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Storchen-TV in Mügeln: Noch fehlen die Störche – und das Geld

Varia-Esse Storchen-TV in Mügeln: Noch fehlen die Störche – und das Geld

Big Brother im Storchenhorst auf der Varia-Esse in Mügeln. Dieses ehrgeizige Vorhaben wollen der Heimatverein Mügeln mit den Akteuren Andreas Lobe, Hans-Jürgen Höhne und Bernard Sommer, der gleichzeitig Mitglied der Mügelner Natur- und Umweltgruppe ist, in die Tat umsetzen. Geplant ist, auf dem Storchenhorst eine Web-Kamera zu installieren.

Am Fuße der Storchenchronik in der Döbelner Straße soll eine Storchenbank aufgestellt werden.

Quelle: Dirk Hunger

Mügeln. Das Storchen-TV in Mügeln ist keine Zukunftsmusik mehr, wenn es nach dem Mügelner Storchenexperten und Mitglied der Mügelner Naturgruppe Bernhard Sommer, Bezirksschornsteinfegermeister Hans-Jürgen Höhne und dem Vorsitzenden des Heimatvereins Mogelin Andreas Lobe geht. Über ihr Projekt berichteten sie jetzt dem Sender MDR 1 Radio Sachsen. Denn klappern gehört bekanntlich zum Handwerk und das Trio zeigte sich deshalb auch recht gesprächig, als die Hörfunkredakteurin Kathrin Große sie zu ihrem ehrgeizigen Vorhaben interviewte. Geplant ist, eine Web-Kamera an Adebars Horst auf der Varia-Esse in Mügeln zu installieren. Damit kann dann in Zukunft jedermann nach Lust und Laune das Alltagsleben der Störche in luftiger Höhe live miterleben. „Wie hoch ist der Schornstein und wie schaffen Sie es, bis dort hoch zu kommen?“, staunte die Redakteurin Bauklötzer. Höhne brauchte nicht lange zu überlegen und hatte kurzerhand eine Antwort parat: „Der Schornstein ist 36 Meter hoch. Ich bin seit 42 Jahren Schornsteinfeger und habe zu DDR-Zeiten viel größere Schornsteine, bis zu 72 Meter, erklimmt. Das liegt einem im Blut, von oben hat man eine gute Sicht und es wird obendrein gut bezahlt“, sagte Höhne schmunzelnd.

Das sich Adebar in Mügeln in jedem Jahr ein Stelldichein gibt, sei nicht immer so gewesen. Angefangen habe alles mit einer Idee Höhnes, der 2008 von einem Energieunternehmen einen ausgemusterten Elektromast erstand und diesen auf seinem Grundstück aufstellte. Darauf befestigte er ein Waagenrad und bestückte es mit Plastestörchen. Doch die hatten kein langes Leben. „Die Störche kamen, haben sie heruntergeworfen und sich schließlich auf der Esse der Gärtnerei einquartiert“, erzählte Höhne. Fortan bekam Mügeln in jedem Jahr Besuch, doch leider erwies sich die Esse der Gärtnerei auch als gefährliche Unfallquelle. „Ein Storch wurde vom Blitz erschlagen, ein zweiter fiel in den Schornstein hinein, den wir zum Glück retten konnten.“ Letztendlich habe man dann den Horst auf der Varia-Esse hergerichtet, der auch schnell angenommen wurde. Seit 2008 wurden 30 Jungstörche großgezogen, erfuhr Große, die sich begeistert zeigte. Die drei Mügelner sind sich jedenfalls einig: „Es lohnt sich, eine Kamera zu installieren, für die Kindergartenkinder könnte man einen Monitor aufstellen und auch die Mügelner freuen sich.“

Jedenfalls wird Storchenexperte Sommer nach eigenen Angaben bereits jetzt Löcher in den Bauch gefragt, ab wann denn die Störche wieder da seien. „Das geht jetzt schon los, aber meistens Anfang April. Anfang August fliegen dann die Jungstörche und Ende August die Alttiere in Richtung Süden.“ Ihre tausende Kilometer lange Tour führe sie über den Bosporus in Richtung Ägypten und dann den Niel entlang bis Afrika, weiß Sommer, der bereits seit seiner Kindheit ein großer Fan von Störchen ist. „Ich habe sie sooft auf der Wiese mit der Kamera fotografiert. Sie sind einmalig, fliegen von Mügeln nach Afrika und finden den Weg in ihren Horst nach Mügeln immer wieder“, schwärmt der Rentner. Die Tiere bleiben seines Wissens auch fast immer zusammen. „Sie gehen aber auch ab und zu fremd, das ist so wie beim Menschen, deshalb sind sie so beliebt“, fügt Sommer augenzwinkernd hinzu. Um das Projekt Storchen-TV verwirklichen zu können, benötigen die Akteure allerdings dringend finanzielle Unterstützung. Erste kleinere Spenden gebe es bereits.

Aber um Kamera und Technik zu installieren, werde ein vierstelliger Betrag benötigt, Geld das nicht allein aufzubringen sei. „Wir vom Heimatverein sind nicht Graf Koks von der Gasanstalt und würden uns freuen, wenn uns der eine oder andere Storchenfreund eine Spende zukommen lässt“, so Lobes Aufruf. Wunsch der Heimatfreunde sei es, bereits im März die Kamera zu installieren. Der Hausmeister des Nachbargebäudes der Esse habe bereits angeboten, das Stromkabel von diesem Gebäude aus einspeisen zu können. Und wer einen Betrag ab 200 Euro spende, könne den Namen des künftigen Nachwuchses von Adebar festlegen.

Das Storchen-TV ist nur die eine Seite der Medaille. Unmittelbar neben dem Aufsteller mit der Storchenchronik in der Döbelner Straße soll eine Storchenbank ihren Platz erhalten. Von dort aus könne man den Horst auf der Esse ganz genau und in aller Ruhe beobachten. Die Bank ist bereits beim sozialen Umschulungs- und Fortbildungswerk in Dresden in Auftrag gegeben worden und soll voraussichtlich im März an Ort und Stelle ihren Dauerplatz erhalten.

Und: Bekanntlich wird dem Klapperstorch ja nachgesagt, für Familiennachwuchs zu sorgen. „Mügeln braucht auch Nachwuchs und wenn es hier richtig klappert, sind wir zufrieden“, sprach Lobe der Redakteurin zum Abschluss einen Wunsch in ihr Mikrofon.

Von Heinz Großnick

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Mügeln
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