Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Verein und Hotelverband für Dahlener Heide aufgelöst
Region Oschatz Verein und Hotelverband für Dahlener Heide aufgelöst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 22.04.2016
Eigene Auftritte der Tourismusanbieter aus Dahlener Heide und Wermsdorfer Wald – wie hier zur Leipziger Tourismusmesse – sind in der aktuellen Struktur der Vermarktung der Region nicht vorgesehen. Quelle: Foto: Günther Hunger
Anzeige
Dahlener Heide

Sanfter Tourismus war eines der ursprünglichen Ziele des Heidevereines. Dazu gehörte, die Wiederbelebung des Schießplatzes Puschwitz bei Belgern zu verhindern, was geglückt ist. Ebenso konnte der befürchtete Bau überdimensionierter neuer Ferienanlagen mitten im Wald abgewendet werden Gescheitert ist hingegen eine Neuausrichtung mit stärkerem Engagement der Hotellerie und Touristiker der Region. „Das lag vor allem am Desinteresse der Akteure in unserer Branche“, schätzt Jürgen Pelzer, langjähriger Vorsitzender des Vereines und Chef der Waldschänke Reudnitz ein. Ende des vergangenen Jahres wurde der Heimatverein aufgelöst.

„Die Bänke, Schutzhütten und Ausschilderungen der Wanderwege in Ordnung zu halten, gehörte nicht zu den satzungsmäßigen Aufgaben des Vereines“, betont Jürgen Pelzer. Trotzdem sei man gelegentlich für die zuständigen Kommunen eingesprungen – im Interesse eines attraktiven Erholungsgebietes. Ein Verein habe andere Mittel, Spenden einzuwerben und Fördermittel zu beantragen als eine Kommune. Nun seien wieder die Städte und Gemeinde gefragt und allein in der Pflicht.

Ansprechpartner in Region fehlt

„Das Interesse an einer touristischen Tätigkeit im Heideverein ist in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen, ebenso im Verein Heide-Hotels Dahlener Heide“, unterstreicht Jürgen Pelzer. Einerseits habe es an aktiven Mitgliedern andererseits am öffentlichen Interesse gemangelt. Keinen Mängel gäbe es an wichtigen Betätigungsfeldern. So habe der Hotelverein eine Übersichtskarte mit Radrundtouren durch die Heide herausgegeben. „Radwege, die die Heide durchqueren, bringen uns kaum zusätzliche Gäste“; betont Pelzer. Aber eine Strecke, die alle Hotels anschließt und die Besucher zu den Sehenswürdigkeiten führt, helfe allen touristischen Dienstleistern vor Ort. Solche gemeinsamen Aktivitäten gehören nach Ansicht des Reudnitzer Hoteliers mit dem Ende der beiden Vereine der Vergangenheit an. Nachdem die Gebietsgemeinschaft Dahlener Heide 2013 im Tourismuszweckverband Sächsisches Burgen- und Heideland aufgegangen ist, der seit knapp drei Jahren von der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM) geführt und vermarktet wird, fehle ein regionaler Ansprechpartner und Dienstleister. „Wir können es uns gar nicht leisten, von der LTM auf Messen vertreten zu werden“, erklärt Jürgen Pelzer. Das habe anders ausgesehen, als es noch die Gebietsgemeinschaft gab.

Kaum Fachpersonal für Gastgeber

„Wir können uns über die Gästezahlen in Reudnitz nicht beklagen. Das ist ein Ergebnis jahrelanger intensiver Bemühungen, auch außerhalb der Gebiete, aus denen bisher unsere Stammkundschaft kam“, stellt der Hotelier klar. Aber man müsse sich schon Gedanken um das Morgen und Übermorgen machen. Jüngere Leipziger, die nicht schon lange mit der Dahlener Heide verbunden seien, hätten rund um ihre Stadt viele neue Möglichkeiten, die dort in den letzten Jahren entstanden seien. Strukturen, in denen man sich miteinander abstimmen oder Kooperationen planen könne, gäbe es in der Dahlener Heide nicht mehr. „Ich schaue da neidvoll in die Dübener Heide“, unterstreicht Jürgen Pelzer.

„Die Anzahl der touristischen Angebote ist in der Dahlener Heide in den letzten Jahren gesunken“, bestätigt Claudia Großert, Inhaberin des Schmannewitzer Ferienhotels „Wiesenhof“. Die verbliebenen Akteure seien miteinander im Kontakt, aber es werde immer schwerer, die Dahlener Heide als Urlaubsregion zu verkaufen. „Noch mehr Sorgen bereitet mir, wie schwierig es ist, Fachpersonal für unsere Branche zu finden“, sagt sie. Das erschwere bestehenden Betrieben das Leben und mache neue Angebote so gut wie unmöglich.

Kommunen haben keine Mittel

„Es ist traurig, dass es die beiden Vereine, die den Tourismus in der Dahlener Heide unterstützt haben, nicht mehr gibt“, kommentiert die Cavertitzer Bürgermeisterin Christiane Gürth die Entwicklung. Die Kommune habe keine eigene Haushaltsstelle für die Reparatur und Anschaffung von Bänken, Wegweisern, Schutzhütten oder anderer touristischer Infrastruktur. Reparaturen erledige der Bauhof im Rahmen seiner Aufgaben, Neuanschaffungen gäbe die angespannte Haushaltslage der Gemeinde nicht her. Gemeinde und LTM sind ihrer Ansicht nach keine „Vollkasko-Dienstleister“ für die Tourismusbranche. Ihr Eindruck sei jedoch, dass die Leipziger Firma die Region gut vertritt. „Wir arbeiten der LTM Veranstaltungstipps zu, wenn Vereine und andere Anbieter auf uns zukommen“, erläutert die Bürgermeisterin. Außerdem hätten diese Akteure selbst die Möglichkeit, dort aktuelle Angebote einzupflegen. Zuletzt habe man der LTM Wanderwege samt Sehenswürdigkeiten und Gaststätten in der Region zugearbeitet.

Von Axel Kaminski

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Oschatzer Feuerwehr löscht nicht nur Brände. Sie wird auch gerufen, wenn der Notarzt vor einer Wohnungstür steht und Personen die Tür nicht öffnen können, weil sie dazu nicht oder nicht mehr in der Lage sind. Dann leisten die Kameraden Amtshilfe und öffnen Tür – auch gewaltsam, denn die Rettung von Menschenleben hat Priorität.

22.04.2016

Das Oschatzer Garten-Center Müller wird am kommenden Sonnabend und Sonntag beim Tag der offenen Gärtnerei dabei sein. In den vergangenen Tagen wurden hunderte Pflanzen aus ihren Winterstandorten geholt, um sie jetzt präsentieren zu können. Im Angebot ist auch die Blume des Jahres: die blaue Koboldblume – eine Kübel- und Balkonpflanze.

21.04.2016

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden tausende Schlesier in Sachsen heimisch. Doch im Gegensatz zu ihren westlichen Landsmänner war die Traditionspflege in der DDR verpönt. Erst nach der Wende durfte sich in Mügeln die Heimatgruppe Liegnitz-Lüben gründen. Jetzt schauen die verbliebenen 55 Mitglieder der Heimatgruppe auf das 20-jährige Bestehen zurück.

20.04.2016
Anzeige