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Oschatz Südamerika in Nordsachsen: Wiederodaer züchten Alpakas
Region Oschatz Südamerika in Nordsachsen: Wiederodaer züchten Alpakas
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00:22 28.10.2017
Das kastanienrote Jungtier muss noch von Hartwig Kraft von Wedel per Hand gesäugt werden. Quelle: Kristin Engel
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Remsa

Sie sind mit die hübschesten Tiere der Welt, haben einen wundervollen Charakter, sind neugierig, intelligent, sanftmütig, aber auch ein wenig scheu. Eine Tiertherapeutin sagte einst: Wenn dich ein Alpaka mit seinen großen Augen anschaut, ist es, als würde der liebe Gott einen ansehen“, zitiert Hartwig Kraft von Wedel. Seit 1999 besitzt er bereits Alpakas und kann dieses Zitat nur bestätigen. Er ist mit Herzblut Züchter dieser besonderen Tiere und machte aus der Passion seinen Beruf.

Die Tiere haben schon viele Auszeichnungen gewonnen. Quelle: privat

Vor 18 Jahren hatte er die Option, zwei Höfe in Remsa, die einst im Besitz des Großvaters waren, zu erwerben. Diese befanden sich seit mehreren Generationen in Familienbesitz, doch die zwei historischen Vierseithöfe waren baulich in einem schlechten Zustand. Der Wiederodaer ist studierter Landschaftsarchitekt und stand nun vor der Überlegung, was er mit den Gebäuden und den angrenzenden Flächen anfangen könnte. Erst dachte er an eine Gärtnerei für Stauden und Gehölze. Tiere hatte er hier noch gar nicht im Sinn, doch dann sollte alles ganz anders kommen.

Lama in der Suchmaschine

„Zu dieser Zeit war das Internet noch neu und auch die Suchmaschinen waren neu. Der erste Suchbegriff, den ich jemals eingab, war ,Lama’.“ Über den ersten Link auf dieser Website, den eines Lamazüchters in den USA, stieß er auf Alpakas. „Da war mir sofort klar: Das ist eine Marktlücke. Ich selbst kannte diese Tiere überhaupt nicht. Ich entdeckte sie nur auf Züchterseiten in den USA, in Kanada oder Australien. Ich suchte weiter und fand einige Züchter in England und Holland, doch in Deutschland waren diese Tiere noch kaum bekannt.“ Oft flog er in andere Länder, lernte die Tiere und deren Pflege kennen und entschied dann, dass genau die Zucht dieser Tiere seine Marktlücke ist.

Alpakas liefern edle Wolle. Quelle: Kristin Engel

17 Stuten, die zum Teil tragend waren, zum Teil bereits gefohlt hatten, kamen schließlich in Remsa an. „Somit habe ich in 1999 mit 27 Alpakas begonnen“, erinnert er sich. Die Stuten, die eine Trächtigkeitsdauer von 340 bis 345 Tage haben, bringen meist ein einzelnes Jungtier zur Welt. Dieses wird rund sechs bis acht Monate gesäugt und erreicht mit durchschnittlich 12 bis 24 Monaten die Geschlechtsreife. „Die Stuten können kurz nach der Geburt wieder gedeckt werden und so haben wir durch Nachzucht und auch durch Importe einen Bestand von zeitweise bis zu 350 Alpakas aufgebaut. Am Anfang wurde ich von einigen noch belächelt. Das änderte sich jedoch durch verschiedene Fernsehreportagen und durch das erste Alpaka-Fest in 2000.“ Denn über 2000 Besucher kamen nach Remsa. „Die ganze Straße stand voller Autos. Es war ein wirkliches Highlight.“

Tausende Gäste beim Alpaka-Fest

Schnell sprach sich das Fest herum und bei jedem weiteren Alpaka-Fest kamen zwischen 3000 und 4000 Gäste. In den vergangenen Jahren gab es jedoch kein solches Fest mehr in Remsa – 2013 fand das vorerst letzte statt. „Es ist immer sehr aufwendig, ein solches Fest vorzubereiten. Wir brauchen bei der großen Anzahl an Besuchern viele ehrenamtliche Helfer und haben auch immer die Familie mit eingespannt. Zudem haben wir im vergangenen Jahr einen der beiden Höfe verkauft, so haben wir auch weniger Platz für eine solche Veranstaltung“, bedauert der Alpaka-Züchter.

Den „Kraftschen Stammhof“ hat die Familie jedoch behalten. Hinzu kam 2007 der Kauf des Schlosses in Wiederoda, dass ebenfalls noch schrittweise saniert werden muss. Dieses bietet genügend Platz, um hier auch Tourismus zu betreiben und Seminare abzuhalten. „Wir bieten Ein-Tages-Seminare für Züchter und ein dreitägiges Seminar über die Ausbildung von Alpakas zu Therapiezwecken an. Wir hatten unter anderem auch bereits Tierarzt- und Faserseminare bei uns“, sagt Katharina Kraft von Wedel, für die die Arbeit mit den Tieren ebenfalls zu einer Berufung geworden ist. Das Ehepaar bietet auch Führungen ab zwölf Personen an. „Oft sind es Behinderten- oder Seniorengruppen, Familien, Vereine, Schulklassen und Kindergartengruppen. Eine Führung dauert etwa zwei Stunden. Besucher erleben die Begegnung mit den Alpakas, können sie anschauen und streicheln. Diese Erfahrungen sind für die Gäste immer ein tolles Erlebnis.“

Liebe zu den Tieren

Es ist die Liebe zu den Tieren, die Katharina und Hartwig Kraft von Wedel motiviert. „Das Leben und Arbeiten mit den Alpakas muss man schön finden. Es gibt ja auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Für uns ist es nicht nur ein Hobby. Wir sind Züchter, entwickeln die Tiere weiter, verbessern ihre Genetik und verkaufen die Zuchttiere in ganz Europa.“

Der Zuchtbetrieb der Familie Kraft von Wedel ist heute einer der führenden und größten Zuchtbetriebe Deutschlands. „Bei der Zucht geht es um die Farbe und die Qualität der Wollfaser. Die Tiere werden hauptsächlich für die weitere Zucht verkauft. Einige werden aber auch als Freizeittiere weitergegeben und wieder andere als Therapietiere ausgebildet und verkauft. Jedes Tier bekommt von uns bereits die Grundausbildung“, erklärt Katharina Kraft von Wedel. Gerade die Therapietiere müssen mehr lernen als andere Artgenossen. „Learning by doing – sie lernen aus Erfahrung“. Doch nicht jedes Tier eignet sich als Therapietier. Hierfür bietet das Ehepaar auch Kurse für Therapeuten an, damit diese die Psychologie, das Handling und die Verwendungsmöglichkeiten der Tiere verstehen. Die Therapie mit Alpakas ist ähnlich erfolgreich wie die mit Delfinen. Das Urvertrauen, welches die Tiere ausstrahlen, ist hier die Quintessenz.

Zwei Rassen

Auch bei der Rasse der Tiere gibt es Unterschiede. Wie die meisten Züchter hat auch Hartwig Kraft von Wedel mit der Zucht der Huacaya-Alpakas begonnen. Diese haben eine feine, gleichmäßig gekräuselte Faser und einige Deckhaare. Die zweite Rasse, die es bei den Alpakas gibt, nennt sich Suri. Diese Tiere haben keine Kräuselung in der Faser, das Haar bildet gelockte Strähnen, die am Tier herabhängen, und das Haar der Suris zeichnet sich durch einen hohen Glanz aus.

Die Suris umfassen gerade einmal etwa ein bis drei Prozent der Gesamtpopulation weltweit. „Wir sind die ersten Züchter in Deutschland, die mit der Suri-Zucht angefangen haben. Damals im Jahr 2000 war diese Rasse vom Aussterben bedroht, vor allem die farbigen Suris“, so Hartwig Kraft von Wedel. Anfangs habe es nur sehr wenig gute Tiere in Deutschland gegeben. Zauberland Alpakas habe sich einen Namen durch den Import der Alpakas aus Chile gemacht. Der Alpakabesitzer selbst absolvierte drei Weiterbildungen – eine in Peru und zwei in England – als Alpaka-Richter. Somit kann er bei Ausstellungen die Tiere bewerten. Er nutzt dieses Wissen jedoch hauptsächlich für seine eigene Arbeit.

Tiere stammen aus Südamerika

Seine Alpakas stammen hauptsächlich aus Südamerika. 2012 erwarb er eine Gruppe von 120 Tieren aus der Schweiz. Heute kauft er keine Alpakas mehr zu. „Wir haben in unserer Gruppe so viele Tiere, die bereits Champions sind. In diesem Jahr hatten wir bisher 45 Geburten und haben derzeit rund 170 Huacayas und Suris. Wir sehen die Alpakas als ein Gottesgeschenk.“

Denn immerhin kann man mit den Tieren nicht nur Preise gewinnen und sie zu Therapiezwecken einsetzen, sondern die Alpakawolle wird auch als das „Vlies der Götter“ bezeichnet. „Der Modedesigner Hugo Boss bezeichnete die Wolle der Suri-Alpakas einmal als die ,ultimative Naturfaser’. Päpste, die Königin von Spanien und Kardinäle tragen Suri-Mäntel“, sagt Katharina Kraft von Wedel. Sie betreut den Hofladen in Wiederoda und fährt mit den Produkten gerade während der Winterzeit auf große Märkte, wie zum Beispiel auf Kunsthandwerkermärkte oder edle Weihnachtsmärkte.

„Zwischen Ende September bis in den Winter hinein ist die beste Zeit für Alpakaprodukte. Die Produkte werden ganz ohne Chemie hergestellt, sind nicht gefärbt und bestehen nahezu zu 100 Prozent aus Naturfasern.“ Nachdem die Wolle geschoren wurde, kommt sie in die Wäscherei, danach in die Spinnerei und als Garn zurück zu Familie Kraft von Wedel. Eine Strickerin stellt aus diesem Material schließlich unter anderem Schals, Mützen, Handschuhe, Socken oder auf Extrawunsch auch mal Jacken her. Im Hofladen können die Besucher auch Betten zu 100 Prozent mit Alpakawolle gefüllt erwerben. „Diese sind wirklich schön. Sie sind feuchtigkeits- und wärmeregulierend“, sagt sie aus Erfahrung.

Zucht intensiviert

Jahrelang wurde die Zucht intensiviert und ist stetig gewachsen. Jetzt wollen die Eheleute diesen Stand halten. Sie nehmen auch nicht mehr so oft an Alpaka-Schauen teil, obwohl viele ihrer Schützlinge bereits Champions sind. Die vielen Pokale und Auszeichnungen bewahren sie in einer Vitrine auf.

Die Tiere haben auf den großen Koppeln viel Auslauf und auch ein paar Nandus haben sich dazugesellt. „Die Vögel dienen als Flächenpfleger, da sie Disteln und Brennnesseln fressen, so brauchen wir kein Gift zu spritzen. Sie haben dasselbe Herkunftsland wie die Alpakas, daher harmonisieren sie sehr gut mit ihnen“, erklärt die Wiederodaerin. Zur Zeit haben sie ein Flaschenkind auf der Weide. Selten haben sie mit schwierigen Geburten zu tun, doch in diesem Jahr rettete nur der Kaiserschnitt Mutter und Fohlen vor dem Tod. Da die Stute ihre Tochter nicht annahm, wird das Fohlen komplett mit der Flasche großgezogen. Es ist eine kastanienrote Suristute. Eine seltene Farbe für ein Alpaka. Regelmäßig schauen Katharina und Hartwig Kraft von Wedel nach ihren Schützlingen. Die Tiere sind alle gechipt und tragen einen Namen. Das Ehepaar sieht es als ein Privileg an, auf dem Lande von und mit diesen edlen Tieren zu leben. „Die Alpakas sind eben etwas ganz besonderes.“

Von Kristin Engel

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