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Oschatz Triebwagen soll Schülerverkehr zwischen Mügeln und Oschatz übernehmen
Region Oschatz Triebwagen soll Schülerverkehr zwischen Mügeln und Oschatz übernehmen
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00:21 15.01.2018
Bevor der VT 15 im zwischen Mügeln und Oschatz eingesetzt werden kann, wird er aufgearbeitet, durchläuft er eine Hauptuntersuchung und erhält eine neue Lackierung Quelle: Foto: Niels Kunick
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Mügeln

Seit kurzem vermeldet die Döllnitzbahn auf ihrer Internetseite, dass sie einen Triebwagen angeschafft hat. Er soll ab Sommer 2018 im Schülerverkehr eingesetzt werden. „Eine glückliche Fügung“, nennt Eisenbahnbetriebsleiter Lutz Haschke die Umstände, die zum Zuwachs des Fahrzeugparkes führten. Aufgrund von Streckenstilllegungen und Fahrzeugneubeschaffungen bei den Niederösterreichischen Schmalspurbahnen bestehe ein Überhang bei den Triebwagen der vormals bei den Österreichischen Bundesbahnen als Baureihe 5090 bezeichneten Fahrzeuge. Haupteinsatzgebiet der noch vorhandenen Triebwagen sei die Citybahn Waidhofen/Ybbs, wo auch der nun von der Döllnitzbahn erworbene VT 15 seit zwei Jahren mangels Bedarf abgestellt gewesen sei.

Gemeinsame sächsische Triebwagenpläne geplatzt

Neu ist der Gedanke, Triebwagen auf der Schmalspurbahn einzusetzen, nicht. In den 1990er Jahren gab es im Freistaat Sachsen sogar die Vorstellung, gemeinsam für alle Bahnen neue Triebwagen bauen zu lassen. Vorläufiger Höhepunkt dieser Gedankenspiele war, dass 1995 das Baumuster eines solchen Triebwagens auf einem Normalspur-Waggon nach Oschatz und von dort nach Mügeln geliefert wurde. Dabei handelte es sich um eine Designstudie ohne Antrieb, aber dafür mit zwei verschiednen Ausstattungsvarianten diesseits und jenseits des Mittelganges. „Im Jahr 2002 gab es noch einmal Beratungen zu diesem Vorhaben“, erinnert sich Lutz Haschke. Nach dem Hochwasser, bei dem die Weißeritztalbahn schwer beschädigt wurde, habe sich das Thema erledigt gehabt. Die Hürde, eine ausreichend große Stückzahl bestellen zu können, bei der die Entwicklungskosten in einem vernünftigen Verhältnis zum Stückpreis gestanden hätten, sei nicht zu überwinden gewesen. Für einige der sächsischen Schmalspurbahnen sei der Nahverkehr nahezu ohne Bedeutung. Sie würden vor allem touristische Bedürfnisse bedienen. Und die Touristen kommen wegen des Dampfes.

Deutlich jünger als die Dieselloks der Döllnitzbahn

Nun gibt es zwar keinen Neubau, aber dennoch ein modernes Fahrzeug für die Döllnitzbahn. „Die Schüler legen keinen Wert auf Dampf“, stellt Lutz Haschke fest. Der VT 15, der derzeit aufgearbeitet und für eine Hauptuntersuchung nach deutschen Vorschriften vorbereitet wird, stammt aus dem Jahr 1995 und ist damit deutlich jünger als das bisher im Schülerverkehr eingesetzte rollende Material. Die Döllnitzbahn verspricht den Nutzern aufgrund der komfortablen Federung ein völlig neues Fahrgefühl.

Kein höheres Tempo bei Oschatzer Stadtdurchfahrt

Lutz Haschke kann sich noch ein paar Änderungen mehr vorstellen. Der Motor des Triebwagens ist leistungsstärker als jene in den momentan eingesetzten Dieselloks. „Unsere Strecke ist derzeit für 30 Kilometer pro Stunde zugelassen. Das Fahrzeug könnte mehr“, erläutert der Eisenbahnbetriebsleiter. Würde man mehr als 50 km/h fahren, müsste der gesamte Fahrzeuglauf elektronisch überwacht werden, was unrealistisch sei. Aber auf einigen Abschnitten ließen die Trassierungsparameter 40 bis 50 km/h zu. „Das muss mit unserer Aufsichtsbehörde abgestimmt werden“, betont Lutz Haschke. Keinesfalls werde man auf der durch Bahnübergänge und enge Bögen gekennzeichneten Oschatzer Stadtdurchfahrt schneller fahren.

Schülerverkehr künftig ab Kemmlitz?

Neben kürzeren Fahrzeiten zwischen Mügeln und Oschatz sei auch die Ausweitung des Schülerverkehrs bis nach Kemmlitz denkbar. „Nachfragen aus Nebitzschen und Kemmlitz sowie entsprechende Vorstöße beim Landratsamt gab es bereits“, sagt der Eisenbahnbetriebsleiter. Dazu müsste allerdings die Strecke tatsächlich wieder bis zum Kemmlitzer Bahnhof nutzbar sein. Die Verlängerung des Angebots im Schülerverkehr müsse außerdem politisch gewollt sein und bezahlt werden. Auf eigene Rechnung könne die Döllnitzbahn die Leistung des öffentlichen Personennahverkehrs nicht erbringen.

Nur geringe Reserven bei Kraftstoffersparnis

Vor zu großen Erwartungen hinsichtlich der Einsparung von Kraftstoff oder beim Wartungsaufwand warnt Lutz Haschke. „Den größten Sprung haben wir in dieser Hinsicht bereits bei der Rekonstruktion der Dieselloks vollzogen, als wir sparsamere Motoren und mehr Normteile anstelle von Sonderanfertigungen eingebaut haben“, erläutert er. Vielleicht seien noch zehn bis 15 Prozent Kraftstoffersparnis drin – immerhin bringe der Motor des Treibwagen auch rund 50 Prozent mehr Leistung. Der VT15 sei dann in Sachsen und Deutschland wiederum ein Einzelstück, von dem nicht jedes Ersatzteile hier sofort verfügbar sei. Allerdings pflege man schon längere Zeit eine gute Zusammenarbeit mit den österreichischen Bahnen, weshalb keine Engpässe zu erwarten seien. Aufgrund dieser Kontakte sei die Döllnitzbahn auch angesprochen worden, ob sie das nicht mehr genutzte Fahrzeug übernehmen wolle.

Döllnitzbahn reaktiviert Reisezugwagen als Beiwagen

Zusammen mit dem VT15 soll als Beiwagen der Mariazeller Reisezugwagen 3100 II eingesetzt werden. Er war bereits seit Anfang der 2000er Jahre bei der Döllnitzbahn im Einsatz und wurde von ihr bis Ende 2006 als Reisezugwagen genutzt. Seither war er im Bahnhof Mügeln abgestellt. „Als Beiwagen eignet er sich wegen seiner Größe und wegen der geschlossenen Endbühnen. Daher wird er nun für den Triebwagen reaktiviert“; erläutert Lutz Haschke.

Triebwagen im Regeleinsatz auf Schmalspurgleisen gibt es im Osten Deutschlands nur noch bei der Harzer Schmalspurbahn. Allerdings beträgt deren Spurweite 1000 Millimeter. Der 750mm-Treibwagen der Zittauer Schmalspurbahn ist in Oschatz mittlerweile ein guter Bekannter, war hier bei Landesgartenschau und mehreren Kleinen Gartenschauen im Einsatz..

Von Axel Kaminski

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