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Oschatz "Vierteljude" macht Geschäfte
Region Oschatz "Vierteljude" macht Geschäfte
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16:44 11.11.2013

Denn dieser Name spielt auch in ihrem Buch "Gebunkerte Geheimnisse" eine Rolle. Das Buch beschäftigt sich mit dem Thema Beutekunst und Bernsteinzimmer und ist seit 2010 in zweiter Auflage vergriffen.

Eine Schlüsselposition nimmt hier Dr. Gottfried Reimer ein - ein Kunstexperte, der in der Gemäldegalerie Dresden unter Posse und später unter Voss für den "Sonderauftrag Linz" die Fäden zieht, Kunstwerke für das Führermuseum in Linz zu beschaffen. Allerdings ist hier nicht von Cornelius Gurlitt die Rede, sondern von Wolfgang Gurlitt, Cousin von Hildebrand Gurlitt, Cornelius' Vater.

Wolfgang Gurlitt wurde am 15. Februar 1888 in Berlin geboren. Er entstammte der angesehenen deutschen Künstlerfamilie Gurlitt: Sein Großvater Louis war ein bekannter Maler gewesen, sein Großonkel Cornelius Komponist, sein Onkel Cornelius Kunsthistoriker und Architekt, sein Cousin Willibald Musikwissenschaftler, sein Cousin Hildebrand Museumsdirektor und Kunsthändler, sein Vater Fritz international angesehener Kunsthändler und Gründer der "Galerie Fritz Gurlitt" in Berlin und sein Bruder Manfred Dirigent und Komponist.

Im Buch "Gebunkerte Geheimnisse" sowie in dem Beitrag von Walter wird nachgewiesen, dass Reimer mit Wolfgang Gurlitt - er wird von Walter als "Vierteljude" beschrieben ­- Geschäfte machte, und nicht nur uneigennützig.

"Mit Prof. Dr. Hermann Voss, der Posse sowohl als Direktor der Staatlichen Gemäldegalerie Dresden wie auch als Sonderbeauftragter für Linz nachfolgte, erfuhren Wolfgang Gurlitts Geschäftskontakte nach Dresden noch eine Ausweitung. Auch die Dimension der abgeschlossenen Verkäufe wurde eine andere. Am 5. Juni 1943 teilte Dr. Gottfried Reimer die Bereitschaft von Voss mit, die angebotenen Gemälde 'Die Nähschule' von Traversi zum Preis von 32 000 Reichsmark und 'Knabe mit Hunden' von Steffeck ebenfalls für 32 000 Reichsmark für die Zwecke des Führers bezüglich des Neue Kunstmuseum in Linz zu übernehmen'."

Reimer war durch und durch Kunstexperte, menschlich jedoch unnahbar. Er wurde im Februar 1911 in Döbeln geboren und verstarb dort 1992. Er konnte völlig unbehelligt leben - weil er ob seines Wissens gebraucht wurde. Was der Döbelner allerdings in der Zeit nach den Bombenangriffen im Februar 1945 auf Dresden gemacht hat, ist unbekannt. Fakt jedoch ist, dass er die Gemäldegalerie Dresden in seinen privaten Wohnsitz verlegte: Gemäldegalerie Döbeln, Sachsen, Grimmaische Straße 23.

Während der Döbelner nicht groß in der Öffentlichkeit auftauchte, kämpfte Wolfgang Gurlitt bis zuletzt darum, dass sein Name in der Neuen Galerie in Linz auftaucht. Schließlich zeigt die Einrichtung auch einige Bilder aus "seinem" Besitz.

Wolfgang Gurlitt verstarb am 26. März 1965 in München. In München-Schwabing flog jetzt Cornelius Gurlitt auf.

i Quelle: Die "Sammlung Gurlitt" der Neuen Galerie der Stadt Linz, von Mag. Dr. Walter Schuster (1999)

Gabi Liebegall

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