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Strafe für Notruf ohne Not

Strafe für Notruf ohne Not

Glimpflich davon gekommen ist gestern eine 19-Jährige im Amtsgericht Oschatz. Sie hatte im April ohne Not die Notrufnummer gewählt und saß dafür auf der Anklagebank.

Oschatz. Von Frank Hörügel

 

 

 

Staatsanwältin Birgit Kraft hatte gerade den Haftbefehl beantragt, um die Angeklagte der Verhandlung zuführen zu lassen. In diesem Moment - eine Viertelstunde nach Verhandlungsbeginn - klopfte es zaghaft an der Tür. Die 19-jährige Angeklagte humpelte an zwei Krücken in den Verhandlungssaal und entschuldigte ihre Verspätung mit einem gebrochenen Zeh.

Die geborene Oschatzerin soll am 22. April um 0.03 Uhr die Notrufnummer gewählt haben, weil ihr Freund sie angeblich geschlagen hatte. Als die Polizei dann vor Ort eintraf, war von Schlägen keine Rede mehr. Es habe lediglich verbalen Streit gegeben, sagte die angehende Friseurin den Beamten. "Ich hatte Stress mit meinem Freund. Er hat mich so hingestellt, als wäre ich total bescheuert", nannte sie den Auslöser für ihre Kurzschlussreaktion. Mittlerweile hat sich die junge Frau, die rings um ihren Mund drei Piercingsteine trägt, von ihrem damaligen Freund g etrennt und lebt in Meißen.

Den Notrufmissbrauch, der mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden kann, räumte die Angeklagte gestern ohne Zaudern ein: "Ich bereue diesen Fehler."

Weil sie Einsicht gezeigt habe und bisher nur einmal wegen Diebstahls geringwertiger Sachen im Jahr 2009 mit dem Gesetz in Konflikt geraten sei, so die Richterin Marion Zöllner, werde das Verfahren gegen Auflagen vorläufig eingestellt. Die 19-Jährige muss nun bis Ende Februar 120 Euro an den Kinderschutzbund Oschatz überweisen und 25 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. "Sie sollten künftig vorher überlegen und den Verstand einschalten", gab Richterin Zöllner der werdenden Mutter (vierter Monat) mit auf den Weg.

Diese Mahnung könnte auch aus dem Mund von Frank Breitfeld stammen. Er ist Leiter des Eigenbetriebes Rettungsdienst im Landkreis Nordsachsen und ärgert sich darüber, wenn die Rettungskräfte durch Notrufmissbrauch blockiert werden. In der Delitzscher Rettungsleitstelle gingen seit Jahresanfang bis gestern genau 31 740 Notrufe ein. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr klingelte das Notruftelefon insgesamt 33 325 Mal. Die Zahl von Missbrauchsfällen bewegt sich nach Angaben der Behörde im Promillebereich und ist in den vergangenen Jahren rückläufig. "Es handelt sich um wenige Einzelfälle von Notrufmissbrauch, bei denen die Rettungsleitstelle Anzeige erstattet", so Rayk Bergner, Pressesprecher des Landratsamtes Nordsachsen. Dagegen passiere es öfter, dass Kinder zum Spaß die Notrufnummer wählten und gleich wieder auflegten. Das komme besonders oft in den Schulferien vor.

Der Fall

Eine damals 18-Jährige hat am 22. April den Notruf gewählt, da sie angeblich von ihrem Freund geschlagen worden sei. Als die Polizei eintraf, gab die junge Frau zu, dass sie lediglich verbalen Streit mit ihrem Freund gehabt hatte.

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