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Vom Tagebau Frieden bis zum Seebad Kemmlitz ist es ein langer Weg

Kommunalpolitik Vom Tagebau Frieden bis zum Seebad Kemmlitz ist es ein langer Weg

Vor 16 Jahren war alles klar: Aus dem Kaolintagebau Frieden sollte das Seebad Kemmlitz werden. Passiert ist jedoch seitdem wenig.

Still ruht der See im ehemaligen Tagebau Frieden.

Quelle: Sven Bartsch

Kemmlitz. Die Badesaison 2017 ist vorbei. In Kemmlitz bleibt der Badesee aber Thema – oder vielmehr, der eben nicht vorhandene Badesee. Denn anders als vorgesehen, ist aus dem ehemaligen Tagebau Frieden bisher kein Ziel für Badegäste geworden. Dabei war genau das vor 16 Jahren in Aussicht gestellt worden, als das Kemmlitzer Kaolinwerk in Abstimmung mit der damaligen Gemeinde Sornzig-Ablaß das Entwicklungskonzept für den Raum Kemmlitz1 erstellte. Anlass dafür war der geplante Neuaufschluss des Tagebaus Schleben-Crellenhain: Die Kulturlandschaft sollte nicht nur geschädigt, sondern es sollte auch eine weitere Entwicklung vor Ort folgen.

Konzept überzeugte Gemeinderat

Das Konzept überzeugte auch den Gemeinderat, der das Papier billigte. Zudem ließen sich damit Einwände von Tagebaukritikern gut kontern. „Ich kann mich erinnern, wie der ehemalige Bürgermeister Volkmar Winkler in einer Gemeinderatssitzung unter Bezugnahme auf das Entwicklungskonzept des Kaolinwerks sinngemäß gesagt hat, dass die damals vorgetragene Kritik, das Kaolinwerk wäre nur an kurzfristiger Profitmaximierung interessiert und würde seine Verantwortung zur Gestaltung einer lebenswerten Bergbaufolgelandschaft nicht wahrnehmen, durch dieses Konzept widerlegt sei“, erinnert sich der Kemmlitzer Holger Schilke.

Bereits in der Vorbemerkung des Konzeptes wurde selbstkritisch ausgeführt: „Die Kaolingewinnung wirkte sich jedoch auch nachteilig auf den Ort (Kemmlitz) und dessen Umgebung aus.“ Im Süden um Kemmlitz entstand ein Gürtel aus Tagebauen, Halden und Kippen, Wegebeziehungen und Erlebbarkeit der Landschaft gingen verloren und die Erholungsqualität sank, wird aufgezählt. Dazu kommen Verkehrsbelastung und Staub für die Ortslage.

„Aus dem Defizit, dass bislang der Raum südlich von Kemmlitz kaum als Naherholungsgebiet genutzt werden konnte, stellt sich die Aufgabe, den Bewohnern des Dorfes und umliegender Orte Freiraum für die Erholung zu schaffen“, so das klare Ziel. Der ehemalige Tagebau Frieden sollte als künftiger Kemmlitzsee Schwerpunkt des geplanten Naherholungsgebietes werden. Klingt auf dem Papier wunderbar: Da ist von großer Wasserfläche und sehr guter Wasserqualität ist Rede, von Strand, Bade- und Sportmöglichkeiten am westlichen Ufer, ausreichend Parkplätzen und der Möglichkeit, den Haltepunkt der Döllnitzbahn zu nutzen. Neben dem Kemmlitzsee wurden Spazier-, Wander- und Radfahrmöglichkeiten ebenso wie ruhige Rast- und Picknickplätze am Wasser angekündigt.

„Aus meiner Sicht wurden in dem Entwicklungskonzept durchaus geeignete und auch umsetzbare Lösungen, Ideen und Ansätze von den Kaolinwerken benannt“, meint Holger Schilke. Seine Familie habe sich auf die Zusagen des Kaolinwerks und der damaligen Gemeinde Sornzig-Ablaß aus dem Jahr 2001 verlassen, den Bereich des ehemaligen Tagebaus „Frieden“ kurzfristig für die Anwohner als ortsnahen Erholungsbereich einschließlich Bademöglichkeit zugänglich zu machen. „Auf dieser Basis haben wir Investitions- und Lebensentscheidungen getroffen. Leider mussten wir feststellen, dass das Kaolinwerk diese Zusagen nicht eingehalten haben“, kritisiert er.

Er befürchte nun, dass die Quarzwerke Frechen bei Köln langfristig andere Pläne haben: „Dort will man sich womöglich die Option offen halten , anfallende Abraummengen aus künftigen Aufschlüssen im Bereich des Kemmlitzsees günstig zu verspülen und ist deshalb an einer Umsetzung der eigenen Planungen nicht mehr interessiert“. Mehrfach habe sich Schilke mit seiner Familie und weiteren Interessenten bereit erklärt, im Sinne des Entwicklungskonzeptes Verantwortung zu übernehmen. Das Kaolinwerk allerdings sei darauf bisher nicht ernsthaft eingegangen und habe stattdessen Maßnahmen durchgeführt, die den Zusagen offensichtlich entgegenstehen.

Zuletzt hat der Stadtrat Mügeln im Juni eine zustimmende Stellungnahme zum Rahmenbetriebsplan „Erweiterung des Tagebaufeldes Schleben/Crellenhain“ verabschiedet. Für Holger Schilke Anlass, an die Räte zu appellieren, „diesen erneuten Vertrauensbeweis nicht als Blankoscheck auszustellen, sondern vom Kaolinwerk auch einzufordern, dass dieses endlich die Zusagen der Vergangenheit umsetzt.“ Vor allem sollte der Kemmlitzsee als Erholungsbereich für Radfahrer und Fußgänger – einschließlich einer Bademöglichkeit – zugänglich gemacht werden. In einem offenen Brief wandte sich Schilke jetzt an Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke und die Stadträte mit der Bitte um Unterstützung, die Entwicklungskonzeption des Kaolinwerkes aus dem Jahr 2001 endlich in die Tat umzusetzen.

Zeitplan steht noch nicht

Die Entwicklungskonzeption zeitnah umzusetzen geht aus bergbaurechtlichen Gründen nicht, sagt Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke. „Das Land gehört noch dem Kaolinwerk. Wir als Stadt stehen aber mit dem Kaolinwerk in Verbindung, damit das Projekt Naturbad Kemmlitz am Ende umgesetzt werden kann“, so Ecke. Allerdings könne das Stadtoberhaupt keinen Zeitplan nennen.

 

Von OAZ

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