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Unter Wasser oder im Steinbruch – ausgefallen heiraten in Nordsachsen

Ungewöhnliche Orte für das Ja-Wort Unter Wasser oder im Steinbruch – ausgefallen heiraten in Nordsachsen

Heiraten kann jeder, nur der passende Ort stellt so manches Pärchen vor große Herausforderungen. Ob nostalgisch im Historischen Klassenzimmer, in einem Steinbruchsee oder rustikal in der Bockwindmühle – der Landkreis Nordsachsen bietet besondere Möglichkeiten, sich das Ja-Wort zu geben.

Bund des Lebens unter Wasser: Auch in der Tauchstation des Steinbruchsees Wildschütz können sich Paare das Ja-Wort geben.

Quelle: Melanie Steitz

Nordsachsen. Heiraten mal anders: Kirche und Standesamt kann jeder. In Nordsachsen gibt es jede Menge ausgefallene Orte für den schönsten Tag des Lebens.

Bockwindmühle Hohenroda

Spontane Sommerhochzeit im rustikalen Mühlenstübchen: In der Bockwindmühle Hohenroda, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, hat das Krostitzer Standesamt seit drei Jahren über 100 Paare vermählt. Die rustikale Detailgetreuheit des sichtbaren Mahlwerks und die Deko-Rädern an der Wand spiegeln den Charme der 1790 erbauten Öl- und Kornmühle wider, erzählt Standesbeamtin Nadine Hoch. In diesem 1000 Quadratmeter großen Kleinod habe es schon die originellsten Trauungszeremonien gegeben, so auch die Ortsvorsteherin Gisela Bamberg. Ein griechischer Bräutigam kam zum Beispiel per Moped zur Mühle. Ein Leipziger Paar heiratete in Radler-Kluft. Und einmal bekundete die Lieblingskuh eines Bräutigams ihren Gefallen an der Zeremonie von der Wiese aus.

Auch Studenten kämen gerne her, sagt Bamberg. Dieser Ort sei für Menschen geeignet, die ein besonderes Ambiente suchten, denen das Standesamt zu langweilig sei. Dabei wurde die Mühle 1958 stillgelegt und verfiel witterungsbedingt. Erst 1995 restaurierte man sie wieder. Zwei Jahre später wurde sie an ihren Standort in Hohenroda versetzt. Heute ist sie nicht nur origineller Hochzeitsort, sondern auch ein Mühlen-Ausstellungsraum.

Ein Teich mit Zierfischen und Seerosen sowie ein Schafgehege schmücken das Areal. Im Mühlenstübchen haben zwölf bis 15 Gäste Platz. Zwischen April und Oktober werden hier Sommerhochzeiten ausgerichtet – oft sogar mehrmals pro Tag. Nur ein Mal habe sich ein Paar im kalten Dezember trauen lassen. Das von Holzbrettern umgebene, rissige Mühlenzimmer musste daher mittels Ölradiator beheizt werden. Meistens nimmt die Hochzeitsgesellschaft noch am Sektempfang und Imbiss teil. In seltenen Fällen wird auch die angrenzende Hütte mit Freisitz für die anschließende Feier mit Catering genutzt.

Bockwindmühle Hohenroda : Krensitzer Straße 24a in Hohenroda, Anmeldungen unter 034295/ 75011 und 034295/ 75014 oder standesamt.krostitz@kin-sachsen.de (standesamtlich).

Schloss Hartenfels

Wie die Kurfürsten den Bund fürs Leben schließen: Schon im 17. Jahrhundert war das Schloss Hartenfels eine feine Heiratsadresse. Allein während einer neuntägigen Hochzeit 1527 beköstigte das Schlosspersonal 31.000 Gäste. Auch das Kurfürstenpaar Johann Georg I. und Magdalena Sibylla von Sachsen gaben sich in der Torgauer Schlosskapelle 1607 das Ja-Wort. Selbst als der Hof schon in Dresden residierte, kam die adelige Gesellschaft immer wieder gern zum Feiern nach Torgau zurück. Seit Mai 2016 kann hier nun erstmals auch standesamtlich geheiratet werden, teilt Anja Bauermeister, Managerin des Torgauer-Informations-Centers, mit.

Königliches Ja-Wort

Königliches Ja-Wort: Eine Hochzeit auf Schloss Hartenfels.

Quelle: Wolfgang Sens

Bis Oktober stünde den Heiratswilligen das einstige Gemach des Kurfürsten zur Verfügung. Nach der Verköstigung mit Renaissance-Schlemmereien und Spezialitäten aus der Reformationszeit, zum Beispiel Torgauer Lutherröllchen und Katharinas Apfelspeis, können Paare und ihre Hochzeitsgesellschaft den angrenzenden Rosengarten und das Areal der Schlossanlage mit seinen schönen Buchshecken, Pavillons und Wasserbecken erkunden. „Schloss Hartenfels ist auch immer der Ort, wo tolle Hochzeitfotos entstehen“, so Bauermeister. Tanz und Musik mit den Torgauer Renaissancetänzern, Orgelkonzert in der Schlosskirche, Historische Stadtführungen sowie der Besuch der dortigen „Schätze einer Fürstenehe“-Ausstellung von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden können diesen besonderen Tag auf Wunsch abrunden.

Schloss Hartenfels: Schlossstraße 27 in Torgau, Anmeldungen unter 03421/ 70 14 0 (kirchlich) und 03421/ 748 240 (standesamtlich).

Tauchstation im Steinbruchsee Wildschütz

Actionreiches Ja-Wort in imposanter Unterwasserwelt: Es mag wohl der spektakulärste Heiratsort des Landkreises zu sein: die Tauchstation im Steinbruchsee Wildschütz bei Mockrehna. Mit Pressluftgerät und Tauchanzug stach ein Liebespärchen, beide leidenschaftliche Taucher, vor fünf Jahren in den 74 Meter tiefen See mit imposanter Unterwasserlandschaft, um sich das Ja-Wort zu geben. Laut Volker Buder, Inhaber der dort ansässigen Tauschschule & Pension Buder, hätten sie ein „hochzeitsähnliches“ Frack sowie Brautkleid über den sportlichen Anzügen getragen. In neun Meter Tiefe schwammen sie zur Unterwasserstation und machten es sich im Technikraum bequem. Von dort aus verfolgten sie ihre Hochzeitsgäste vom Festland aus via Monitor.

Auge in Auge mit den Fischen

Auge in Auge mit den Fischen: Im Steinbruchsee Wildschütz heiraten Paare unter Wasser.

Quelle: Melanie Steitz

Das Paar wiederum horchte der Mockrehnaer Standesbeamtin mittels eingebauter Wechselsprechanlage zu – während Hecht, Barsch, Döbel und Schlei ihre Runden, vorbei an den Bullaugen der Station zogen. Die standesamtlichen Formalitäten habe das Paar schon zuvor auf dem Festland erledigt, erinnert sich Buder. Nur ihre Ringe tauschten sie feierlich unter Wasser aus. Danach schwammen sie wieder zu ihren Gästen und stießen mit Sektgläsern auf der Terrasse an. Derzeit ist die Tauchstation gerade nicht in Betrieb, denn sie muss repariert werden, was noch dieses Jahr andauern dürfte. Danach seien solche Hochzeiten aber wieder möglich. Der See war seit 1862 ein Steinbruch, wo Pflastersteine und Splitt abgetragen wurden. 1948 betrug diese Menge 100.000 Tonnen pro Jahr. Erst 1971 wurde der volkseigene Betrieb aufgegeben und die Produktions- und Förderanlagen wurden rückgebaut. Regen- und Grundwasser begann fortan, den Steinbruch zu füllen.

Steinbruchsee Wildschütz : Kobershainerstraße 2, Anmeldungen (voraussichtlich erst wieder 2017 möglich) unter 034244 / 574 36 (standesamtlich)

Historisches Klassenzimmer

Auf der Schulbank Ja-Sagen: Für Paare, die sich seit der Schulzeit kennen oder die beruflich beide Lehrer sind, kann es eine nostalgische Erinnerung aufleben lassen. Seit 2004 trauen Eilenburger Standesbeamten im Historischen Klassenzimmer, das sich im ersten Obergeschoss des Stadtmuseums, oberhalb des 1560 erbauten Gasthofes „Zum Roten Hirsch“, befindet. Die Standesbeamtin traut dann vom altehrwürdigen Paukerpult aus. Die Gäste sowie das Hochzeitspaar nehmen auf den Schulbänken Platz. Allein 105 standesamtliche Hochzeiten wurden hier seit Eröffnung und in der Renaissance-Stube mit seinen musikalischen Ausstellungsstücken, die sich im gleichen Gebäude befindet, gefeiert, erläutert Museumschef Andreas Flegel.

Keine Kleiderordnung

Keine Kleiderordnung: Im historischen Klassenzimmer in Eilenburg kann auch in Flip-Flops geheiratet werden.

Quelle: Wolfgang Sens

Die komplette Klassenzimmer-Möbelierung hat Flegel in den 90er-Jahren aus Schulen in Eilenburg und Umgebung zusammen gesucht. Entstanden ist ein Raum, der originalgetreu anno 1925 mit alten Zeugnissen und einem gesamten Klassensatz mit 30 Sitzplätzen ausgestattet ist. Die Hochzeitsgewänder sind im Historischen Klassenzimmer nicht unbedingt immer klassisch, denn eine strikte Kleiderordnung besteht nicht. „Oft wird auch im 20er-Jahre Outfit mit Frack, Zylinder und Tüll geheiratet“, so Flegel. Spontanhochzeiten in Flip-Flops und kurzen Hosen habe es schon im Hochsommer gegeben. Auch Motorräder brettern durch die Hirschgasse auf dem Weg zum Klassenzimmer. Dann wird standesamtlich in stattlicher Bikerkluft geheiratet.

Historisches Klassenzimmer : Torgauer Straße 40 in Eilenburg, Eingang Hirschgasse, Anmeldungen bei Viola Schwigk unter 03423 652 155 sowie bei Manuela Winter unter 03423 652 148 (standesamtlich).

Kloster Marienthal

Romantisch heiraten im Kaminraum und mit Dampflok: Heiraten und Kloster sind auf den ersten Blick nicht vereinbar. Im idyllischen Sornzig sind diese Gegensätze allerdings vereint. Seit vergangenem Spätherbst traut das Standesamt Mügeln Liebespaare im Kaminraum des Kloster Marienthals. Dieses Gelübde kann auch noch religiös bekräftigt werden, denn Pfarrerin Jutta Gildehaus aus der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Sornzig traut die Frischvermähltn noch am selben Tag vor dem Kirchaltar oder bei gutem Wetter im Freien am Altar aus Porphyrstein unter dem Blätterdach zweier Blutbuchen, wo sich früher die Klosterkirche des Zisterzienserordens befand.

Romantik am Kamin

Romantik am Kamin: Eine Trauung im Nonnenkloster der Zisterzienserinnen in Marinthal.

Quelle: Stiftung Dr. Ludolf Colditz / Bettina Schubert

Das 1241 gegründete Nonnenkloster der Zisterzienserinnen wurde nach der Wende denkmalgerecht, in den hellen Farben der Zisterzienserinnen saniert. Die hohen Rundbogen des Kaminraums sind nun beispielsweise von grün-weiße Blattornamente geschmückt, erklärt Bettina Schubert, die Ratsvorsitzende der Stiftung Dr. Ludolf Colditz Kloster Marienthal. Die Gäste und Frischvermählten können mitten in der Natur zur Ruhe kommen, weil sie ohne nerviges Hin- und Herfahren alles an einem Ort feiern können; auch Übernachtungsmöglichkeiten und Parkplätze sind geboten.

Der Polterabend kann ebenfalls in der Klosterscheune veranstaltet werden. Vielleicht beginnt die gemeinsame Zukunft dann mit dem Wilden Robert, einer Dampflok, die seit 1885 bis heute von Oschatz nach Mügeln pendelt. Zwar richtet sich die Schmalspurbahn dabei nach einem Sonderfahrplan, aber laut Döllnitzbahn-Sprecherin Denise Zwicker kann ein Wagen für 30 Gäste immer unabhängig davon gebucht werden. Oft lassen sich Paare dort einfach nur vor der Lok gegen eine kleine Förderverein-Spende ablichten. Den Zug dürfte nach eigenem Gutdünken dekoriert werden.

Kloster Marienthal: Klosterstraße 16 in Mügeln, Anmeldungen bei Frau Günsel im Kirchenbüro Sornzig unter 034362/ 32616 (kirchlich) sowie bei Frau Neiß unter 0174/ 345 0 484 oder info@klostersornzig.de (standesamtlich); 034362 / 32343 (Wilder Robert).

Mehr Ja-Worte als Scheidungen in Nordsachsen

Die Scheidungsrate im Landkreis Nordsachsen ist wie im gesamten Freistaat in den vergangenen Jahren leicht rückläufig. In Sachsen wurden 2014 von 25 zuständigen Familiengerichten 6928 Ehen geschieden, in Nordsachsen waren es 346 von den Familiengerichten aus Eilenburg und Torgau.

Ein Jahr zuvor waren es noch 7272 und 379 Paare, teilt das Statistische Landesamt in Kamenz mit. Die Zahlen für 2015 liegen den Datensammlern allerdings erst im März vor. Noch muss gezählt und erfasst werden.

Den 346 Paaren mit klarem Nein zueinander standen 2014 aber 1005 Paare gegenüber, die sich in Nordsachsen das Ja-Wort gaben. Zwei Jahre zuvor waren es noch 409 Paare, deren Ehen vor dem Richter endeten, 2010 allerdings nur 269.

Von den Scheidungen sind immer auch die Kinder betroffen: 2014 waren es 280, vier Jahre zuvor nur 174. In beiden Fällen scheint nicht der alles verändernde Nachwuchs Grund für den Ehezwist zu sein: Mehr als 150 Paare hatte in beiden Fällen keine Kinder. Zehn und sechs Paare besaßen 2014 und 2010 drei Kinder.

Von Melanie Steitz

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