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Oschatz Seit 50 Jahren Ausgrabungen im Wermsdorfer Wald
Region Oschatz Seit 50 Jahren Ausgrabungen im Wermsdorfer Wald
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14:02 02.07.2018
Prof. Dr. Gerhard Billig (schwarzes Hemd) hat Generationen von Hobby-Archäologen im Wermsdorfer Wald betreut. Quelle: Foto: Janett Rohnstock
wermsdorf

Eine staubige Straße mitten im Wermsdorfer Wald führte am Sonntag zahlreiche Einheimische und Mitglieder der Friedrich-Gustav-Klemm- Gesellschaft bis an den idyllischen Kirchenteich. Was dort stattfand, glich einem großen Familientreffen. Aus dem bunten Zeltlager strömten Schüler, eine lange Tafel lud zum Verweilen ein und an einer Wäscheleine waren zwischen den Bäumen Fotos der Ausgrabung am Kirchenteich aus den vergangenen 50 Jahren ausgestellt.

Keine Probleme mit Nachwuchs

„Wir sind eine der wenigen Gesellschaften, die kein Problem mit Nachwuchs haben“, erklärte Wolfgang Niemann., Vereinsvorsitzender der Klemm-Gesellschaft. Der Grund dafür ist denkbar einfach. Die Studenten der ersten Stunde, die die Ausgrabung starteten, brachten nach dem Studium ihre Kinder mit und auch die sind mittlerweile erwachsen und kommen mit ihren eigenen Kindern. So setzt sich das seit 50 Jahren immer fort. Die Begeisterung für die Ausgrabungsstellen am Ufer des Kirchenteichs ist dabei ungebrochen. „Aktuell graben wir nicht mehr. Uns fehlt die Genehmigung, doch durch den Sturm im Winter gibt es zahlreiche Schäden zu beheben und die reguläre Pflege der Ausstellungen ist auch sehr aufwendig“, so Niemann.

Fünf Wochen Sommerlager

Insgesamt fünf Wochen in den Sommerferien werden Schüler diese Aufgabe übernehmen. Aus Großenhain und Radebeul sind die jungen Leute gekommen, um richtig anzupacken – schlechter Handyempfang, wilde Tiere und Schlafen im Zelt inklusive. Doch das scheint hier noch nie jemand gestört zu haben. Die Gäste schwelgen in Erinnerungen. „Hier auf dem Bild habe bin ich gerade mit dir schwanger“, zeigt Andrea Jatzke ihrem Sohn ein Foto. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1990 und die Kittelschürze inklusive blonder Dauerwelle seiner Mutter bringen den Sohn zum Schmunzeln. Aber so ist das in diesem Lager.

Prof. Dr. Gerhard Billig ist Mann der ersten Stunde

Ein Mann der ersten Stunde war natürlich auch dabei und berichtete mit kraftvoller Stimme von den ersten Jahren, als die Ausgrabung wegen mangelnder Stellen für ein Fachpraktikum von Studenten ins Leben gerufen wurde. Ein Provisorium, das blieb – wie so oft zu DDR Zeiten. Der 91-jjährige Prof. Dr. Gerhard Billig übernahm die Aufgabe, die Gäste herumzuführen. Immer an seiner Seite ehemalige Studenten, die auch heute noch zu dem Urgestein aufschauen.

Vom grünen Klassenzimmer ging es durch den dichten Wald zur ehemaligen Kirche, der Burg und dem Gräberfeld. Ein Dorf gab es früher auch in der grünen Landschaft. Nennwitz genannt und eingebettet in eine Landschaft, die im Mittelalter noch ganz anders aussah als heute. „Der Wald war mit seiner Bildung etwa im Jahr 1500 fertig“ , informierte der Professor die interessierten Zuhörer. Woher er das alles weiß? Scherben, Gefäße, Grundrisse, Überreste von Feuerstellen- all – das alles verbarg sich unter dem bewachsenen Waldboden und wurde in akribischer Arbeit freigelegt.

Unsinnige Ideen von Hobby-Historikern

Schmunzeln mussten die Anwesenden besonders, als auch ganz unsinnige Ideen von Hobby-Historikern zum Besten gegeben wurde. „Ein Tunnel von Oschatz bis zur Hubertusburg, durch den August der Starke mit einem Pferdewagen fuhr. So ein Unfug!“, stellte Billig fest und erntete dabei zustimmendes Nicken. Dass die Ausgrabungen keineswegs dem Lesen aus einem Kaffeesatz gleichen, sondern die Ergebnisse immer auf fundierten Fundstücken beruhen, stellte er damit auch klar. Tafeln an den Ausgrabungen erklären anschaulich die mittelalterliche Siedlung und laden dazu ein, die Anlage auf eigene Faust zu erkunden. Doch auch Schulklassen sind immer wieder eingeladen. Das ist auch der Ansatz, der für die Gründungsmitglieder ebenso im Vordergrund stand wie die Erforschung der Heimatgeschichte. Der pädagogische Ansatz ist allgegenwärtig und die jungen Menschen, die in den nächsten Wochen die Gegend um das ehemalige Nennwitz neu beleben, werden neben Wissen über das Mittelalter auch Wissen für ihr Leben mitnehmen können.

Von janett rohnstock

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