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Oschatz Siegfried Beyer aus Calbitz braucht Hilfe für seine Katzen
Region Oschatz Siegfried Beyer aus Calbitz braucht Hilfe für seine Katzen
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15:28 11.04.2018
Die Maine-Coon-Katze ist Siegfried Beyers ganzer Stolz. Sie ist zwar keine Pflegekatze, aber ein lang ersehnter Wunsch seiner Frau. Quelle: Foto: Kristin Engel
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Calbitz

Es ist ein Hilferuf, den Siegfried Beyer an die Öffentlichkeit sendet. Der 74-Jährige weiß nicht mehr ein noch aus. Viele Jahre seines Lebens hat er sich um den Tierschutz bemüht und will das auch weiterhin tun. Doch ihm ist eine starke Stütze weggebrochen, was sein ganzes Leben zum Wanken bringt. Tränen laufen ihm über das Gesicht. Denn er hat das Wichtigste in seinem Leben verloren – seine Frau Carola. „Ich weiß nicht, wie ich ohne sie wieder auf die Beine kommen soll“, sagt der Rentner. Beide haben sich stark für den Tierschutz eingesetzt. „Mit einem Schlag stand ich alleine da.“

Kaum Zeit zum Trauern

Carola Beyer verlor am 4. August 2017 den Kampf gegen den Krebs. Viele schöne, aber auch schwere Jahre konnte Siegfried Beyer mit ihr erleben. Gemeinsam meisterten sie jedes Hindernis. Nun steht er alleine da, kann sich kaum Zeit zum Trauern nehmen. Denn der Calbitzer trägt Verantwortung für sieben Fund- und drei eigene Katzen. „Meine Frau und ich haben in all den Jahren über 350 Katzen gepflegt, kastriert und vermittelt. Meine Frau war der ,Finanzminister’. Sie hat den Papierkrieg übernommen. Nun ist es an mir, mich durch all das zu wühlen.“

Trost in seinen dunkelsten Stunden

Die Tiere liegen ihm am Herzen. Auch wenn er keine weiteren Katzen aufnehmen oder Kastrationen durchführen kann, will er sich weiterhin um die Tiere kümmern, die sich noch bei ihm befinden. Sollte ihm etwas zustoßen und er für längere Zeit ins Krankenhaus müssen, übernimmt das Tierheim Ostrau die Samtpfoten. Der Wille, den Tieren noch ein schönes Zuhause im Freien zu ermöglichen, hält den 74-Jährigen aufrecht. Sie geben ihm Trost in seinen dunkelsten Stunden. „Auch wenn viele es nicht verstehen werden, aber sie geben mir die Kraft, all das durchzustehen, begleiten mich auf meinem Weg und schlafen auch mit in meinem Bett. So war es schon immer.“

Spulen wir ein paar Jahre zurück – fast sieben Jahrzehnte. „Als ich in der zweiten Klasse war, habe ich einen Hund kennengelernt. Dieser lebte bei einem Bauern, angebunden an seiner Hütte. Er tat mir leid, da er für dieses Leben nicht geeignet war. Er rannte oft weg. Immer lief er wieder dort hin zurück, wo er her stammte und wo auch noch seine Hundemama lebte. Er hat sich immer gefreut, wenn er mich gesehen hat. Letztendlich einigten sich der Bauer und der Mann, der den Hund als Welpen hatte und gaben ihn mir. Ich war so glücklich. Es war der erste Hund, den ich aufgezogen hatte. Wir hatten viele schöne Jahre zusammen.“

Alle Leute hatten Katzen auf den Bauernhöfen

Doch nicht immer enden alle Geschichten gut. Denn Siegfried Beyer war oft krank, musste ins Krankenhaus nach Oschatz. „Mein Vater hatte meinen Hund in Oschatz aufgegriffen, als er mich besuchen wollte. Der Hund war ihm bis hier her gefolgt. Als ich aus dem Krankenhaus kam, war er nicht mehr da. Was wirklich passiert ist, weiß ich bis heute nicht. Das war für mich sehr schlimm.“ Später kam der Calbitzer auf den Dackel, denn ohne Hund wollte er nicht mehr leben. Auch Katzen gab es viele. „Damals hatten alle Leute Katzen auf den Bauernhöfen. Meine Frau habe ich durch die Tiere kennengelernt. Denn ihr Sohn wollte auch einen Hund, so wie ich ihn hatte. Auch wenn er letztendlich doch nur ein Meerschweinchen bekam, lernten wir uns hier neu kennen.“

chon als Kinder kannten sich Siegfried und Carola Beyer, verloren sich jedoch eine Zeit lang aus den Augen. „Als ich zurück aufs Land kam, um meine Mutter zu pflegen, fing Carola bei mir in der Kneipe als Buchhalterin an zu arbeiten. Wie es auf dem Land so üblich ist, hatten auch wir immer wieder Tiere. So kamen wir schließlich zum Tierschutz. „Wir bekamen immer mehr Erfahrung, zogen Katzenkinder groß, pflegten verletzte Katzen wieder gesund, kastrierten wilde Katzen und vermittelten über 350 Stubentiger in ein schönes Zuhause.“ Unterstützung bekamen sie von Tierschutzvereinen, doch auch diese müssen ihre Gelder beisammen halten. Das Geld war auch bei Familie Beyer immer knapp.

Probleme mit Angststörungen

Nicht nur Carola und Siegfried Beyer halfen den Tieren. Auch andersherum war und ist dies der Fall. „Die Tiere waren es, die dafür gesorgt haben, dass das Nervenkostüm meiner Frau gut funktionierte. Carola war immer sehr beliebt. Dass sie auch sehr krank war, bekam kaum einer mit. Doch die Krankheit wurde immer schlimmer.“ Und dabei spricht der Calbitzer nicht von dem Krebs. Sondern von Angststörungen, die beider Leben stark beeinflussten. „Ich passte mich an. Auch wenn es nicht immer leicht war, machten wir das Beste daraus“, erinnert sich der Rentner. Carola und Siegfried Beyer wurden zur Anlaufstelle, wenn es um Katzen ging. Auch andere Tiere, wie Igel, fanden bei ihnen ein Zuhause. „Die Igelgemeinschaft trifft sich immer im Garten“, sagt er mit einem Lächeln. Dann ein Seufzen. „Unser Leben hat sich nur um die Tiere gedreht. Und auch jetzt möchte ich noch unterstützen, wenn ich kann. Allerdings kann ich nur noch bei Kleinigkeiten helfen.“

In große Schwierigkeiten geraten

Doch jetzt muss Siegfried Beyer an sich und seine Tiere denken und selbst einmal um Hilfe bitten.

„Ich bin finanziell nicht in der Lage, all das zu stemmen. Als Tierschützer bin ich durch den Tod meiner Frau in große Schwierigkeiten geraten. Ich bin überlastet und alleine nicht in der Lage, in das normale Leben zurück zu kehren.“ Doch Siegfried Beyer bittet nicht um Geld. Er bittet um Futter für die Tiere. Auch Gutscheine für Katzenfutter würde er dankend annehmen. Hinzu kommt, dass durch den Sturm und die umgestürzten Bäume ein Großteil seines Gartens zerstört wurde. Er selbst ist körperlich nicht mehr in der Lage, all das selbst wieder herzurichten und hofft auf starke Helfer, die ihm hier und da etwas unter die Arme greifen könnten. „Ich verlange nicht viel. Ich möchte nur die Möglichkeit haben, meinen Tieren ein schönes Leben zu ermöglichen. Denn nur durch sie gelingt es mir vielleicht nach dem Verlust meiner Frau, wieder neuen Lebensmut zu finden.“

Wer den Rentner und seinen Tieren unter die Arme greifen möchte, der kann sich bei Siegfried Beyer unter 0177 2016475 melden.

Von Kristin Engel

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