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Oschatz Uralt mit Glück und Verstand
Region Oschatz Uralt mit Glück und Verstand
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16:24 25.09.2014
Johanna Klink an ihrem 111. Geburtstag am 17. Januar 2014. Quelle: Dirk Hunger

Mit 111 Jahren ist Johanna Klink aus Oschatz die älteste Frau Deutschlands (wir berichteten). Viele OAZ-Leser fragen sich nun: Wie schafft man es, so alt zu werden?

Für Oberbürgermeister Andreas Kretschmar liegt die Antwort auf der Hand: "Zum einen sind die Oschatzer fleißige, liebevolle und bescheidene Menschen. Und zum anderen leben sie in einer historischen, kleinen Stadt mit viel Grün, die von Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten bis hin zu Arbeitsstellen alles bietet", sagt der 50-Jährige. Seine Schlussfolgerung: "Ich kann jungen Leuten nur empfehlen, nach Oschatz zu ziehen. Hier können sie alt werden."

Tatsächlich scheint die Döllnitzstadt außergewöhnlich gute Bedingungen dafür zu bieten, 100 Jahre und älter zu werden. Johanna Klink ist mit ihren 111 Jahren nur die Spitze des Eisberges. Anfang dieses Jahres hatte Oschatz acht Einwohner, die schon einen dreistelligen Geburtstag hinter sich hatten. Prozentual ist deren Anteil an der Bevölkerung in Oschatz mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Ute Zieger gehört zum engen Bekanntenkreis von Johanna Klink. Die Oschatzerin kümmert sich seit Jahren um die Seniorin. "Es sind vor allem die Gene, das liegt in der Familie", vermutet die 63-Jährige die Hauptursache für das hohe Alter von Johanna Klink. Glück mit den Genen zu haben, ist aber nur die halbe Miete. Für den Rest ist der Verstand verantwortlich. "Hannchen hat sich immer gesund ernährt, viel Knoblauch gegessen."

Eine Rolle könnte auch spielen, dass Johanna Klink nie erwerbstätig war. "Sie hatte immer die Ruhe weg, stressig war das nie gewesen", sagt ihre Bekannte Barbara Bohmann (66). Und es gibt noch einen weiteren Aspekt: Die Katholikin Johanna Klink ist sehr gläubig, davon zeugt das Kreuz auf ihrem Nachttisch. Das Gottvertrauen hat ihr in schwierigen Momenten geholfen und gibt ihr auch heute noch Kraft. Die braucht sie auch. Denn mit 111 ist das Leben kein Zuckerschlecken mehr. "Die Schwerhörigkeit macht ihr zu schaffen, die Geschmacksnerven sind fast weg. Und Hannchen leidet darunter, dass sie nicht mehr so selbstständig wie früher ist", weiß Ute Zieger.

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der uralten Menschen sowohl sachsen- als auch deutschlandweit zugenommen. Ein Indiz dafür sind die Gratulationsschreiben, die sowohl Sachsens Ministerpräsident als auch der Bundespräsident an Menschen mit dreistelligen Geburtstagen verschickt. Laut Andrea Valendiek von der Sächsischen Staatskanzlei schickte Ministerpräsident Stanislaw Tillich im Jahr 2008 an insgesamt 295 100-jährige Sachsen eine Glückwunschkarte, im Zeitraum von Juli 2013 bis September 2014 musste er bereits 370 Gratulationsschreiben versenden.

Und Bundespräsident Joachim Gauck schickte im Vorjahr 6972 Glückwünsche an Altersjubilare ab 100 Jahre in ganz Deutschland. "Im Jahr 2014 wurde bisher 5449 Altersjubilaren gratuliert", weiß Bianca Nahm vom Bundesverwaltungsamt.

Tobias Vogt vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock beschäftigt sich mit der Frage, warum sich die Lebenserwartung gerade im Osten in den vergangenen Jahren rasant verbessert hat. Wahrscheinlich sei sie vor allem eine Folge der insgesamt seit der Wende besseren medizinischen Versorgung und des verbesserten Lebensstandards. Andere gesundheitsrelevante Faktoren wie Rückgang der Umweltverschmutzung oder Veränderung im Lebenswandel dürften weniger eine Rolle spielen, glaubt Vogt. Denn die Lebenserwartung habe in verschmutzen Regionen genau so bald und rasant anzusteigen begonnen wie in sauberen Gebieten. Und Verhaltensänderungen in Ostdeutschland wie etwa Zigarettenkonsum würden sich erst langfristig auswirken.

"Die Aufholjagd der Ostdeutschen bei der Lebenserwartung begann aber quasi gleich nach dem Fall der Mauer", sagt Tobias Vogt. "Der Zugewinn an Lebenszeit ist damit eine der größten, wenn auch oft übersehenen Errungenschaften der deutschen Einheit."

Frank Hörügel

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