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Oschatz Von Ganzig nach China – und Grenzerfahrungen beim Kung Fu
Region Oschatz Von Ganzig nach China – und Grenzerfahrungen beim Kung Fu
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05:03 30.11.2018
Sophie Jähnigen aus Ganzig bereist China. Beim Kung Fu – traditioneller Kampfsport der chinesischen Mönche – sammelte die junge Frau Grenzerfahrungen. Quelle: Sophie Jähnigen
China

Im Januar hat Sophie Jähnigen aus Ganzig begonnen, sich ihren Lebenstraum zu erfüllen: Sie geht auf Weltreise. Teil 9 spielt in China.

Shaolin, Sanda, Mantis, Wing Chun, Tai Chi... Wie nochmal? Ich habe keine Ahnung, was das alles tatsächlich ist... doch ich lasse es mir nicht anmerken, als man mich fragt, was ich davon lernen möchte. „Shaolin“ sage ich selbstbewusst, schließlich bin ich an einer Shaolin Kung Fu Schule. Und als Zweites, werde ich gefragt... ähm...all meine gespielte Sicherheit fliegt auf... ich habe keine Ahnung!! Sanda wird mir empfohlen. „Ok“ höre ich mich sagen.

Und so stehe ich am Montagmorgen bereit. Ich verbeuge mich vor meinem Meister und los geht es. Rennen, dehnen, kicken, boxen,... Habe ich mir das überlegt? Ich bin in Qufu in China. Meine Idee war es für zwei Monate hier Kung Fu zu lernen. Als ich drei Stunden später total verschwitzt und erledigt unter der Dusche stehe, frage ich mich, wie ich das überstehen soll. Es ist gerade einmal Mittag. Drei Stunden Training liegen noch vor mir. Hilfe!!! Was habe ich mir dabei gedacht? Die erste Woche sei die Schlimmste, sagt man mir. Ich nehme es mit Humor und kaufe erst einmal ein paar T-Shirts. Wenn ich mich am Tag zweimal umziehen muss, komme ich mit meinen drei Shirts nicht sehr weit. 

Sport wird Alltag

Und dann stellt sich tatsächlich Routine ein, Sport wird mein Alltag. 6-7 Stunden am Tag. Mittlerweile weiß ich, dass Sanda chinesisches Kickboxen und Shaolin Kung Fu die traditionelle Kampfkunst der chinesischen Mönche ist. Was das im Detail bedeutet, ist gar nicht so leicht zu erklären. Es geht um Beweglichkeit, Präzision, Stärke und Gleichgewicht. Die Basis bildet das Grundschritte-Training. Dort lernen wir wie man richtig steht, kickt und springt. Was folgt ist das sogenannte Formen-Training, in denen man die Grundschritte zu kraftvollen Kampfabfolgen verbindet. Es ist fast wie eine Choreografie, die man einstudiert. Voraussetzung dafür ist ein hohes Maß an Kraft und Flexibilität. Darum dehnen wir uns gegenseitig bis vor Schmerz die Tränen rollen und absolvieren einmal die Woche ein intensives Krafttraining, bei dem wir beispielsweise auf einen Berg rennen (angeblich 1000 Stufen, aber ich habe sie nie gezählt), Muskelkater wird zu meinem chronischen Begleiter.

Meditation in Bewegung

Und spätestens als es das erste Mal heißt, dass wir uns gegenseitig boxen und treten sollen, frage ich mich ernsthaft, wo ich hier eigentlich gelandet bin. Man erklärt mir, dass das die Schmerztoleranz erhöht. Im Kampf will man ja auch nicht nach dem ersten Schlag umfallen. Also stehe ich da, starre angestrengt in die Ferne und lasse Tritte und Boxschläge über mich ergehen – blaue Flecken vorprogrammiert. Man muss es schon mögen, um dafür auch noch Geld zu bezahlen. Doch ich finde meinen persönlichen Ausgleich im täglichen Tai Chi Training. Man könnte es als Meditation in Bewegung bezeichnen. Auch hier lernt man wieder Kampfabfolgen, jedoch viel fließender und langsamer. Und für mich ist es vor allem ein kraftgebender Start in den Tag.

Nächte auf der Holzpritsche

Und so ziehen zwei Monate des Trainings wie im Flug an mir vorbei. Und ob man es glaubt oder nicht, ich hatte eine tolle Zeit, auch wenn ich körperlich wie mental an meine Grenzen gekommen bin. Doch irgendwie war das ja auch mein Ziel, Neues zu probieren und Grenzen auszutesten. Außerdem genieße ich das einfache Leben in der Schule. Jeder Tag verläuft mehr oder weniger gleich. Alles worauf ich mich konzentrieren muss, ist das Training. Alles andere ist geregelt. Man hat drei Mahlzeiten am Tag und ein Bett... naja tatsächlich ist es eine Holzpritsche, aber hart schlafen ist ja bekanntlich gesund. Außerdem schläft man nach dem harten Training sowieso wie ein Stein.

Faszination für China und seine Bewohner

Ja und China als Reiseland? Neben dem Training bleibt wenig Kraft für viel Sightseeing. Doch Peking, Shanghai und Hongkong statte ich schon einen Besuch ab und bin überrascht wie gut mir China gefällt. Klar sind die Chinesen etwas lauter als wir es gewohnt sind und irgendwie klingt alles Gesagte in Mandarin, der chinesischen Sprache, nach einem permanenten Streitgespräch. Doch wenn man genauer hinschaut, sieht man wie freundlich die Chinesen sind und wie sehr sie sich freuen auf einen Europäer zu treffen. Und wenn man dann auf der chinesischem Mauer steht und diesen wahnsinnig langen, von Menschenhand geschaffenen, jahrhundertealten Koloss bewundert, dann sind sowieso alle Kulturunterschiede vergessen und was bleibt ist eine riesige Faszination für dieses Land und seine Geschichte.

Von Sophie Jähnigen

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