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Oschatz Statt Sex nur Abzocke – Paar aus Oschatz steht wegen schweren Raubes vor Gericht
Region Oschatz Statt Sex nur Abzocke – Paar aus Oschatz steht wegen schweren Raubes vor Gericht
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18:43 30.11.2018
Am Landgericht Leipzig begann am Freitag der Prozess um schweren Raub gegen ein Paar aus Oschatz. Quelle: picture alliance / dpa
Oschatz/Leipzig

Freier anlocken und abziehen – mit dieser Masche erhoffte sich ein junges Paar aus Oschatz finanzielle Einnahmen. Doch der gemeinsam geschmiedete Plan funktionierte nicht lange: Im Mai dieses Jahres wurden sie festgenommen. Seit Freitag müssen sich Marcel S. (33) und Stephanie R. (27) – sie gehen längst getrennte Wege – vor dem Landgericht Leipzig verantworten. Der Vorwurf der Anklage: schwerer Raub.

Anklage listet zwei Fälle auf

Staatsanwalt Christoph Brückner lastet den Angeklagten zwei Fälle an, die nach ähnlichen Mustern abliefen. Tatort ist die Wohnung des Angeklagten Am langen Rain, wohin Freier gelockt wurden. Sie wollten Sex, bekamen aber keine Dienstleistung. Stattdessen – so der vereinbarte Plan der Angeklagten – sollten die Freier um Geld und andere Dinge erleichtert werden.

Freier wurde von zwei Männern überrascht

Thomas S. (47) aus Riesa hatte über ein Internetportal gebucht und war dann vor Ort ziemlich überrascht, als die Frau „Kim 1991“ verschwand und er sich zwei Männern gegenüber sah. Er hatte bereits 180 Euro wie vereinbart gezahlt – „sie wollten noch mehr Geld“. In der Folge wurde ihm das Handy abgenommen, es ging zu Bruch. Er bekam es wieder. Laut Anklage sollen fünf Euro erbeutet worden sein.

Am 29. Mai traf es Jürgen H. Auch er fuhr nach einer entsprechenden Buchung nach Oschatz. Laut Anklage soll der Mann von Marcel S. geschlagen worden sein. Er habe ihm gedroht, ihn abzustechen, so der Staatsanwalt. Er soll auch geschlagen worden sein. In der Folge wurde der potenzielle Freier um 200 Euro und den Ausweis erleichtert. Wieder draußen rief er sofort die Polizei, wenig später klickten die Handschellen. Der Zeuge erschien nicht – er soll polizeilich vorgeladen werden.

Am ersten Prozesstag am Freitag wurde schnell deutlich: Die harmonischen Zeiten des Paares sind vorbei. Und was in der Anklageschrift stehe, sei so nicht richtig. Über ihre Verteidiger ließen beide ihre Version der Dinge erklären, die auch die aktenkundigen Prozessbeteiligten überraschte und zu vielen Nachfragen führte.

Drogen finanzieren und Haushaltskasse aufbessern

Anfang des Jahres sei der Plan, die Freier abzuziehen, vereinbart worden, berichtete die junge Frau. Weil ihr damaliger Freund eifersüchtig gewesen sei, habe sie keinen Sex mehr angeboten. 40 Männer sollen auf diese Weise betrogen worden sein, hatte sie in einer früheren Aussage zu Protokoll gegeben. Sie habe kalkuliert, dass die Betroffenen keine Anzeige erstatten würden, viele von ihnen seien liiert. Für das Paar, das von Hartz IV lebte, war die Masche der Weg, „um die Haushaltskasse aufzubessern und die Drogen zu bezahlen“, erklärte sie. Er hatte angegeben, dass beide seinerzeit täglich Crystal (ein Gramm pro Tag) und Haschisch nahmen.

Rechtsanwalt André Röhrich erklärte für seine Mandantin, dass nicht geplant gewesen sei, dass es bei der Abzocke eskaliert. „Er sollte schauen, ob noch was zu holen ist“, erklärte Stephanie R. seine Rolle. Er hingegen will im ersten Fall gar nicht dabei gewesen sein. Beim zweiten Mal hingegen sei er nach Worten seines Anwalts Christian Friedrich sauer gewesen, weil seine Freundin – wider ihre Absprachen – doch noch als Prostituierte Geld verdiente. „Das hat mir weh getan“, sagte er am Freitag. Er glaubte, dass sie damit aufgehört habe. Er sitzt seit Mai in Untersuchungshaft, sie wurde im Juli nach einem Teilgeständnis entlassen.

Rechtsgespräch ohne Ergebnis

Ein Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten blieb wegen abweichender Aussagen ohne Ergebnis. Die Angeklagte, eine gelernte Köchin, will eine Bewährungsstrafe, „die im Falle eines glaubhaften Geständnisses“, so der Vorsitzende Richter Rüdiger Harr, nicht ausgeschlossen sei. Davon war die 27-Jährige am Abend aber weit entfernt. Für Marcel S. geht es um mehrere Jahre Haft bei einer Verurteilung. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Von Saskia Grätz

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