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Start in die neue Oschatzer Türmersaison

Start in die neue Oschatzer Türmersaison

Berthold Zehme greift sich seine Trompete und steigt durch die Tür der Türmer-Wohnstube auf die um den Kirchturm führende Aussichtsplattform. Kurz darauf setzt er das Instrument an und bläst die Melodie eines bekannten Gesangbuchliedes.

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Ab sofort kann die Türmerstube auf den Turm von St. Aegidien wieder besucht werden. Angesichts des kalten Wetters nutzten jedoch nur wenige Besucher das Angebot der Kirchgemeinde.

Quelle: Dirk Hunger

Es scheint, als ob der Vorsitzende des Fördervereins "Rettet Sankt Aegidien" die ankommenden Besucher nach ihrem Aufstieg auf einen der beiden Oschatzer Wahrzeichen erwartet hat.

 

Von Bärbel Schumann

 

Als der letzte Ton verklungen ist, kehrt Zehme in die warme Türmerstube zurück und beginnt sofort das Gespräch mit den Besuchern. Die dürfen sich auf dem historischen Mobiliar einen Platz suchen und seinen Ausführungen lauschen. "Seit gestern ist die Winterstarre bei uns vorbei", erklärt er. 32 Leute seien es, die sich darum kümmern, dass die historische Türmerwohnung hoch über Oschatz besucht werden könne. Dann erzählt der Pfarrer im (Un)-Ruhestand aus dem Leben der Türmerfamilie. Eine Anekdote nach der anderen gibt er kund. Erzählt, wie der Türmer den Ausbruch eines Feuers meldete. Obwohl stetig neue Gäste nach ihrem Aufstieg hinzu kommen, lädt der Fördervereinsvorsitzende alle ein, sich einen Platz zu suchen. Nach einer Weile wird das kompliziert, weil inzwischen fast 20 Frauen, Männer und Kinder seinen Erzählungen gespannt lauschen. Als es zu eng wird, erklärt Zehme, dass es ein paar Stufen weiter Kaffee und Kuchen gebe und die Leute unbedingt nach draußen auf die obere Aussichtsplattform steigen sollten. "Es ist erstaunlich, was man immer wieder Neues entdeckt, wenn man über die Dächer von Oschatz schaut", lockt er. Ein Angebot, dass sich drei befreundete Familien aus Wurzen nicht entgehen lassen wollen. Im Turmcafé, wo Ute Oehmichen ehrenamtlich als Mitglied des Fördervereins für das Wohl der Gäste sorgt, sitzt derweil Familie Lobrinus aus Dresden beim Osterkaffee beieinander. Familienvorstand Eberhard Lobrinus erklärt, dass es Tradition sei, an einem der Feiertage zu Ostern als Familie einen Ausflug zu unternehmen. "Im letzten Jahr waren meine Frau und ich in Oschatz und haben uns die Türmerwohnung angesehen. Das fanden wir toll und wollten dieses Erlebnis unseren Kindern und Enkeln ebenso einmal ermöglichen", erklärt der Senior. Doch nicht nur Ortsfremde steigen zu Ostern die 199 Stufen von St. Aegidien empor. Auch Oschatzer nutzen den Osterspaziergang, um von oben zu schauen, was sich in der Stadt verändert hat. Zu ihnen gehört Nils Taube. "Ich würde es jedem Oschatzer empfehlen, seine Stadt einmal von oben zu betrachten", erklärt er. Das bekommt Berthold Zehme während seines Einsatzes zu den Öffnungszeiten häufig zu hören. "Ein Oschatzer will sogar jede Woche kommen, hat er mir versichert. Für ihn sei das Fitnesstraining", erzählt Zehme und freut sich auf ein Wiedersehen bei einem seiner ehrenamtlichen Einsätze. Immerhin betreuten die Mitglieder des Fördervereins im vergangenen Jahr rund 9000 Besucher. Allein 23 Weihnachtsfeiern fanden im historischen Turmcafé statt. Andere Feiern noch gar nicht berücksichtigt. Das ist ehrenamtlich nur mit viel Herzblut aller beteiligten Ehrenamtlichen zu schaffen. Aber das haben wohl alle, wie man auch an den bis ins Detail liebevoll österlich dekorierten Räumen hoch über Oschatz sehen kann. Nette Worte der Gäste und so großer Besucheransturm wie über die Osterfeiertage sind schönster Lohn für alle. © Kommentar

Bärbel Schumann

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