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Oschatz Totschlagsprozess: Angeklagter bricht Schweigen
Region Oschatz Totschlagsprozess: Angeklagter bricht Schweigen
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20:21 04.09.2012

Von Frank Hörügel

Geplant war, dass der Vorsitzende Richter Norbert Göbel gestern die Urteile gegen die sechs Angeklagten aus Oschatz und Wermsdorf verkünden sollte. Doch daraus wurde nichts. Gleich zu Beginn der Verhandlung am Vormittag kündigte Rechtsanwalt Ulf Ihle an, dass sich sein 28 Jahre alter Mandant zum Tatvorwurf äußern wolle.

Der Pflichtverteidiger verlas eine Erklärung von Ronny S., der den Eindruck gewonnen habe, dass ihn die Prozessbeteiligten als Sündenbock auserkoren hätten. Der 28-Jährige bedauere den Tod des Obdachlosen André K., sei aber an den Misshandlungen des damals 50 Jahre alten Opfers nicht beteiligt gewesen. Das könne von sechs Zeugen bestätigt werden. Diesen neuen Beweisanträgen der Verteidigung wurde statt gegeben.

Dem Gericht gelang es kurzfristig, drei der sechs Zeugen am gestrigen Nachmittag vorzuladen. Die jungen Männer im Alter von 23 bis 38 Jahren sind Knastbrüder von Ronny S., der seit dem Vorjahr in Untersuchungshaft sitzt. Zwei seiner Zellengenossen sagten aus, dass sie in der Leipziger Justizvollzugsanstalt (JVA) ein Gespräch zwischen Ronny S. und Sebastian B. mitgehört hätten, der ebenfalls wegen Totschlages des Oschatzer Obdachlosen angeklagt ist. Der 26 Jahre alte Sebastian B. habe sich verwundert gezeigt, dass Ronny S. in der JVA einsitze. "Du warst doch gar nicht dabei", habe Sebastian B. dem Angeklagten Ronny S. aus seinem Zellenfenster zugerufen. An weitere Details des Gespräches konnten sich alle drei Zeugen nicht erinnern.

"Das kommt mir ein bisschen spanisch vor", zweifelte Oberstaatsanwältin Dr. Claudia Laube die Aussagen des Zeugen René M. an - einer der beiden Zellengenossen von Ronny S. Schließlich hätte jeder der beiden Angeklagten bereits vor diesem Gespräch gewusst, dass sie wegen Totschlages angeklagt gewesen seien. Ingo Stolzenburg, Pflichtverteidiger von Sebastian B., brachte es noch drastischer auf den Punkt. "Sie erzählen Schwachsinn", warf er dem Zeugen René M. vor.

In den nächsten Wochen müssen noch die weiteren Zeugen gehört werden, so dass frühestens am 13. November mit den Urteilsverkündungen gerechnet werden kann. "Der Jahrestag des Verfahrensbeginns nähert sich", erinnerte der Vorsitzende Richter Göbel an die ungewöhnlich lange Dauer des Totschlags-Prozesses. Der erste Verhandlungstag fand am 6. Dezember des vergangenen Jahres statt.

Der Fall

Der Obdachlose André K. wurde Ende Mai 2011 schwer verletzt am Oschatzer Südbahnhof gefunden. Er war brutal geschlagen worden. Der Mann starb am 1. Juni in der Uniklinik Leipzig in Folge der Verletzungen. Sechs Jugendliche und Erwachsene konnten als mutmaßliche Täter ermittelt werden. Sei müssen sich seit dem Dezember des Vorjahres vor dem Landgericht Leipzig wegen Totschlages und unterlassener Hilfeleistung verantworten.

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