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Stasi-Ausstellung in Oschatz verlängert

Geheimdienst Stasi-Ausstellung in Oschatz verlängert

Mehr als 450 Menschen besuchten diese Woche die Ausstellung zur Staatssicherheit in der DDR in Oschatz. Aufgrund des Großen Interesses öffnen die Veranstalter die Schau am Montag erneut. Interessenten haben erneut die Möglichkeit, Einsicht in Akten zu beantragen, die die Behörde möglicherweise einst über sie anlegte.

Volles Haus: Die Ausstellung zur Staatssicherheit in Oschatz war außerordentlich gut besucht. Mehr als die Hälfte des Publikums stellte zudem einen Antrag auf Akteneinsicht bei der zuständigen Unterlagenbehörde.

Quelle: Christian Kunze

Oschatz. Großes Interesse an der Ausstellung zur Staatssicherheit in der Alten Schaltwarte des E-Werks: Bis Donnerstagabend besuchten binnen drei Tagen 467 Menschen die Schau. 246 von ihnen stellten einen Antrag auf Akteneinsicht, sagt Regina Schild von der zuständigen Außenstelle Leipzig des Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen (BStU).

Aufgrund des regen Zuspruchs habe man entschieden, die Ausstellung und die Möglichkeit der Antragstellung am Montag, dem 13. März, noch einmal anzubieten, war von Uta Schmidt vom Büro des Grünen-Kreisverbandes Nordsachsen in Oschatz zu erfahren. Eigentlich sollte die Ausstellung bereits am Donnerstagabend geschlossen werden. Die Grünen hatten die Schau gemeinsam mit dem Verein Jugend- Kultur- und Umweltzentrum nach Oschatz geholt und Bernd Voigtländer als Zeitzeugen gewinnen können.

Der Bauingenieur aus Oschatz hatte bereits vor dem Mauerfall ein eigenes Gewerbe angemeldet und sich für den Erhalt der Kirchturmspitzen von St. Aegidien, dem Wahrzeichen der Stadt, stark gemacht. Dass die Türme nicht eingestürzt sind, ist nach seinem Dafürhalten auch damit verbunden, dass sich Kreisarchitekt und Kreisbaudirektor sowie andere für die Genehmigung seines Gewerbes eingesetzt haben. Die Unterstützung von dieser Seite sowie von weiteren Oschatzer Betrieben während seiner Tätigkeit bis zur Wende habe es ebenso gegeben, wie das „zu verachtende Stasi-System“. In der Diskussion käme dieser Aspekt manchmal zu kurz.

Der immense Publikumsandrang sowie die Inanspruchnahme des Services zur Akteneinsicht sei nicht in allen Städten zu verzeichnen, in der die BStU bisher war, erklärte Regina Schild. „Manchmal ist die Resonanz auch sehr verhalten gewesen“, schätzt sie ein. Dass es ein gesteigertes Interesse an dem Thema gibt, erklärt sie sich unter anderem dadurch, dass durch das Bekanntwerden von Überwachung und Ausspähen in demokratischen Systemen in der jüngsten Vergangenheit das Thema den Menschen stärker ins Bewusstsein gerückt ist. „Demokratie ist nichts Selbstverständliches mehr“, bringt sie es auf den Punkt.

Die Besucher selbst treibt vor allem Neugier, Ungewissheit und andauernder Zweifel an über das, was während des Regimes ohne ihr Wissen an den Staat weitergetragen wurde. Gudrun Hübner (74) nennt keinen konkreten Anlass. „Ich habe einfach das unbestimmte Gefühl, dass ich auf meiner Arbeitsstelle bespitzelt worden bin“, sagt sie.

Konkreter nachhaken möchte dagegen Katharina Birmele aus Oschatz. Die pensionierte Ärztin hat bereits zum wiederholten Male Akteneinsicht beantragt. „Bei der ersten Auskunft ist der Klarname eines einstigen IM (Inoffizieller Mitarbeiter, d. Red.) noch im Dunkeln geblieben, der Auskünfte über mich erteilt hat. Ich möchte Gewissheit über seine Identität haben“, sagt sie.

Allerdings wollen nicht nur ältere Menschen Auskunft über Vorgänge in ihrer Vergangenheit. Grit Marsch (geboren 1971) war gerade volljährig geworden, als die Mauer fiel. Beim dritten Klassentreffen ihres Abschlussjahrgangs offenbarte ihr ein einstiger Klassenkamerad, sie bespitzelt zu haben. „Diese Beichte rief bei mir eine Erinnerung wach. Als Jugendliche stellte ich einen Antrag auf eine Ferienreise ins nichtsozialistische Ausland, konkret nach Zypern. Dieser wurde mir gewährt. Als ich später nochmals einen Antrag stellte, verwehrte man mir die erneute Reise. Womöglich gibt es da ja einen Zusammenhang“, schildert sie ihre Motivation für einen Antrag auf Akteneinsicht bei der Behörde.

Uta Schmidt wirbt in diesem Zusammenhang dafür, dass Eltern mit ihren Kindern am Montag die Ausstellung besuchen. „Die heranwachsende Generation ist durch soziale Netzwerke wenig sensibel im Umgang mit persönlichen Daten“, meint sie. Das erleichtere es denen, die an Details kommen wollen, ungemein.

Von Christian Kunze

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