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Oschatz Sturmschäden nach „Friederike“ im Wermsdorfer Wald deutlich größer als zuerst gedacht
Region Oschatz Sturmschäden nach „Friederike“ im Wermsdorfer Wald deutlich größer als zuerst gedacht
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00:22 29.05.2018
Wie hier im Revier Collm hat die Aufarbeitung des Schadholzes nach dem Sturm „Friederike“ noch im Januar begonnen. Quelle: Foto: Axel Kaminski
Wermsdorf

Im Wermsdorfer Wald liegen derzeit 30 000 Festmeter aufgearbeitetes und verkaufsfertiges Schadholz, das während des Sturmtiefs „Friederike“ im Januar zur Bruch gegangen ist. Und täglich kommt mehr dazu. Um zu vermeiden, dass sich Borkenkäfer im Bruchholz ausbreiten und in den Beständen weitere Schäden anrichten, muss das Schadholz so schnell wie möglich aus dem Wald, erklärt Andreas Padberg, der Leiter des Forstbezirkes Leipzig, zu dem der Wermsdorfer Wald gehört. „Zuerst muss die Fichte aus dem Wald, dann wird Lärche und dann Kiefer aufgearbeitet“, beschreibt er. Lange liege auch das aufgearbeitete Holz nicht am Waldrand. „Wir achten darauf, dass das sehr schnell abgefahren wird.“

Katastrophe für sächsische Wälder

Der Gesamtschaden nach dem Sturm im Januar sei mittlerweile mehrfach korrigiert worden. „Da die Wege wieder begehbar sind und Luftbildaufnahmen vorliegen, konnten wir uns ein sehr genaues Bild von den tatsächlichen Schäden verschaffen.“ Nahm man zu Beginn noch 10 000 bis 15 000 Festmeter Schadholz in den drei Landeswaldrevieren des Wermsdorfer Waldes an, mussten die Forstexperten zu Beginn des Frühjahrs bereits von 45 000 Festmeters ausgehen – das entspricht rund 100 000 einzelnen Bäumen. „Jetzt steht fest, dass wir in den Revieres Collm, Horstsee und Wermsdorf 75 000 bis 80 000 Festmeter Schadholz haben, verteilt auf einer Fläche von rund 5000 Hektar“, sagte Andreas Padberg. Im gesamten Forstbezirk Leipzig betrage die Schadensmenge nach „Friederike“ 370 000 Festmeter. „Das ist für Nordwestsachsen eine Katastrophe. Es kann sich niemand, auch keiner der älteren Kollegen, daran erinnern, dass früher schon einmal ein ähnlich großer Schaden entstanden ist“, fügte er hinzu.

Revier Horstsee am schlimmsten betroffen

Weil der Sturm aus westlicher Richtung kam, sei auch das Revier Horstsee im Westen des Wermsdorfer Waldes am schlimmsten betroffen. Allein hier fielen 35 000 Festmeter Schadholz an. Im Revier Wermsdorf sind es zwischen 25 000 und 30 000 Festmeter, und im Revier Collm liegt der Sturmschaden bei „nur“ 15 000 Festmeter Schadholz. „Das ist fast schon vergleichbar mit der Menge eines regulären Jahreseinschlages“, so Padberg. Die Revierförster schätzen, dass die Aufarbeitung im Bereich Horstsee und Wermsdorf noch bis zum Jahresende dauert, im Revier Collm könnten die Arbeiten bereits im Sommer abgeschlossen werden. Die so entstandenen Kahlflächen summieren sich auf rund 80 Hektar. Der Großteil davon wird voraussichtlich 2019 aufgeforstet. Auf zehn Hektar allerdings wachsen schon wieder junge Bäumchen. Hinzu kommen 39 Hektar Aufforstung auf bereits im vorigen Jahr vorbereiteten Flächen und weitere zehn Hektar als Erstaufforstung, zählt der Forstbezirksleiter auf. Dafür setze man auf die Ergebnisse aus den Versuchsflächen im Wermsdorfer Wald und eine Mischung aus verschiedenen Baumarten. „Wir wollen keine Monokulturen, deshalb kommt auch nicht einfach nur Eiche in den Boden“, macht Padberg deutlich. Bei den Arbeiten konzentriere man sich auf die großen Kahlflächen. „Kleinere Lücken tolerieren wir, die schließt die Natur von selbst.“

Preis für Holz sinkt

Die Aufarbeitung von Holz und anschließende Aufforstung kostet natürlich. In einem „normalen“ Jahr werden für den Waldumbau im Forstbezirk Leipzig rund eine Million Euro veranschlagt. Nach „Friederike“ habe man innerhalb von zwei Wochen Aufträge für sechs Millionen Euro ausgelöst, zieht Andreas Padberg einen Vergleich. Gleichzeitig seien die Preise im Verkauf gesunken. Dennoch bleibe es Ziel, die Ausgaben mit den Einnahmen zu decken. Angst, dass das Holz im Wald liegen bleibt, habe er nicht, versichert der Forstbezirksleiter. „Im Moment bekommen wir alles vermarktet, auch weil das Holzreferat des Sachsenforstes in Graupa sehr rührig ist und mit Unternehmen deutschlandweit Verträge abgeschlossen hat.“

Nach den sehr arbeitsreichen vergangenen Monaten kehre nun in vielen Revieren so etwas wie Routine ein. Und in Wermsdorf rücken Veranstaltungen zum Aktionsjahr „Waldgebiet des Jahres“ wieder in den Fokus. So findet Anfang des nächsten Monats der Abschluss der Waldjugendspiele am Kirchenteich statt, und am 16. Juni ist eine Wanderung mit Revierförster Uwe Lange durch das Waldgebiet geplant.

Von Jana Brechlin

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