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Oschatz Sophie Jähnigen aus Ganzig geht auf Weltreise
Region Oschatz Sophie Jähnigen aus Ganzig geht auf Weltreise
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15:47 21.02.2018
Sophie Jähnigen Quelle: Foto: privat
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Ganzig/Santiago de Chile


Sophie Jähnigen aus Ganzig geht auf Weltreise. In regelmäßigen Abständen wird sie in der OAZ über ihre Reise berichten. Die erste Station der 28-Jährigen ist Santiago de Chile, in ihrem ersten Beitrag aber erklärt sie, was sie zu dieser Reise antreibt.

Sophie Jähnigen geht auf Weltreise Quelle: privat

Den Traum wahr gemacht

„Warum gehst du auf Weltreise?“ Ich habe erst gar nicht angefangen zu zählen, wie oft mir diese Frage gestellt wurde. Aber ich weiß, dass ich nie eine richtige Antwort darauf geben konnte. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass ich den Entschluss für meine Pläne im September 2016 auf einer Rundreise durch Frankreich gefasst habe.

Die Idee einer Weltreise gab es zwar schon länger, jedoch eher als Traum im Sinne von „Wenn ich mal im Lotto gewinne“. Der Wunsch nach Veränderung hatte sich bereits im September 2015 (der September scheint bei mir ein wichtiger Monat für Entscheidungsprozesse zu sein) bei meiner Wanderung auf dem Jakobsweg in Spanien manifestiert. Wie diese Veränderung aussehen soll, wusste ich damals allerdings noch nicht.

Um mein großes Interesse am Reisen zu verstehen, muss ich noch weiter zurück blicken. Ich denke, so richtig hatte mich die Lust, auf individuellen Wegen die Welt zu erkunden, erstmals bei meiner Reise nach Neuseeland gepackt – die war übrigens auch im September. Ich weiß noch, wie ich nach fünf Wochen Rundreise im Flieger in Richtung Heimat saß und mich das Reisefieber mit einer mir bis dahin unbekannten Intensität packte. Ich wollte noch nicht nach Hause. Die Welt hatte ein kleines Fenster für mich geöffnet und jetzt wollte ich mehr sehen. Doch die Vernunft siegte und ich startete ins Berufsleben.


Nach einem Jahr folgte mein Masterstudium, auch das war schon ein Ausbruch gewesen. Ich konnte mir damals mit meinen 22 Jahren einfach nicht vorstellen, dass ich bis zu meiner Rente immer den gleichen Job machen werde. Mir ging alles zu schnell. Also war das Studium in Berlin genau das Richtige. Doch die zwei Jahre vergingen schnell und schon war ich wieder im Berufsalltag gefangen. Meine Arbeit machte mir Spaß, ich hatte tolle Kollegen. Keinen Grund zur Klage – und trotzdem wieder dieses Gefühl: Das kann es doch noch nicht gewesen sein! Alles verlief so stupide nach Plan.

Sohpie Jähnigen aus Ganzig geht aus Weltreise. Ihre Großmutter verabschiedete sie am Flughafen. Quelle: privat

Unzufriedenheit ist Motivation

Jetzt bin ich 28 Jahre alt und es ist immer noch da, dieses Gefühl, dass hier noch nicht Schluss sein kann. Anscheinend werde ich immer, wenn ich zu lange am selben Punkt verweile, unruhig. Warum bin ich denn nicht einfach zufrieden? Ich kann es mir auch nicht erklären. Aber Unzufriedenheit ist gefährlich, wenn man sie ignoriert. Sie zersetzt einen innerlich und nimmt dir die Freude am Leben. Sie kann aber auch ein Motor sein um dich anzutreiben, etwas zu verändern.

Für mich soll Unzufriedenheit immer nur dieser Motor sein: Ein Motor, der mich lautstark vorantreibt. Und nun stehe ich hier, aus der Idee ist Realität geworden. Ich bin aufgebrochen, mit dem Ziel weniger zu planen und vieles einfach auf mich zukommen zu lassen. Planlos durch die Welt quasi. Ich möchte mehr „Ja“ sagen als „Nein“, etwas wagen, Neues ausprobieren, verrückt sein, viel lachen und mich fallen lassen. Ich möchte Menschen begegnen und ihnen vertrauen. Vielleicht will ich auch ein bisschen beweisen, dass es eben doch Menschen gibt, die es gut mit einem meinen. Gleichzeitig will ich meinen Horizont erweitern und herausfinden, wie es mich verändert, das Reisen. Ich möchte all die Dinge machen, zu denen ich sonst keine Zeit finde, aber mich auch entschleunigen und nicht von einem Termin zur nächsten Aufgabe hetzen. Ich möchte viel und gut essen, wandern und an der Luft sein.

Alles kann, nichts muss

Meine Reise soll mir helfen, Gewohntes hinter mir zulassen, um mit Neugierde und Mut Neuem zu begegnen. Hausforderungen und Hindernisse liegen vor mir, aber ich will sie überwinden und an ihnen wachsen. Vielleicht möchte ich auch herausfinden, ob für mich ein Leben möglich ist, das eine Alternative zum Dogma „höher, schneller, weiter“ darstellt. Ein zufriedenes, vielleicht bescheidenes Leben, aber mit innerer Ruhe und Ausgeglichenheit. Alles kann, nichts muss.

Vielleicht kommt auch alles anders. Irgendwann möchte ich jedoch auf mein Leben mit einem milden Lächeln zurückblicken und sagen können, dass es nichts zu bereuen gibt und dass ich bei der Suche nach den Antworten auf all die großen Fragen zumindest eines gefunden habe: zu mir selbst. Aber jetzt stehe ich noch ganz am Anfang. Die Welt liegt vor mir. Und alles ist möglich.

Von Sophie Jähnigen

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