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Teure Foulspiele

Teure Foulspiele

Ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm durchzuckte vor kurzem die Fußballwelt. 50 000 Euro Schmerzensgeld sprach der Richter einem Kreisliga-Kicker zu, der seit zwei Jahren unter den Folgen eines brutalen Fouls leidet.

Dabei gehören zivilgerichtliche Klagen von Sportlern - selbst in den unteren Spielklassen - inzwischen fast zur Normalität. Auch aus Nordsachsen ziehen ab und an Spieler vor den Kadi. Allerdings stehen nicht ganz so hohe Summen im Raum.

Steffen Tänzer, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Verbandsgerichts beim Sächsischen Fußballverband, ist häufiger auf diesem Gebiet im Einsatz. "Aber die Fälle sind vergleichsweise weniger spektakulär", sagt der Eilenburger. Doch das scheint ein wenig untertrieben, denn das meist zuständige Landgericht Leipzig behandelt nur Angelegenheiten mit einem sogenannten "Eingangsstreitwert" ab 5000 Euro. "Das ist schon eine Menge Holz", so Tänzer. Und hier geht es nur um die Summe des Schmerzensgeldes, eventuelle Forderungen der Krankenversicherung an den "Täter" und dergleichen können folgen.

Aussagen, die Heiko Wittig, Präsident des Nordsächsischen Fußballverbandes (NFV), überraschen dürften. "Ich habe noch nie gehört, dass jemand aus unserer Region nach einem Foul vor ein Zivilgericht gezogen ist." Dieser Satz des NFV-Chefs verwundert wiederum nicht, schließlich ist der Verband nur für den sportgerichtlichen Teil, also Sperren der Spieler und so weiter, verantwortlich. "Es ist aber durchaus nachvollziehbar, wenn jemand vorsätzlich durch ein Foul verletzt wird, dass er dann zivilgerichtlich dagegen vorgeht", meint Wittig.

Müssen also nun alle Freizeit-Fußballer in Angst und Schrecken leben? Oder zum körperlosen Spiel übergehen? Wohl kaum. Denn das Motto: "Ich bin verletzt, der hat mich gefoult, also greif' ich jetzt ordentlich Kohle ab", trifft eher selten zu. Was insbesondere daran liegt, dass die Beweisführung, gerade bei Spielen in den unteren Ligen, überaus verzwickt daherkommt. Nur in den seltensten Fällen liegen eindeutige Videos vor. Und Zeugenaussagen widersprechen sich bekanntermaßen gern einmal, erst recht, wenn Vertreter zweier verschiedener Mannschaften ihre Sicht der (Foul-)Dinge darlegen. "Es geht hier schließlich um Bruchteile von Sekunden", erklärt Tänzer. Lässt sich aber die Schuld des Übeltäters zweifelsfrei feststellen, kommt es auf den Verschuldensgrad an, sprich ob absichtlich gefoult wurde. Das ist nicht ganz unwichtig, weil unter bestimmten Umständen eine private Haftpflichtversicherung einspringt und die Schadensersatz-Kosten übernimmt. Bei Vorsatz allerdings nicht. Ansagen wie: "Dir brech' ich jetzt die Knochen" oder taktische Fouls sollte man sich in jedem Fall besser sparen.

Allerdings rechnen weder Wittig noch Tänzer damit, dass jetzt von der Kreisklasse bis zur Bundesliga eine Klageflut einsetzt. Schließlich stammt das erste Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs in diesem Zusammenhang aus dem Jahr 1974. Und seitdem hört man in der Öffentlichkeit eher selten von zivilgerichtlich erstrittenen Schmerzensgeldern für Fußballer.

Johannes David

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