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Oschatz Statt Sex Abzocke: Potenzieller Freier schildert Todesangst
Region Oschatz Statt Sex Abzocke: Potenzieller Freier schildert Todesangst
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05:48 06.12.2018
Am Landgericht Leipzig läuft derzeit ein Prozess um schweren Raub gegen ein Paar aus Oschatz. Quelle: picture alliance / dpa
Oschatz/Leipzig

„Ich hatte Angst um mein Leben“, schilderte Jürgen H. am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Leipzig. Statt einer schnellen Nummer – die halbe Stunde Sex mit Stephanie R. sollte 80 Euro kosten – holte ihn in Oschatz seine Vergangenheit ein. Gewalterfahrung. Er sei schon einmal von seiner Ex-Frau geschlagen worden, erklärte der 26-Jährige im Zeugenstand, musste sich nach dieser für ihn dramatischen Erfahrung in Behandlung begeben. Er habe an dem Abend in Oschatz Ende Mai gleich wieder Panik bekommen, erinnerte sich der Zeuge. Angeklagt ist, wie berichtet, ein Paar aus Oschatz, das laut Anklage der Staatsanwaltschaft Leipzig Freier anlockte und dann finanziell ausnahm – ohne sexuelle Dienste. Marcel S. (33) und Stephanie R. (27) müssen sich wegen schweren Raubes und Körperverletzung verantworten.

Der Mann mit dem Stock

Der Wurzener Jürgen H. war am fraglichen Abend mit einem Freund nach Oschatz gefahren, um die Frau zu treffen, die er bis dato nur aus dem Chat kannte und eigenen Worten zufolge zunächst kennenlernen wollte. Sie sei ihm sympatisch gewesen, und so zahlte er den vereinbarten Preis von 80 Euro. Ging dann noch ins Bad, um sich „frisch zu machen“. Als er ins Wohnzimmer zurückkam, „war sie wie ausgewechselt“. Plötzlich war ein Mann mit einem Stock da. „Er bedrohte mich“, so der Zeuge. In der Folge wurde er von dem Mann mit dem Stock geschlagen, erlitt eine Prellung im Gesicht, Schmerzen. Ein bis zwei Schläge mit der Hand habe er wohl noch bekommen. „Er wusste von meiner Familie, meiner Tochter.“ Der Unbekannte sei laut geworden und habe lautstark gedroht: „Ich steche dich ab!“ Aus Angst habe er letztlich sein Geld und den Personalausweis herausgegeben. Suchte dann sein Heil in der Flucht.

Angeklagte entschuldigt sich

Kurz danach verständigte er die Polizei, zeitnah wurde das Paar festgenommen. Ohne zu Zögern legte sich der Zeuge am Dienstag fest, dass es sich bei den Angeklagten um seine Peiniger handelt.

Stephanie R. entschuldigte sich bei ihm. Im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs mit ihrem Anwalt erhielt der Geschädigte zwischenzeitlich 500 Euro Schmerzensgeld und 200 Euro – die Summe, die er an jenem Abend eingebüßt hatte.

Marcel S. – wegen Drogendelikten in Oschatz polizeibekannt – hatte gegenüber einem Polizeibeamten, der ihn vor Ort mit den Vorwürfen konfrontierte, seine Schuld zunächst abgewälzt. „Ich war’s nicht“, habe er zu ihm gesagt, erinnerte sich der Polizeibeamte Olaf S. Wortlos habe er ihm aber im Treppenhaus den auf einer Lampe versteckten Personalausweis des zwischenzeitlich geflüchteten Freiers gezeigt.

Bei einem ähnlich gelagerten Fall, der sich laut Anklage im April zugetragen hat, will Marcel S. gar nicht beteiligt gewesen sein. Er brachte über seinen Verteidiger einen weiteren Mann ins Spiel, dessen Aussehen sich mit dem seinen decke. „Der hat ein Alibi im Knast, er kann es nicht gewesen sein“, bemerkte der Vorsitzende Richter Rüdiger Harr nach entsprechenden Recherchen in der Justizvollzugsanstalt Halle.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Saskia Grätz

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