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Oschatz Volker Tiefensee: Für Frank Kupfer beten und in seinem Sinne weiterarbeiten
Region Oschatz Volker Tiefensee: Für Frank Kupfer beten und in seinem Sinne weiterarbeiten
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13:00 15.09.2018
Frank Kupfer (Mitte) und Volker Tiefensee (r.) waren lange politische Weggefährten – hier 2013 mit Jörg Kiesewetter bei der Nominierung als Kandidaten für die Landtagswahl. Quelle: Frank Pfütze
Nordsachsen

Er ist einer der prominentesten Politiker aus dem Landkreis Nordsachsen: Frank Kupfer. Nun hat der 56-jährige Oschatzer seinen Rückzug vom Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag verkündet. Zudem will er bei der Landtagswahl 2019 nicht mehr antreten. Begründet hat er das mit seiner Erkrankung – Kupfer leidet an Depressionen. Wir sprachen mit seinem langjährigen politischen Weggefährten Volker Tiefensee (61), wie Kupfer CDU-Landtagsabgeordneter aus Nordsachsen.

Seit wann wussten Sie, wie es um die Gesundheit Ihres Freundes Frank Kupfer bestellt ist?

Schon längere Zeit, etwa seit einem Jahr, weiß ich, dass Frank gesundheitliche Probleme hat.

Wie überrascht sind Sie von diesem Rückzug und Zug an der Notbremse?

Trotz der Kenntnis, dass er gesundheitliche Probleme hat, dachte ich, dass er diese nach seiner letzten Pause überwunden hat. Ein Indiz, dass es ihm sehr schlecht geht, war, dass er am Tag der Sachsen überhaupt nicht anwesend war, obwohl ihm diese Veranstaltung in Torgau sehr am Herzen lag.

Wie bitter ist der Tag für die sächsische CDU aus Ihrer Sicht?

Ich kenne Frank erst seit 2008 näher. Ich habe ihn immer als einen durchsetzungsstarken, aber auch anderen gut zuhörenden Menschen kennen gelernt. Ab 2009 mit meinem Einzug in den Landtag habe ich sehr intensiv mit ihm zusammengearbeitet. Sein sehr großer Fachverstand in allen Bereichen wird der CDU fehlen, wobei er nach einer Gesundung sicher auch wieder Aufgaben übernehmen und sich einbringen wird.

Sie hören auch auf, jetzt erst recht oder denken Sie nach dem Kupfer-Rückzug noch einmal darüber nach?

Meine Entscheidung steht seit längerer Zeit fest und daran ändert sich auch nichts. Ich hatte im Januar einen Schwächeanfall, habe danach meine Lebensweise etwas umgestellt, rauche weniger. 2019 werde ich 63 Jahre alt. Eine neue Legislaturperiode würde bedeuten, dass ich bis kurz vor meinem 68. Geburtstag weiter zu 120 Prozent arbeiten müsste. Ich mache seit 1990 Politik. 29 Jahre Vollzeit reichen in 2019. Mein Mandat als ehrenamtlicher Bürgermeister führe ich bis 2023 weiter. Ein letzter Grund sind die katastrophalen Verkehrsverhältnisse zwischen meinem Wohnort Badrina in der Gemeinde Schönwölkau und Dresden.

Wenn sich die Reihen in der CDU lichten, ist da nicht die Gefahr groß, dass der Weg für die AfD dann frei wird?

Nein, diese Sorge habe ich überhaupt nicht, da es sehr viel junge engagierte CDU-Mitglieder gibt, die die Aufgaben übernehmen können.

Frank Kupfer ist ein enger Vertrauter von Ministerpräsident Kretschmer. Haben Sie das so erlebt?

Uneingeschränkt.

Die Ausländerpolitik gilt als Mutter aller politischen Probleme im Land und vor allem in Sachsen. Sehen Sie das auch so?

Nein. Deutschland hat viel mehr Probleme: Altersarmut, Entwicklung des flachen ländlichen Raums mit Breitband und flächendeckendem ÖPNV, Gesundheitsversorgung und Pflege, innere Sicherheit, Extremismus vor allem von links und Muslimen, aber auch von rechts. Die Ausländerpolitik hat zum Teil die schon längere Zeit bestehenden Probleme verschärft.

Was muss passieren, damit die Union an der Spitze im Freistaat bleibt?

Die angekündigten Vorhaben sind zügig umzusetzen und wir müssen mit den Bürgern im Gespräch bleiben und ihnen aufzeigen, wie wir an den Problemen arbeiten.

Hätten Sie als Abgeordneter darauf nicht mehr Einfluss?

Wir leben in einer Demokratie. Alle anderen Gesellschaftsformen haben sich nicht als besser herausgestellt. Die Exekutive auf den neuen Weg zu bringen und für die Vorhaben der Abgeordneten zu sensibilisieren, ist nicht leicht. In der Landespolitik geht nichts schnell, das habe ich 2009 lernen müssen, aber mit vielen Gesprächen und dem Aufzeigen möglicher Verfahren konnte ich in kleinen Schritten einiges erreichen. Es hilft nichts, wenn ich oder die CDU was möchten, der Koalitionspartner aber nicht.

Frank Kupfer veröffentlichte mutig seine gesundheitlichen Diagnosen. Wie rau ist der Umgang in der Politik geworden im Vergleich zu früher?

Ich habe nicht den Eindruck, dass der Umgang rauer geworden ist, außer der Zuspitzung durch die Medien. Wenn man sich von bestimmten Medien fernhält, gibt es keine Probleme.

In den sogenannten sozialen Netzwerken stehen mitunter eher unerträgliche Kommentare, jenseits jeden Anstandes. Wie betroffen macht Sie das?

Da antworte ich wie auf die Frage zuvor.

Sehen Sie Lösungen?

Ja, ich denke, die Vernunft von normalen Menschen, die sich von diesen Medien fernhalten, wird langfristig zu einer Änderung führen. Wenn die sozialen Medien nicht zur Selbstbereinigung kommen, werden sie Marktanteile verlieren und die vernünftigen Leute werden sich andere Plattformen oder Medien suchen.

Wie wichtig ist Qualitätsjournalismus?

Für mich ist Qualitätsjournalismus sehr wichtig. Leider gibt es diesen immer weniger, weil der Leser beziehungsweise Konsument nicht bereit ist, für Qualität zu bezahlen.

Was können Sie und die Fraktion jetzt für Frank Kupfer tun?

Für ihn beten, seine Vorhaben weiter umsetzen beziehungsweise in seinem Sinne weiterarbeiten und ihn in guter Erinnerung behalten.

Von Frank Pfütze

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