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Oschatz Verrückte Welt: Kirche wird zur Bühne
Region Oschatz Verrückte Welt: Kirche wird zur Bühne
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06:00 04.12.2018
Eine Märchenaufführungen aus den vergangenen Jahren. Quelle: Dirk Hunger
Mahlis

Wenn Märchenbücher verliehen werden, Nähmaschinen rattern, Gerüste aufgebaut und Kulissen bemalt werden, ist in Mahlis Theaterzeit. In einem echten Kraftakt bringt eine Gruppe von Einwohnern jedes Jahr ein Märchen auf die Bühne, das modern abgewandelt und kräftig mit Lokalkolorit eingefärbt ist. Am Wochenende ist es wieder so weit. Was alles dahinter steckt, darüber spricht Sibylle Melzer, in deren Händen die Regie liegt.

Proben zum Märchen in Mahlis unter der Leitung von Sibylle Melzer. Quelle: Jana Brechlin

Weihnachten ist schon in Sichtweite, aber wann beginnt in Mahlis die Märchenzeit?

Schon einige Monate zuvor. Wir haben bereits im August die Entscheidung getroffen, welches Märchen wir dieses Jahr aufführen werden. Im September läuft dann alles an, die Organisation nimmt Fahrt auf und unsere WhatsApp-Gruppe wird lebendig.

Die wievielte Auflage wird aktuell vorbereitet?

Das ist das mittlerweile 16. Märchen. Ursprünglich hat alles damit angefangen, dass einige Eltern ein Weihnachtsmärchen für ihren Nachwuchs in der Kita aufführen wollten. Mittlerweile spielen die Kinder selbst schon mit. Nach den ersten Märchen im Kindergarten ist die Aufführung in den Saal des Gasthofes gewechselt, und jetzt sind wir seit einigen Jahren schon in der Kirche.

Die Mahliser Märchen sind bekannt für ihre aufwendigen Kulissen und ausgefallenen Kostüme. Setzen Sie dieses Jahr noch eine Schippe drauf?

Absolut, das ist immer unser Ziel. Zum Beispiel waren die Dreharbeiten für die Einspielfilme noch aufwendiger als sonst und es gibt auch einen unserer witzigen Werbeblocks mehr. Wir haben die Bühne erweitert und werden da richtig Action veranstalten. Eine echte Erleichterung ist, dass ich dieses Jahr bei der Organisation von Cornelia Seifert unterstützt werde. Sie wird selber nicht mehr auf der Bühne stehen und macht dafür hinter den Kulissen mit.

Schon während der Proben ist die Kirche oft kaum wieder zu erkennen.

Das stimmt, und wir sind froh, dass uns die Kirchgemeinde hier so viel Freiheiten lässt. Natürlich sehen wir uns auch vor und legen zum Beispiel vor dem Aufbau den gesamten Altarraum mit Stoffen aus, um den Sandstein zu schonen. Dieses Jahr wird Pfarrer Rico Riese sogar einen Auftritt in einem Film haben, der während des Märchens gezeigt wird. Und wir geben natürlich auch etwas zurück und spenden für die Kirche.

Wie ist dieser ganze Aufwand zu bewältigen?

Wir sind eine feste Gruppe, die gut eingespielt ist. Außerdem sind rund 30 Helfer, liebe Feen und gute Geister beteiligt, und manchmal gibt es auch einen edlen Spender. Wer unsere Arbeit unterstützt, fördert das Theater in Mahlis und sorgt dafür, dass die Tradition auch im nächsten Jahr weiterlebt. Dieses Mal haben wir sogar von der Envia Unterstützung erhalten. Durch die zurückliegenden Jahre haben sich Talente entwickelt und man weiß genau, wer was gut kann. Lars Hoschkara kümmert sich zum Beispiel um Schnitt und Musik unserer Einspieler-Filme, und Jens Geißler ist unser Bühnenbauer.

Sind Märchen überhaupt noch zeitgemäß oder ist das Genre nicht schon etwas angestaubt?

Ich finde, Märchen erleben gerade wieder einen Trend. Außerdem sorgen wir mit unseren Bearbeitungen dafür, dass die Märchen zeitgemäß auf die Bühne kommen – alle Stücke werden mahliserisch eingefärbt. Man muss sich das so vorstellen: Wir nehmen einen alten Bettvorleger und machen einen schönen, seidigen Teppich daraus, den wir den Besuchern dann ausrollen.

Welches Märchen dieses Jahr aufgeführt wird, bleibt wie immer bis sich der Vorhang hebt, ein Geheimnis. Können Sie trotzdem schon etwas verraten?

Wir schaffen dieses Jahr eine ganz verrückte Welt. Es wird turbulent und extrem farbig. Wer mehr wissen will, muss unbedingt kommen.

Das Mahliser Weihnachtsmärchen wird am Freitag, dem 7. Dezember, 20 Uhr, am Sonnabend, dem 8. Dezember, 17 und 20 Uhr sowie am Sonntag, dem 9. Dezember, 17 Uhr öffentlich in der Kirche aufgeführt. Die Kirche ist jeweils eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn geöffnet. Der Eintritt ist frei, die Theaterarbeit kann jedoch gern mit einer Spende unterstützt werden.

Von Jana Brechlin

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