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Oschatz Ulanenregiment als wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktor
Region Oschatz Ulanenregiment als wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktor
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16:50 11.08.2014
Oschatz

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Für ein reiches gesellschaftliches Leben sorgten auch eine unüberschaubare Anzahl von Vereinen und Zirkeln, damals jedoch oftmals noch getrennt nach Rang, Stand und Einkommen. Einen anderen, sehr großen gesellschaftlichen, wie auch wirtschaftlichen Faktor bildete das hier seit 1867 stationierte Ulanenregiment Nr.17, eine Kavallerieeinheit, die im Alltag als auch im Stadtbild stets präsent war. Insgesamt schien sich eine weiterhin positive Entwicklung der Stadt abzuzeichnen.

Dennoch war bereits immer wieder das Wort Kriegsgefahr durch die Presse gegeistert. Zahlreiche kleinere und größere Krisen, besonders auf dem Balkan, gaben Anlass zu Spekulationen. Diese wurden jedoch vom Großteil der Bevölkerung nicht ernst genommen.

Es war ein schöner und heißer Sommer, als am 28. Juni die Meldung vom Attentat in Sarajewo eintraf. Die Empörung legte sich jedoch bald und man ging wieder zum Alltag über. Die hiesigen Vereine feierten ihre Feste, die wohlhabende Bevölkerung verreiste, andere genossen in der Heimat das Leben in Biergärten und bei den zahlreichen kleineren Festivitäten.

In der Landwirtschaft bereitete man sich auf die Ernte vor. Noch am 26. Juli war man in der Zeitung der Meinung, dass es schlimmstenfalls zu einem Krieg zwischen Serbien und Österreich-Ungarn kommen könnte. Dann begannen sich weitere Meldungen zu überschlagen. Dennoch wurde weiterhin ein versöhnlicher Ton beibehalten, man hoffte auf einen friedlichen Ausgang der Krise, oder zumindest auf einen begrenzten Konflikt.

Überall in den Großstädten Europas gab es Kundgebungen zugunsten der einen oder anderen Partei. Nach einem verstrichenen Ultimatum kam es schließlich am 28. Juli zur Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Das gegen Deutschland gerichtete verhängnisvolle Bündnissystem begann sich in Bewegung zu setzen. Es zeichnete sich zunächst eine Konfrontation mit Russland ab. Aber selbst im national-konservativen Oschatzer Gemeinnützigen war von Kriegshetze keine Spur. Im Gegenteil. Man verwies auf die möglichen, schrecklichen Auswirkungen eines Krieges und vertrat weiterhin die Hoffnung auf eine friedliche Lösung. Doch alles Hoffen war vergebens. Am 30. Juli wurde der Kriegszustand, die Vorstufe zur Mobilmachung, verhängt. Ein Krieg schien nun unabwendbar.

Alles drängte sich an den Zeitungsredaktionen, Anschlagsäulen und am Postamt, um das Neueste zu erfahren. So herrschte am 1. August eine ernste, gespannte Stimmung. Viele Menschen sahen einer ungewissen Zukunft entgegen.

Vor allem bei Ehefrauen, jungen Frauen und Mädchen gab es große Sorgen und viele Tränen. Trennung und Abschied, vielleicht für immer, standen bevor. Die Stimmung unter den Männern war ruhig und gefasst, beinahe fatalistisch. Sie waren gewillt, "dem Ruf des Kaisers zu den Fahnen" zu folgen. Es gab umfangreiche Bekanntmachungen zur Kriegsgesetzgebung, zur Gültigkeit des Papiergelds und zur Unterstützung der Daheimgebliebenen. Auch erste Hamsterkäufe und Preissteigerungen waren zu beobachten.

In den Gastwirtschaften gab es am Abend lange Dispute, diesmal aber über alle Stammtische und gesellschaftliche Schranken hinweg. Überall wurden gemeinsam patriotische Lieder gesungen. Russland und Österreich-Ungarn begannen mit der Mobilmachung. Deutschland stellte daraufhin an Russland ein Ultimatum, diese zu stoppen. Nach dessen Ablauf begann man mit der eigenen Mobilmachung, worauf schließlich die Kriegserklärung folgte. Gleichzeitig wurde auch an Frankreich ein Ultimatum mit der Forderung, sich neutral zu verhalten, gestellt. Nachdem die gegebene Frist verstrichen war, erfolgte auch die Kriegserklärung an Frankreich. In der Öffentlichkeit, auch in Oschatz, ist am 1. August noch längst nicht alles davon bekannt. Die genaue Lage blieb weiterhin undurchsichtig. Erst am 4. August wird der Krieg mit Russland in Oschatz bekannt, am 5. August der mit Frankreich und am 6. August der mit England. Fortsetzung folgt

Markus Büttler

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