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Oschatz Verbotene Rohstoffjagd auf Kupfer
Region Oschatz Verbotene Rohstoffjagd auf Kupfer
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16:51 18.07.2012

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Von Hagen Rösner

So mancher Oschatzer Hausbesitzer mag sich inzwischen verflucht haben, dass er sich Anfang der 90er Jahre entschloss, seine Dachrinne und das Fallrohr in Kupferausführung anbringen zu lassen. Er ist schon jetzt ein potenzielles Kriminalitätsopfer.

In den vergangenen zehn Jahren sind die Kupferdiebstähle in der Oschatzer Region extrem gestiegen. Schuld daran ist der gestiegene Weltmarktpreis für Kupfer. Der sorgt nämlich auch für höhere Preise bei den Schrotthändlern.

Neben vielen Gelegenheitsdieben sind auch professionelle Gruppen nachts auf den Straßen der Städte unterwegs. Die Polizei hat inzwischen herausgefunden, wie die arbeiten. "Erst späht eine Gruppe die Fallrohre in der Stadt aus. Diese löst dann die Rohrschellen bis auf wenige Drehungen und verschwindet. Nach einigen Tagen folgt eine andere Gruppe, die mit nur wenigen Handgriffen in wenigen Sekunden die Rohre demontiert und verschwinden lässt", sagt ein Beamter der Westsächsischen Kriminalpolizei.

Die Polizei empfiehlt aus diesem Grund Hausbesitzern oder Kirchgemeinden, regelmäßig die Fallrohre zur kontrollieren oder möglicherweise eine stabilere Form der Befestigung zu finden.

Auch der regionale Abfallentsorger Ato hat mit Kupferdieben zu kämpfen. Die sammeln bei den Sperrmüllaktionen regelmäßig vor den Fahrzeugen des Entsorgungsunternehmens die Kupferkabel ein. Ato-Geschäftsführer Martin Klemm bat deshalb, Elektrogeräte direkt beim Wertstoffhof an der Umladestation Rechau abzugeben.

Inzwischen haben auch die Schrotthändler erkannt, dass die dunklen Geschäfte mit dem wertvollen Schrott ihrer Branche schaden und sich auf ein System verständigt. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Metallhändler Ralf Schmitz spricht von einem Warnsystem, bei dem Händler im Zweifelsfall die Polizei alarmieren. Markante Schrottobjekte, wie beispielsweise das "Zeichnende Mädchen" aus Oschatz, hätten bei Schrotthändlern gar keine Verkaufschancen und würden zwangsläufig bei der Polizei landen.

Trotzdem werden nur wenige Fälle von Kupferdiebstählen aufgeklärt. In diesem Jahr jedoch konnte ein Fall von Diebstählen aus der Mügelner Region nicht nur bearbeitet, sondern auch vor dem Richter am Amtsgericht in Oschatz verhandelt werden. Zwei junge Männer erhielten Freiheitsstrafen. Sie hatten unter anderem mit Kupferklau ihre Drogensucht finanziert.

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Kommentar

Im Januar 2002 verschwindet vom Außenbereich des damaligen Pestalozzi-Gymnasiums eine Bronzefigur. Das Kunstwerk trug den Namen "Zeichnendes Mädchen" und wurde von der Leipziger Künstlerin Elfriede Ducke im Jahr 1965 geschaffen. Die rund 100 Kilogramm schwere Figur tauchte bisher nicht wieder auf.

Im Juli 2007 werden von der Dachverkleidung des Barockschlosses Hubertusburg in Wermsdorf Kupferbleche und Schneefanggitter aus Kupfer gestohlen. Der Schaden belief sich damals auf rund 3000 Euro.

Ebenfalls im Juli 2007 wird Edelstahl im Wert von 10 000 Euro aus dem Kaolinwerk in Kemmlitz gestohlen. Es handelt sich um wichtige Werkzeugteile.

Im Januar 2008 beklagt sich der Oschatzer Heizungsbauer Jörg Weichold über zunehmenden Kupferdiebstahl. Sein Unternehmen wurde zweimal von Unbekannten heimgesucht. Dabei verschwanden Kupferrohre im Wert von rund 50 000 Euro.

Im März 2008 verschwindet eine schwere Kupfergrabplatte vom Mügelner Friedhof. Dies ist nicht der erste Diebstahl dieser Art auf dem Friedhof, auch kupferne Schriftzeichen von Grabsteinen werden gestohlen. Kurze Zeit später verschwindet auch die Kupfergedenkplatte vom Mügelner Stadtbrunnen.

Die Weihnachtsfeiertage 2010 nutzen Unbekannte, um die Kupferrohre der Kirche von Altoschatz zu stehlen.

Höhepunkt im April 2011: Unbekannte versuchen, die kupfernen Gasrohre aus einem Haus am Miltitzplatz zu stehlen. Das Gas war allerdings nicht abgestellt. Die Oschatzer Feuerwehr kann eine Explosion verhindern.

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