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Oschatz Trotz begrenztem Budget: Leserzahl bleibt in Bibliothek Mügeln stabil
Region Oschatz Trotz begrenztem Budget: Leserzahl bleibt in Bibliothek Mügeln stabil
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15:58 13.02.2019
Herz, Schmerz oder auch blutiger Mord: Kerstin Helbig findet in der Mügelner Stadtbibliothek für jeden ihrer Leser etwas. Quelle: Manuel Niemann
Mügeln

„Nehmen Sie wieder etwas mit?“ „Ja! Gibt’s denn einen spannenden Krimi?“ Gerade noch die Nutzerkarte eingescannt, widmet sich Bibliotheksleiterin Kerstin Helbig der Titelsuche für ihre Kundin. „Über mangelnde Besucherzahlen kann ich mich nicht beschweren“, sagt sie, nachdem sie versorgt ist.

Bücher bei Jugendlichen weniger gefragt

„Ich habe momentan 286 aktive Nutzer, die immer kommen.“ Diese seien vorrangig aus der Stadt, vereinzelt aber auch aus den Ortsteilen. Vormittags seien es vorwiegend ältere Leute, die den Weg zu ihr in die Dr.-Friedrichs-Straße 3 finden. Nachmittags folgen dann Mütter mit ihren Kleinkindern und Erstleser „Also erste, zweite dritte, vierte Klasse, die lesen noch viel“, beschreibt sie.

Jugendliche Leser hingegen habe sie weniger. „Das war schon so, bevor ich hier angefangen habe.“ Inzwischen ist Helbig in ihrem dritten Jahr in Mügeln, am 1. Februar 2016 übernahm sie die Bibliothek, nachdem sie den eigenen Buchhandel in Oschatz aufgegeben hatte. Zwei Tage in der Woche ist ihr brandenburgischer Dialekt in den Bibliotheksräumen zu hören. Daneben kümmert sie sich unter anderem noch um die Kultur, das Amtsblatt, die Vereinsbetreuung und Facebook-Seite der Stadt.

Mitteilung: Die Bibliothek ist diesen Donnerstag geschlossen. Alle Medien können notfalls im Sekretariat des Rathauses abgegeben werden.

Gepostet von Mügeln mag ich am Montag, 11. Februar 2019

3600 Besucher kommen über das Jahr in die Bibliothek

So nah am Netz mutmaßt sie: „Ich weiß nicht, ob die Jugendlichen so aktive Handynutzer sind, dass sie sich für’s Lesen nicht mehr interessieren.“ Auch ohne Leser in diesem Alter sei die Bibliothek, sagt ihre Nutzerstatistik, im letzten Jahr auf ungefähr 8000 Entleihungen gekommen. Das sei stabil gegenüber den Vorjahren – wie auch die 3600 Besucher, die sie gezählt hat.

„Da kann ich mich hier nicht beschweren. Ich habe auch immer wieder Neuanmeldungen.“ Im letzten Jahr waren es 54, etwas weniger als die 79 im Vorjahr. Viele davon seien Kinder, die durch die im Lehrplan stehende Bibliothekseinführung in der zweiten und fünften Klasse, den Weg zwischen die Buchregale finden.

Daneben veranstaltet Helbig auch Lesungen. Die längste mit Eleonore Reichel von der Oschatzer Stadtbibliothek zusammen. „Wir lesen seit zehn Jahren zusammen.“ Und dann gebe es auch noch die Gruselnacht mit Nachtwächterführung. Beides findet auch in diesem Jahr wieder im November statt.

Historisches und Lebensbeschreibungen sind in Mügeln beliebt

Die Lieblingsbücher der Mügelner haben sich über die letzten Jahre nicht großartig verändert, verrät sie uns noch: Alles, was so Familiengeschichten sind – von Achtzehnhundertnochwas bis kurz nach dem Krieg – das sind Highlights. Das lesen die meisten.“

Gern werden Trilogien ausgeliehen wie „Gut Greifenau“ von Hanna Caspian. Andere Titel handeln von der „Tuchvilla“ (Anne Jacobs) oder kreisen um „Ein Hauch von Seide“ (Penny Jordan). Das klingt nach Vergangenheit, gut betuchten Häusern und Gütern, Unterhaltung nicht im Hier und Jetzt.

Aufgrund des fortgeschrittenen Alters ihrer Leser seien auch Nachkriegsschicksale und reale Lebensgeschichten etwa von Bauernfrauen gern genommen.

Bei Krimis werden heimische Autoren bevorzugt

„Und Krimis!“, schweift Helbig unversehen vom Gefühl ins Mordlüsterne. „Da ist gerade Marc Raabe angesagt. Andreas Franz geht immer“, sagt sie. Sie nennt weitere deutsche Autoren wie Jörg Maurer, Arno Strobel, Nele Neuhaus, aber auch skandinavische wie Arnaldur Indriðason oder Viveca Sten.

Wobei ihre Leser die deutschen Autoren bevorzugten. Vorwiegend seien auch die weiblich. „Aber ich habe durchaus auch ein paar Männer“, lacht sie.

2018 weniger Titel angeschafft

Damit die weiterhin Lesestoff haben, hat sie 650 Titel neu angeschafft. Das sind weniger als davor: 2017 hatte sie mehr Budget und die Bibliothek dementsprechend 1200 Neuschaffungen.

„Aber das ist auch nicht weiter dramatisch“, erklärt sie: Weil als Bibliothek kann man sich in der Kreisergänzungsbibliothek in Oschatz Bücher zusammenstellen lassen. Wir tauschen uns da aus.“

Sachbücher und Musik-CDs sind wenig bis kaum gefragt

Derzeit sind 11 550 Medien im Bestand der Stadtbibliothek. Neben Belletristik, auch Kinder- und Jugendbücher, Zeitschriften, DVDs und CDs. „Was nicht mehr so geht, aber das ist ein generelles Problem, sind Sachbücher. Das nimmt immer mehr ab.“

Im Zeitalter von Google und Wikipedia, mutmaßt gelernte Buchhändlerin, sei das in allen Bibliotheken so. Auch Musik-CDs seien aus der Mode und damit aus dem Sortiment genommen worden. „Bei den Kindern gehen Hörspiele sehr gut.“ Mit „Bibi Blocksberg“ und „Benjamin Blümchen“ wachsen auch weiterhin Generationen in Mügeln auf.

Von Manuel Niemann

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