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Strampeln gegen die Depression: Carmen Deepe auf der Reise ihres Lebens

Strampeln gegen die Depression: Carmen Deepe auf der Reise ihres Lebens

Carmen Deepe ist derzeit auf der Reise ihres Lebens. Am 1. Juli ist die 45-Jährige in Hagen bei Osnabrück aufgebrochen, um Freunde zu besuchen und neue Bekanntschaften zu schließen.

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Carmen Deepe auf dem Oschatzer dem Neumarkt.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz/hagen. von axel kaminski

 

 

In dieser Woche, auf dem Weg von Leipzig nach Dresden, machte sie zum Mittag Station bei "Hofmanns Hütte" in Oschatz. "Vor ein paar Jahren wäre so eine Fahrt undenkbar gewesen", erzählt die gelernte Gärtnerin. Wegen schwerer Depressionen sei sie sieben Jahre in Behandlung gewesen, mehr als zwei davon stationär. Inzwischen ist sie Rentnerin, sieht aber wieder Licht - nicht nur am Horizont.

 

"Ein Mitpatient hat im Frühjahr vergangenen Jahres zu mir gesagt, dass ich an etwas glauben müsse", schildert Carmen Deepe den Wendepunkt ihrer Kranken- und Lebensgeschichte. Sie habe daraufhin Seminare zum Glücklichsein und zum Finden des Sinns in ihrem Leben besucht. In dieser Zeit habe sie einen Beitrag im Internet gelesen, in dem 100 Dinge standen, die man unbedingt getan haben sollte. Dazu gehörte auch, den Geburtsort der Mutter zu besuchen.

 

Mit dem Auto wäre die Fahrt nach Halle ein Tagesausflug gewesen. Das soll wichtig sein? Carmen Deepe entschied sich aus dem Bauch heraus anders. Sie wollte nicht nur Halle besuchen, sondern auch andere Orte, an denen Freunde und Bekannte wohnen - mit dem Fahrrad.

 

"Ich bin 13 Jahre nicht mit dem Rad gefahren", erzählt die 45-Jährige. Sie habe dann wieder regelmäßig in die Pedale getreten, kaum noch Wege mit dem Auto zurückgelegt. Allerdings habe sie erkannt, dass sie für eine so lange Radtour etwas Unterstützung braucht und sich ein Elektro-Bike zugelegt. "Mein Budget ist begrenzt, ein Vorjahresmodell, das beim Händler als Vorführrad stand, musste reichen", betont sie.

 

Rund 2300 Kilometer hat Carmen Deepe mit dem 37 Kilogramm schweren Rad und 40 Kilogramm Ausrüstung bis zu ihrem Halt in Oschatz zurückgelegt. Rad und Gepäck sind zusammen schwerer als die Reisende.

 

"Von den Dingen, mit denen ich hier unterwegs bin, habe ich vor eineinhalb Jahren noch nichts besessen", erzählt die Hagenerin. Auf ihrer Tour habe sie gemerkt, dass sie nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Außer den Sandalen, die sie trägt, hat sie ein Paar Turnschuhe im Gepäck. "Zuhause habe ich eine Menge Schuhe. Wenn ich wieder heim komme, werde ich einen großen Teil davon verschenken", ist sie sich sicher.

 

Gelernt habe sie in den vergangenen sechs Wochen, dass man in diesem Land viel Freundlichkeit erfahren kann, Hilfe erhält, wenn es Not tut und keine Angst haben muss. Das seien für sie bis zu jener Begegnung im Frühjahr 2014 keine Selbstverständlichkeiten gewesen. "Ich bin über Jahre nur raus gegangen, wenn es sein musste", blickt Carmen Deepe zurück. Nun sei sie draußen glücklich. Sie übernachtet auf Campingplätzen, bei Freunden oder auch Bekannten von Freunden, die sie aus sozialen Netzwerken kennt.

 

Unterwegs ist Carmen Deepe mit einem lila T-Shirt. Das trägt sie nicht nur, damit sie auf belebten Straßen rechtzeitig gesehen wird. Über den Schriftzug "Mission Menschlichkeit" kommt sie mit vielen Leuten ins Gespräch - ein wichtiger Zweck ihrer Reise. Auf ihrer Tour, die sie unter anderem durch Bremen, nach Wilhelmshaven, Sylt, Schleswig, über den Darß, Rügen und Usedom nach Berlin und Wittenberg führte - von wo aus sie dann am Geburtsort ihrer Mutter war - habe sie mit anderen Menschen viele positive Erfahrungen gemacht und die Freiheit genossen, zu tun, was sie will und keinem Terminplan nachjagen zu müssen.

 

Wenn sie Dresden erreicht hat, will sie noch eine Bekannte bei Prag besuchen. Und irgendwie, ganz spontan, weder auf dem kürzesten Weg und ganz sicher nicht auf der gleichen Strecke, werde sie dann nach Hause fahren. Von einigen der Leute, mit denen sie unterwegs ins Gespräch gekommen ist und einigen der Menschen, die ihre Tour im Internet verfolgen, habe sie schon Einladungen erhalten.

 

Die Frau, der es wegen ihres Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms (ADS) nach eigenem Bekunden schnell langweilig wird, will im kommenden Jahr die gleiche Tour noch einmal im Schnelldurchlauf mit dem Auto machen. Schließlich kann Carmen Deepe bei ihrer Radtour einer Leidenschaft nicht frönen. Sie sammelt Schneekugeln, hat dafür aber absolut keinen Platz im Gepäck. Diese Einkäufe will sie nachholen, wenn sie auf ihrer Tour 2016 alte und neue Freundschaften festigt.

Axel Kaminski

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