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Oschatz Tatort Kinderzimmer: Onkel (32) gesteht sexuellen Missbrauch seiner Neffen
Region Oschatz Tatort Kinderzimmer: Onkel (32) gesteht sexuellen Missbrauch seiner Neffen
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16:56 29.08.2018
Prozessauftakt in Leipzig: Der Fall aus der Region Oschatz wird am Landgericht in der Messestadt verhandelt. Quelle: picture alliance / dpa
Leipzig/Oschatz

Am Mittwoch startete am Leipziger Landgericht der Prozess gegen den inzwischen in Riesa wohnenden Enrico W. (Namen geändert). Dem 32-jährigen Monteur wird von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, seine beiden Neffen sexuell missbraucht zu haben.

Sexueller Missbrauch im Haus der Großeltern

Im fraglichen Zeitraum wohnte der Anklagte noch bei seinen Eltern in einem Ort bei Oschatz. Die beiden Jungen, die im Herbst des Jahres 2000 geboren sind, waren zu dieser Zeit mehrmals in der Woche bei ihren Großeltern zu Gast. Im Zeitraum von vermutlich Sommer 2007 bis Sommer 2011 habe Enrico W. die Besuche der Zwillinge genutzt, um sie mit in sein ehemaliges Kinderzimmer zu nehmen und sie sexuell zu missbrauchen.

Die Anklageschrift, die zu Prozessbeginn verlesen wurde, listete acht Tathergänge auf, die sich zum Teil nur noch sehr grob datieren ließen. So habe W. einen der Neffen gezwungen, ihn oral zu befriedigen, indem er ihn auf das Bett schubste, ihn am Hals festhielt und drohte, ihn umzubringen.

In anderen Fällen mussten die Kinder, als sie allein mit ihm waren, sich entkleiden und anfassen lassen. W. entblößte sich und forderte die Jungen auf, mit Spielzeugautos über seinen erigierten Penis zu fahren oder ihn mit seinen Händen zu berühren.

Übergriffe auch im Zuhause der Jungen

Auch in ihrem eigenen Kinderzimmer im Nachbarort waren die beiden vor Übergriffen nicht geschützt. Vermutlich vor Ende des Jahres 2008 verging sich W. zeitgleich an ihnen: Sie mussten sich vollständig entkleiden, ihre nackten Unterkörper aneinander reiben, sich küssen und berühren.

In den Worten der Anklage habe W. damit schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in Tateinheit mit Vergewaltigung begangen.

Verhandlung wird unterbrochen

„Wir würden grundsätzlich Angaben machen, zuvor jedoch um ein Rechtsgespräch bitten“, stieg Strafverteidiger Stefan Wirth für seinen Mandanten in die Hauptverhandlung ein und sorgte damit gleich für deren Unterbrechung.

Die endete mit keiner Verfahrensabsprache, aber für die beiden Jungen mit einer Entlastung. Die mittlerweile fast 18-Jährigen treten beim Prozess als Nebenkläger auf und hatten ihre Anwälte zuvor erklären lassen, nicht teilnehmen zu wollen.

Auch eine Aussage als Zeugen blieb ihnen nun erspart, da Enrico W. unerwartet ein vollständiges Geständnis ablegte. Die Aussageprotokolle der beiden Jugendlichen werden nun vom Gericht zur Kenntnis genommen.

Geständnis in vollem Umfang

„Herr W. kann nicht mehr nachvollziehen, was in ihn gefahren ist und warum er das getan hat“, erklärte Verteidiger Stefan Wirth weiter. „Es tut ihm jedenfalls unendlich leid.“ Er sei zu einem Täter-Opfer-Ausgleich bereit.

Sein Mandant hatte zu diesem Zeitpunkt die schwarze Kapuze seiner Strickjacke doch noch abgenommen. W. hat ein unscheinbares Auftreten, wirkt schüchtern und jünger als seine 32 Jahre. Er senkt den Blick, als seine Halbschwester – die Mutter der beiden Opfer – als Zeugin auftritt. Er sucht auch nicht den Augenkontakt mit seinen Neffen, die an dieser Stelle als Prozessbeobachter hinter ihren Anwältinnen Platz nehmen.

Missbrauch kommt 2016 zur Sprache

Die Taten hat der Angeklagte gestanden, trotzdem möchte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel noch klären, wem sich die Jungen anvertraut haben und welche Folgen der Missbrauch für sie hat. Anita B., 42, seit 2014 geschieden, erklärt die Familienkonstellation. Während einer der Zwillinge ihrem Ex-Mann nach Baden-Württemberg folgte, lebt der andere bei ihr und ihrer Tochter in Oschatz.

Im Januar 2016 vertraut er sich ihr nach einem Besuch bei ihren Eltern an: „Er hatte Angst, mit mir zu reden, und erzählte dann von Sachen, die Enrico nicht hätte machen dürfen“, erinnert sie sich sichtlich angespannt. Ein Anruf bei dem anderen Sohn bestätigt das.

Die Jungen wollen keinen Prozess, aber sie wollen, dass der Onkel die Taten zugibt. Im Haus der Großeltern soll es ein klärendes Gespräch geben: Enrico W. ist überrumpelt und gibt die Taten nur im Beisein seiner Eltern und der Neffen zu, Anita B. darf nicht dabei sein. Sie respektiert trotzdem den Wunsch ihrer Söhne.

Vater erstattet Anzeige

Zur Anklage kommt es erst dann, nachdem ihr Ex-Mann von dem Missbrauch erfährt. Einer seiner beiden Zwillings-Söhne, der bei seinem Vater in Baden-Württemberg wohnt, ist in der Schule zusammengebrochen, er ist aggressiv und unkonzentriert.

Ein Vertrauenslehrer beobachtet weitere Auffälligkeiten und bittet den Vater Armin B., mit seinem Sohn zu sprechen: Als der Vater von den Taten erfährt, steht für ihn außer Frage, die Polizei einzuschalten: „Da war ich geschockt, es ist ja auch unglaublich – in der eigenen Familie“, sagt er aus. Der Prozess wird in der nächsten Woche fortgesetzt, ein Urteil bereits dann erwartet.

Von Manuel Niemann

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