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Stolpersteine halten Erinnerung an Oschatzer Juden wach

Stolpersteine halten Erinnerung an Oschatzer Juden wach

An die jüdischen Familien Mendel und Hirschfeld, die bis 1935/36 in Oschatz gelebt haben, erinnern 14 Stolpersteine in der Strehlaer Straße.

Oschatz.

 

 

 

 

Von frank Hörügel

 

 

 

Sein kleiner Kaufmannsladen in der Strehlaer Straße 7 lief gut. Inhaber Leopold Mendel konnte mit dem Geschäft seine Frau Rosalie, drei Töchter und zwei Söhne ernähren. Nach dem Erlass der Nürnberger Rassengesetze 1935 wurde das Leben in der Kleinstadt Oschatz für die jüdische Familie jedoch unerträglich, und sie zogen nach Leipzig. Leopold, Rosalie und ihre Tochter Ursula wurden am 10. Mai 1942 von Leipzig in das Ghetto Belzyce deportiert und gelten seither als verschollen - ein typischer Leidensweg von Juden in der Nazizeit.

Sechs junge Oschatzer im Alter von 15 bis 23 Jahren haben die Schicksale der Familien Mendel, Hirschfeld (wohnten auch in der Strehlaer Straße 7) und Rozensthein monatelang recherchiert. Im Rahmen des Projektes Zeitensprünge befassten sie sich 2010 mit den Oschatzer Juden, die im Zweiten Weltkrieg verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Im Ergebnis entstand die Idee, dieser Menschen mit sogenannten Stolpersteinen zu gedenken. Paten haben die Kosten für das Herstellen und Verlegen der Messingsteine übernommen. "Hier wohnte Leopold Mendel, Jahrgang 1888, deportiert 1942, ermordet in Belzyce" steht auf einem der 14 Steine, die der Kölner Künstler Gunter Demnig gestern im Fußweg der Strehlaer Straße verlegte.

Für die Familie Rozensthein, die in Oschatz bis 1933 in der Dresdener und der Breiten Straße wohnte, wurden gestern keine Stolpersteine gesetzt. Grund: Der letzte freiwillige Wohnort der Rozenstheins befand sich nicht in Oschatz, sondern im Ranstädter-Steinweg 15 in Leipzig. Anja Kohlbach, die das Zeitensprünge-Projekt geleitet hat, sagt: "Wir haben die Ergebnisse unserer Recherchen im Friedenszentrum Leipzig hinterlegt." Bei Bedarf könnten hier die Daten für das Verlegen von Stolpersteinen in Leipzig erfragt werden.

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt der Künstler Demnig. Die 14 Stolpersteine im Fußweg der Strehlaer Straße sind die Garantie dafür, dass in Oschatz die Erinnerung an die jüdischen Familien Mendel und Hirschfeld wach gehalten wird.

Hintergrund zur Aktion

- Gunter Demnig wurde 1947 in Berlin geboren.

- 1993 entwarf der Künstler das Projekt Stolpersteine.

- 1996 verlegte Demnig die ersten Messingtafeln in Berlin-Kreuzberg. Die Aktion war nicht genehmigt, wurde später aber legalisiert.

- Seit dem Jahr 2000 verlegt der Künstler die Steine deutschlandweit und in Europa.

- Bis Ende 2011 wurden in etwa 700 Orten über 32 000 Steine verlegt. Rund 60 Steine wurden von Randalierern zerstört.

- Stolpersteine liegen außer in Deutschland in mehreren Orten in Österreich, Ungarn, in den Niederlanden, Belgien, Tschechien, in Polen (Wrocław und Słubice), Ukraine (Perejaslaw), Italien (Rom) und Norwegen (Oslo). In diesem Jahr sollen die ersten Steine in Frankreich verlegt werden.

- Demnigs Terminkalender für das Verlegen von Steinen ist voll. Nach Wiesenburg und Oschatz gestern ist er heute in Eisleben, Eschwege und Waldkappel-Harmuthsachsen am Werk. Die Wartezeit auf einen Verlegetermin beträgt aktuell zwei Jahre.

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Landkreis: Nordsachsen

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