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Oschatz Verein schließt letzte Fenster im Schloss Dahlen
Region Oschatz Verein schließt letzte Fenster im Schloss Dahlen
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06:00 14.04.2016
Karl Berger begutachtet die eingesetzten Fensterflügel. Zum Teil sind das alte, gesicherte Stücke, andere wurden nach historischem Vorbild neu gebaut. Quelle: Foto: Dirk Hunger
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Dahlen

Die zugigen Zeiten sind bald vorbei: „Bis auf sieben Fenster haben wir mittlerweile überall wieder Scheiben drin“, freut sich Karl Berger. Der Vorsitzende des Dahlener Schloss- und Parkvereins ist stolz auf das, was die Vereinsmitglieder und Helfer schaffen. So klaffen in den Fensteröffnungen des einstigen Schlosses, das jahrzehntelang als Ruine in der Heidestadt stand, längst nicht mehr nur leere Löcher. Tatsächlich sind gerade wieder Fensterflügel eingesetzt worden. Gebaut wurden diese von einem Vereinsmitglied. „Unser Tischlermeister hat goldene Hände und ist dazu ganz bescheiden – er bleibt lieber im Hintergrund und überlässt anderen die Arbeit in der Öffentlichkeit“, erklärt Berger. Immerhin, seine Arbeit spreche für sich: Einfach verglaste, kleinteilige Sprossenfenster wurden eingesetzt. „Das ist sehr nah am historischen Vorbild, wir stimmen uns dabei auch mit dem Amt für Denkmalpflege ab“, versichert Karl Berger.

Im Jägersaal Türen eingebaut

Im zuletzt hinzugekommenen Raum, dem Jägersaal auf der Südseite, sind zudem Türen eingebaut worden. Auch der große Saal soll eine zweite Tür bekommen – praktisch, wenn darin Veranstaltungen mit 200 Gästen stattfinden. „Gebaut wird so etwas meist aus altem Material in unserer kleinen Werkstatt, für hochwertige Sachen fehlt uns das Geld“, macht Vereinsvorsitzender Berger deutlich. So oft es gehe, arbeite man Altes auf. So wie die Ziergitter, die einst vor den Fenstern des Kaisersaals angebracht waren. Auf alten Fotos sind die schmiedeeisernen Arbeiten gut erkennbar und nach dem Brand 1973 gesichert worden. Damals seien die Gitter ausgelagert worden. „Die sind heute im Depot des Leipziger Grassi-Museums. Die Stadt Dahlen hat bereits Gespräche geführt, damit diese Ziergitter wieder zurück ins Schloss kommen“, sagt Berger, „damit geben wir dem Gebäude wieder ein Stück des ursprünglichen Aussehens zurück.“

Gelernter Steinsetzer pflastert Zufahrt am Eingangstor

Es braucht Kontakte, glückliche Zufälle und begabte Helfer, damit das Dahlener Schloss Stück für Stück wieder hergerichtet werden kann. Ein Beispiel dafür ist Gerhard Wellner, heute Rentner, aber gelernter Steinsetzer, der gerade das Pflaster in der Zufahrt am Eingangstor erneuert. Ein anderes Beispiel ist ein Torgauer, der sich kürzlich an den Schlossverein wandte, weil unter den Erbstücken seiner Tante Alben mit Fotos des einstigen Herrensitzes aufgetaucht sind. „Wie sich herausstellte, handelte es sich bei der Tante um Margarethe Schmidt, die ganz früher als Gesellschafterin im Schloss lebte und als ,Gretel’ auch im Buch ,Von Deutschland nach Deutschland’ erwähnt ist, das die letzte Schlossherrin Marianne Hamm von Sahr geschrieben hat“, fand Berger heraus. Der Neffe habe dem Verein jedenfalls verschiedene Fotografien aus dem Erbe überlassen, und neben bereits bekannten Motiven sei auch eine Aufnahme eines Gesellschaftsraumes im Schloss darunter. „Zu sehen sind ein verzierter Kachelofen in der Zimmerecke, ein Flügel, verschiedene Möbel und Zierrat“, beschreibt Karl Berger. Gut sichtbar auf der Schwarz-Weiß-Aufnahme ist auch ein Gemälde an der Wand, das Christoph von Schönfeld zeigt. „Das hat auf jeden Fall im Schloss gehangen, davon haben wir heute noch eine Nachbildung in unserer Ausstellung. Welcher Raum auf dem Foto ist, konnten wir bisher aber noch nicht herausfinden“, räumt der Vereinsvorsitzende ein.

Von Jana Brechlin

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