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Oschatz Seit 30 Jahren: Die singenden Lehrer von Oschatz
Region Oschatz Seit 30 Jahren: Die singenden Lehrer von Oschatz
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16:37 08.11.2017
Chorprobe im Schulhaus des Thomas-Mann-Gymnasiums: Das Ensemble in aktueller Besetzung. Quelle: Christian Kunze
Oschatz

Warum sollen denn eigentlich immer nur die Kinder singen, dachte sich vor gut 30 Jahren die Kreisschulrätin Sigrid Schmidt in Oschatz. Ihre Idee, auch die Lehrkräfte und Erzieherinnen gemeinsam Lieder vortragen zu lassen, kann als die Geburtsstunde des Oschatzer Lehrerchores angesehen werden. Am 25. Oktober 1987 war es dann soweit. Mit 16 sangesfreudigen Menschen wurde in den Räumen der damaligen Karl-Liebknecht-Oberschule in Oschatz West das Ensemble aus der Taufe gehoben, das noch heute gemeinsam singt. Und einige der Sänger, darunter Petra Glaesmer und Karl-Heinz Müller, gehören dem Chor seit nunmehr drei Jahrzehnten an. Mitgliedern wie ihnen ist es zu verdanken, dass die Bemühungen um das gemeinsame Singen nach wie vor Früchte tragen. „Wichtig war uns allerdings von Anfang an, den Chor auch für die Vertreter anderer Berufsgruppen zu öffnen“, erinnert sich Karl-Heinz Müller. Diese Aufforderung wurde damals wie heute so gut angenommen, dass aktuell unter den Sängern gar diejenigen mit pädagogischem Hintergrund in der Minderheit sind.

Von dem Klischee, dass die Lehrer vor allem als ewige Rechthaber brandmarkt, hält Katja Scholz, ebenfalls Lehrerin, nicht viel. Seit Frühjahr 2013 fungiert die Kantorin des Kirchspiels im benachbarten Liebschützberg als musikalische Leiterin des Ensembles und wird von allen Sängerinnen und Sängern vor allem für ihre Disziplin geschätzt. „Eine Eigenschaft, die man in dieser Funktion einfach mitbringen muss“, sagt Petra Glaesmer. Sie selbst war vor ihrer Pensionierung Schulleiterin an der Grundschule Magister Hering in Oschatz und weiß, wie es ist, an der Spitze zu stehen. „Schulleiter und Dirigenten haben da durchaus ihre Gemeinsamkeiten“, sagt sie und fügt hinzu: „Bei uns im Chor ist da immer ein bisschen verkehrte Welt. Katja ist unsere Lehrerin und wir sind ihre Schüler“, so die ehemalige Pädagogin. Und außerdem, so Karl-Heinz Müller, verfüge die Chefin auch über den nötigen Witz und nimmt nicht alles bierernst. „Denn, da sind wir uns wirklich alle einig, das Singen soll ja Spaß machen und uns so zusammenhalten.“

Auftritt im DDR-Fernsehen

Einig war sich der Chor auch im Jahre 2013. Als der Mitbegründer und langjährige Chorleiter Jürgen Quisdorf, dessen Name auch mit zahlreichen anderen Chören in der Stadt und der Region verbunden ist, sich entschloss, die Leitung aus gesundheitlichen Gründen niederzulegen, gab es keine Diskussion. „Alle wollten, dass es weitergeht, also musste ein Nachfolger her“, sagt Karl-Heinz Müller.

Denn die Tradition nach über zwei Jahrzehnten einfach so einschlafen zu lassen, das konnte sich keiner so recht vorstellen – immerhin hatte sich der Chor über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht und Oschatz zu einiger Bekanntheit verholfen. Schon im Jahr nach der Gründung gestaltete der Chor nicht nur das Festprogramm der 750-Jahr-Feier von Oschatz durch einen seiner ersten öffentlichen Auftritte mit, sondern brachte es auch auf einen Auftritt in der DDR-Fernsehsendung „Auf Schusters Rappen“ – eine größere Öffentlichkeitswirkung für ein gerade aus der Taufe gehobenes Projekt gab es wohl zur damaligen Zeit kaum.

Bei Wettbewerb dabei

Den größten Erfolg verzeichneten die singenden Lehrer aus Oschatz dann im Jahr 1993. Zum ersten Mal nach der Wiedervereinigung war der Chor- und Folklorewettbewerb, der alle sechs Jahre in Limburg/Lindenholzhausen am Fluss Lahn stattfindet, auch für Chöre aus den neuen Bundesländern geöffnet. Zu 11 000 Mitwirkenden aus 40 Ländern gehörten erstmals 50 Chöre aus der ehemaligen DDR, unter ihnen der Lehrerchor.

Auf Anhieb gelang ihnen damals das, wovon noch heute alle schwärmen, die damals dabei waren. Die Oschatzer räumten ab, und zwar in allen Kategorien, belegten jeweils den 1. Platz im Klassenpreis, dem Ehrenpreis, dem Volksliederpreis und dem Dirigentenpreis. „Über ein Jahr akribisches Proben hatte sich also gelohnt, Die Begeisterung hielt so lange an, dass wir bei der nächsten Auflage im Jahr 1999 gleich noch mal daran teilgenommen haben“, berichtet der damalige Vorsitzende Karl-Heinz Müller.

Einheitliche Kleidung

Was folgte, war eine Vielzahl von Auftritten, die inzwischen traditionellen Charakter haben. Nach der Wiedervereinigung mussten die Strukturen angepasst werden, wurde ein Chorverein gegründet und die Verantwortung zwischen einem Vorsitzenden und einem musikalischen Leiter aufgeteilt. Eine Vorgehensweise, die sich im Übrigen bis zum heutigen Tage bewährt hat. Denn so kann sich einer um alles Musikalische kümmern und der andere um sämtliche Fragen der Organisation.

Während es auf der fachlichen Seite nur einen Wechsel gab und Jürgen Quisdorf dem Ensemble 24 Jahre lang die Treue hielt, wechselten die Vorsitzenden öfter: Von 1991 bis 2001 stand Karl-Heinz Müller an der Spitze, ihm folgten Carmen Forke (bis 2011) und Petra Glaesmer. Anderes dagegen hat sich nicht verändert. So wurde schon zu DDR-Zeiten Wert darauf gelegt, dass die Sänger einheitliche Kleidung tragen. Inzwischen weiß jeder in Oschatz: Die Damen in Schwarz mit den orangefarbenen Tüchern und die Herren in Grün, das kann nur der Lehrerchor sein.

Aktuell 30 Mitglieder

Mit 45 Stimmen in den Spitzenzeiten und aktuell rund 30 Mitgliedern kann der Chor zwar ein breites Repertoire bieten und in der Regel dreistimmig Lieder zu Gehör bringen. Allerdings machen der spürbare Mitgliederschwund und vor allem die ebenso deutliche Überalterung auch vor ihm nicht Halt. Stolz ist Katja Scholz vor allem auf ihre 15 Männer. Allerdings sind unter ihnen auch die ältesten und langjährigsten Mitstreiter zu finden, so ist Karl-Heinz Müller heute mit seinen 85 Lebensjahren der älteste, zu den jüngsten gehört Förderschul-Pädagoge Steffen Schnurpel (56).

„Wichtiger denn je ist, dass ich alle, die dabei sind, gut kennenlerne und wir zusammenhalten“, bekräftigt Katja Scholz. Eine Anekdote aus den Anfangstagen ihrer Leitertätigkeit belegt, dass sie den Altersschnitt erst nicht wirklich verinnerlicht hatte. „In der Vorbereitung eines Konzerts in einer Kirche bat ich die Sängerinnen und Sänger, den Altar leerzuräumen. Um die ältesten zu schonen, rief ich alle unter 65 Jahren auf, mitzumachen. Keiner stand auf. Auch bei allen unter 70 Fehlanzeige. Erst als ich auf alle unter 75 erhöhte, kamen die ersten.“

Neue Ideen

Trotz des hohen Altersdurchschnitts ist der Chor junggeblieben und verschließt sich auch neuen Ideen und Initiativen nicht. „Wir sind immer offen für Neues, vielleicht sogar ein bisschen anfällig dafür“, sagt Katja Scholz. Elan und Schwung, so heißt es im Ensemble, bringe vor allem die Chorleiterin mit. Diese wiederum verweist auf ihre Sänger, ohne die es nicht zu machen sei.

Die Lebendigkeit des Chores, von manchen schon in Abrede gestellt, ja von dem ein oder anderen wurde der Chor gar schon totgesagt, zeigt sich aktuell gleich drei Mal. So nahmen sie den Aufruf der Oschatzer Werbegemeinschaft ernst, sich am Weihnachtsliedersingen auf dem Neumarkt zu beteiligen.

Außerdem sangen sie im 30. Jahr ihres Bestehens das Lied „Friede dir, mein Land der Sachsen“ von Peter Klemm und Doris Grieswald ein – eine Aufnahme des Chores war beim Tag der Sachsen 2017 in Löbau zu hören – auf Initiative des Meißeners Peter Knauke, der sich für eine offizielle Sachsenhymne stark macht. Dieses Lied wird, und das ist der dritte Beleg für die Lebendigkeit des Chores, beim Jubiläumskonzert in der ehemaligen Blumenhalle, dem „O“ im O-Schatz-Park, dem einstigen Landesgartenschaugelände in Oschatz, zu hören sein. Hier bieten die Sänger einen Rückblick in Wort, Ton und Bild. Erklingen werden dabei neben aktuell eingeprobten Melodien und Texten auch Stücke, die so lange nicht mehr gesungen wurden, dass die Noten mancher gar nicht mehr in seiner Mappe hatte.

Jubiläumskonzert des Oschatzer Lehrerchores mit Rückblicken in Wort, Bild und natürlich Ton, am Freitag, dem 17. November, ab 18 Uhr im „O“. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. Die Proben des Chores finden jeden regulären Dienstag ab 19 Uhr im Thomas-Mann-Gymnasium statt.

Von Christian Kunze

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