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Stadt Oschatz will „Rotes Vorwerk“ abreißen: Denkmalschützer laufen Sturm

Stadtplanung Stadt Oschatz will „Rotes Vorwerk“ abreißen: Denkmalschützer laufen Sturm

Rote Karte vom Denkmalschutz: Die Behörden läuft Sturm gegen Pläne der Stadt Oschatz. Die beabsichtigt, das „Rote Vorwerk“ in der Bahnhofstraße abzureißen. Der Platz wird benötigt, um Parkplätze und eine Turnhalle für den favorisierten Schulkomplex zu bauen. Das „Rote Vorwerk“ sorgte bereits Anfang der 2000er Jahre für einen ähnlichen Streit.

Das Rote Vorwerk in der Bahnhofstraße in Oschatz: Abrissreif, sagt die Stadt, erhaltenswert, meinen die Denkmalbehörden von Landkreis und Freistaat.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Der Weg zum neuen Schulkomplex an der Bahnhofstraße ist lang und steinig. Das beweist die Tatsache, dass die Stadt Platz für Pkw-Stellplätze und eine Turnhalle braucht und dafür ein denkmalgeschütztes Gebäude weichen soll. Genau das wird zum Problem, denn die Untere Denkmalbehörde des Landkreises Nordsachsen und das Sächsische Landesamt für Denkmalpflege haben Bedenken angemeldet.

Konkret geht es um das „Rote Vorwerk“, das dem erweiterten Schulstandort im Wege steht und nach dem Willen der Verwaltung und Stadträte abgerissen werden soll. Denkmalschützer stufen es allerdings als unbedingt erhaltenswert ein. Der Stadtrat gab jetzt einstimmig grünes Licht für Verhandlungen über den Abriss mit den Behörden.

Nur noch Vorderhaus und Mauerreste da

Zwar sind vom Ursprungsbau aus dem 16. Jahrhundert, einem Vierseitenhof mit Hinterhaus, Scheunen und Schuppen, nur noch das zur Straße gelegene Vorderhaus und Mauerwerksreste der im Erdgeschoss gelegenen Außenwand zur Gasse hin erhalten. Laut Sächsischem Denkmalschutzgesetz bleibt der Denkmalwert erhalten, wenn nur Teile oder Spuren der einstigen Bausubstanz erhalten sind.

Die uneingeschränkte Denkmalwürdigkeit des Objektes und damit das unbedingte Erhaltungsinteresse resultiere aus dem hohen Dokumentationswert des „Roten Vorwerks“ für die Stadt- und Heimatgeschichte von Oschatz, heißt es in Stellungnahme des Landesamtes. Das Haus stelle nach derzeitigem Kenntnisstand „die bedeutendste Grundstücksanlage der alten Oschatzer Vorstädte“ dar und verdeutliche Art und Charakter der ehemaligen Vorstadtbebauung. Aufgrund dieser Bedeutung finde das Bauwerk fortwährend Erwähnung in Schriften zur Stadt- und Regionalgeschichte.

Ausweichvarianten funktionieren nicht

Laut Bauamtsleiter Michael Voigt prüfte die Stadt im Vorfeld, auf alternative Flächen auszuweichen, so dass das „Rote Vorwerk“ hätte unberührt bleiben können. Allerdings sind die nördlicher gelegenen Flurstücke nur zum Teil in städtischem Besitz, reichen nicht aus, um das geplante Vorhaben umzusetzen oder werden für die Außenanlagen des im Bau befindlichen neuen Horts beansprucht. Ziel müsse es daher sein, das Vorwerk von der Liste denkmalgeschützter Objekte herunterzubekommen. Denn das öffentliche Interesse am Schulstandort sei nicht minder bedeutend für die Stadt.

CDU-Fraktionschef Dietmar Schurig attestierte dem ungenutzten Gebäude eine „schlechte bauliche Substanz“, die nur mit sehr großem Aufwand erhalten werden könne. Fraktionskollege Jürgen Mühlberg stellte die Frage, ob man die Behörden einfach so übergehen könne und ob man allein in der Auseinandersetzung mit den Denkmalschützern sei. Bauamtsleiter Voigt führte Bestrebungen des Sächsischen Städte- und Gemeindetages an. Demnach sollen Gebäude, die zehn oder mehr Jahre leer stehen, von der Liste geschützter Denkmale gestrichen werden. Das trifft auf das „Rote Vorwerk“ zu.

Bein ähnlichen Projekten gab es bereits Kompromisse

Thomas Schneider (Die Linke) zweifelt ebenso wenig am „desolaten Zustand“. Er erinnerte daran, dass es bereits Kompromisse bei ähnlichen Vorhaben gegeben habe, etwa beim Abriss des ehemaligen Arbeitsamtes. Falk Zschäbitz, Fraktionschef der FDP, erkundigte sich danach, wie gut die Chancen für ein Umstimmen der Behörden stünden, ehe er die Hand hob. Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos) erklärte, er habe eine berechtigte Zuversicht, die Denkmalbehörden umzustimmen. „Andererseits hätten wir Ihnen den Vorschlag gar nicht erst unterbreitet.“

Das „Rote Vorwerk“ und sein geplanter Abriss sorgten zu Beginn der 2000er Jahre für Zwist zwischen der Denkmalbehörde und der Stadtverwaltung. Im Zuge des Programms „Stadtumbau Ost“ erfolgte ein Teilabriss durch die Wohnstätten GmbH. Damals setzte sich auch der Geschichts- und Heimatverein für den Erhalt ein. Kritik erntete zudem die Entscheidung, das Dach mit verschiedenfarbigen Blechtafeln notdürftig zu sichern.

Denkmal-Kurator Gert Jubisch aus Oschatz votiert ebenfalls uneingeschränkt für den Erhalt des Vorwerks und vergleicht dessen Bedeutung gar mit der des Vogtshauses am Kirchplatz. „Es ist bedauerlich, dass so viel Aufwand betrieben wird, um einen wesentlichen Teil der Oschatzer Stadtgeschichte verschwinden zu lassen. Die Stadträte sollten nochmals darüber nachdenken, was es zu schützen gilt“, kommentiert er die Überlegungen.

Von Christian Kunze

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