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Oschatz Vier senkrecht - drei waagerecht
Region Oschatz Vier senkrecht - drei waagerecht
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15:28 09.11.2012

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Zur Zeitungslektüre gehört für viele, das Kreuzworträtsel in der OAZ zu lösen. Die von Wolfgang Fischer liegen bei den Rätselfreunden hoch im Kurs. An einigen Frühstückstischen wird mitunter heftig diskutiert, wer das Rätsel lösen darf: Sie oder er? Einmal im Monat hat "Fischis Rätselspaß" seinen Platz in der Oschatzer Allgemeinen.

Regionalisierte Kreuzworträtsel

Der 64-Jährige hat einen Komplizen. Turbo Pascal heißt der und ist ein kompliziertes Kerlchen. Braucht Unmengen an Futter und macht nichts, ohne dass man ihm sagt, was zu tun ist. Das von Wolfgang Fischer geschriebene Computerprogramm erstellt die Kreuzworträtsel nach Begrifflichkeiten, die Fischer in jahrelanger Arbeit selbst eingetippt hat. Zig Tausend Wörter füllen die Datenbanken. Alphabetisch sortiert nach Länge, Charakteristik und Regionen. "Möchte ich ein Kreuzworträtsel, das Begriffe aus der Landwirtschaft und markanten Namen aus der Region Oschatz enthält, kann ich das steuern", gerät der studierte Physiker ins Schwärmen. Wenn er vor seinem Laptop sitzt, der die besten Zeiten lange hinter sich hat ("mein Programm läuft nur auf einem 32-bit-Betriebssystem") kommt Leben ins Gesicht des Akademikers. Dann hantiert er zwischen Datenbanken und Skizzen, als gebe es keinen Abend mehr. "Es macht mir einfach Spaß, Lösungen für mathematische Probleme zu finden. Wenn ich ein Rätsel fertig habe, bin ich zufrieden." Mehrere Stunden in der Woche sitzt er daran, Begriffe wie "Mildenstein", "Zschopau" oder den Namen der 1615 letzten verbrannten Leisniger Hexe, "Meline" in waage- oder senkrechte Kombinationen zu pressen.

Am Anfang war nur die Begeisterung für das Rätsel selbst. "Ich habe nach meiner Arbeit gern in Zeitungen geblättert und Rätsel gelöst." Als EDV-Projektant in der Produktionssteuerung beim Harthaer Elektromotorenwerk und nach der Wende bei den Textilwerken in seiner Heimatstadt hat Wolfgang Fischer betriebliche Programme geschrieben. Die Kombination aus Hobby und Beruf ließ den Harthaer in eine Marktnische rutschen. "Regionalisierte Kreuzworträtsel waren vor zehn, fünfzehn Jahren wirklich gefragt. Die Verlage oder Konzerne wollten ihren Lesern und Kunden etwas Außergewöhnliches bieten. Thematische Rätsel gab es noch nicht", erzählt der Vater einer Tochter und stolzer Opa etwas wehmütig. "Heute wird überall gespart. Dabei rätseln die Leute immer noch gern. Und ich werde oft darauf angesprochen. Wenn das Rätsel zu schwer war oder wenn jemand einen Begriff nicht kannte. Dann wurmt das die Leute. Mich freut es, weil ich ja auch keine Rätsel aufgeben möchte, die nicht auch ein klein bisschen kompliziert sind", erzählt der Programmierer. Ohne seinen Meister wäre Turbo Pascal nichts. Was andersrum gleichermaßen gilt. "Ich bin der Chef. Er muss nach meinen Vorstellungen arbeiten. Manchmal bin ich mit seinen Vorschlägen nicht zufrieden, dann muss ich selbst Hand anlegen." Die Hierarchien sind klar verteilt. Und so wie andere Leute Briefmarken sammeln, hortete Wolfgang Fischer jahrelang Begriffe. Baute sich eine unendlich lange Datenbank auf, aus denen sich Turbo Pascal bedient.

Wer Kreuzworträtsel entwirft, muss zwangsläufig auch besser im Lösen sein. Stimmt. "Dadurch, dass ich viel mit Nachschlagewerken arbeite und beim Programmieren immer wieder die rätseltypischen Begriffe vor Augen habe, bin ich recht flott, wenn ich mal wieder selbst eins ausfülle." Zum Gewinnen gehört dann aber doch auch das Glück. Und das hat Wolfgang Fischer offenbar nicht. "Ich habe schon an so vielen Preisrätseln teilgenommen. Gewonnen habe ich noch nie etwas. Irgendwann habe ich es dann aufgegeben." Fischer ist ein bescheidener Mensch. Der Spaß an der Freude sei ihm wichtiger bei der Rätselei, als irgendwo mal einen Jackpot zu knacken.

"Man muss ein bisschen verrückt sein"

Weswegen er mit wehleidigem Blick auf seinen in die Tage gekommenen Rechner schaut und ins Grübeln gerät. "Irgendwann ist mal Schluss. Dann macht der Kopf nicht mehr mit." Was dann aus Turbo Pascal wird, weiß der 64-Jährige auch nicht. "Ich habe ja immer noch die Hoffnung, dass sich meine Tochter Katja für die Sache begeistern kann. Aber man muss dafür wohl auch ein bisschen verrückt sein." Solange es geht, will er weiter Rätsel aufgeben. Und irgendwann taucht sein Name vielleicht selbst mal als Lösungswort auf: Vier senkrecht - "sächsischer Physiker mit Hang zum Rätselhaften" mit sieben Buchstaben.

Thomas Lieb

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