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Oschatz Vierbeiner-Attacke in Oschatz: Hundebesitzer gehen straffrei aus
Region Oschatz Vierbeiner-Attacke in Oschatz: Hundebesitzer gehen straffrei aus
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Zähne gefletscht: Ein Oschatzer muss mit den Folgen einer Hunde-Attacke kämpfen. (Symbolfoto) Quelle: dpa
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Noch heute, fast fünf Monate nach der Hunde-Attacke im O-Park, laboriert der Oschatzer Pierre Runge an denen durch die Bisse verursachten Verletzungen und muss auch regelmäßig einen Arzt aufsuchen. Trotzdem wurde das strafrechtliche Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung von der Anklagebehörde eingestellt. Begründet wurde das in einem einseitigem Brief: "Im Ergebnis der durchgeführten Ermittlungen ist das Verfahren einzustellen, weil ein hinreichender Tatverdacht nicht begründet werden kann." Der Führer eines Hundes sei zwar grundsätzlich verpflichtet, diesen so zu überwachen, dass Verletzungen und Schädigungen Dritter verhindert werden, denn ein Hund stelle eine Gefahrenquelle dar, da er in seinem Verhalten nicht vernunftgesteuert und im Allgemeinen unberechenbar sei.

Wichtig sei auch, um welche Hunde-Rasse es sich handelt, das Alter und insbesondere seine bisherige Führung, ob er sich als gutartig erwiesen oder bereits durch erhöhte Aggressionsbereitschaft oder Bösartigkeit aufgefallen sei. Wesentlich sei außerdem, ob der Hund folgsam ist, sich leiten lässt, und wie er gewöhnlich reagiert, wenn er mit Menschen oder anderen Hunden in Berührung kommt. "Erst eine Einbeziehung all dieser Gesichtspunkte ermöglicht eine zutreffende Beurteilung der Frage, ob dem Beschuldigten fahrlässiges Verhalten, nämlich Pflichtwidrigkeit und Vorhersehbarkeit der Tatbestandsverwirklichung vorzuwerfen ist", heißt es in der Begründung.

Zur Entscheidungsfindung muss einbezogen werden, ob der Hund bereits vor dem fraglichen Vorfall jemanden angefallen oder gebissen hat oder ob er sonst als aggressiv bekannt war. Im Ergebnis der Ermittlungen müsse das verneint werden, so die Staatsanwaltschaft. Der Vierbeiner ist vor diesem 7. Juli 2015 noch nicht negativ aufgefallen. Es müsse also davon ausgegangen werden, "dass es sich um ein erstmaliges negatives Verhalten des Hundes gehandelt hat". Der Beschuldigte habe den Vorfall weder vorher sehen noch vermeiden können.

Ob der Hund davor schon auffällig war, ist dem Oschatzer Pierre Runge völlig wurscht. Fakt sei, "dass Hunde im O-Park an der Leine zu führen sind. Darauf weisen Schilder hin".

Runges Anwältin Carola Große erklärte auf Anfrage, dass der Fall mit dieser Entscheidung nicht vorbei ist. Die zivilrechtliche "Schiene" werde weiter verfolgt. "Ich habe Akteneinsicht in die polizeiliche Ermittlungen beantragt. Dann werden wir weiter sehen", die Juristin zuversichtlich.

Von Gabi Liebegall

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