit, sich selbst zu Wort zu melden. Wie wird Ihr Beitrag aussehen?

Ich werde nicht ans Pult treten und große Reden schwingen, sondern will singen und reden wie mir das Maul gewachsen ist. Das heißt, ich setze mich ans Klavier und werde zwischendurch etwas erzählen, das zu den Liedern und zum Anlass passt. Ich bin dafür, Dinge klar zu benennen, will aber auch positive Botschaften senden – das ist produktiver. Ich freue mich jedenfalls darauf.

Die Tagung ist offen für alle Interessenten. Anmeldungen und Informationen unter www.freundeskreis-hubertusburg.de

Von Jana Brechlin

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