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Von Südafrika nach Nordsachsen: Holländische Familie wird in Cavertitz sesshaft

Von Südafrika nach Nordsachsen: Holländische Familie wird in Cavertitz sesshaft

Mit fünf Koffern kam die holländische Familie aus Südafrika 2011 nach Cavertitz. Der Start war schwierig, sie begannen praktisch bei Null.

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Weihnachten in Nordsachsen statt Südafrika: Thomas van Brunschot mit seiner Frau Maria Anna van Driel und den Kindern Carolina (13), Adrian (11) und Petronella (14).

Quelle: TB

Cavertitz. Von Thomas Barth

 

 

 

"Nachts um Zwei kamen wir hier an. Das Haus war dunkel, wir hatten es vorher nur im Internet gesehen. Als wir die Tür öffneten, bekamen wir einen Schreck. Alles war leer und in keinem guten Zustand. Wir hatten nur elektrisches Licht, sonst nichts", erzählt Thomas van Brunschot. Das war ein Problem, denn er und seine Ehefrau Maria Anna van Driel hatten ein Haus für ihre Familie gemietet. Mit fünf Erwachsenen, drei Kindern und sechs Hunden standen sie 2011 vor ihrem "neuen" Zuhause in der Cavertitzer Hauptstraße. Aus der Ferne hatten sie ein Haus gemietet, das schon viele Jahre leer gestanden hatte. Nicht einmal der Wasseranschluss funktionierte.

Doch das Schicksal meinte es in dieser Sommernacht gut mit der Familie, die gerade mit Sack und Pack aus Südafrika angekommen war. Zufällig saßen noch drei Feuerwehrleute beim Bier in der Feuerwehr. Von ihnen bekam Thomas van Brunschot eine Rohrzange - und als die nicht half, drei Eimer Wasser. Die nächsten Tage halfen Nachbarn mit Wasser aus, bis schließlich der Wasseranschluss funktionierte. Über diese Hilfe seien sie sehr froh gewesen, schließlich hätten sie anfangs nicht einmal Telefon, keine Möbel und schon gar kein Auto gehabt. "Conny Zeibig und Ute Gabriel vom Gestüt Sachsen haben uns nach einigen Wochen dann Einrichtungsgegenstände gebracht. Sonst würden wir vielleicht heute noch in Schlafsäcken auf dem Fußboden schlafen. Wir sind mit fünf Koffern hier angekommen und hatten wirklich nichts", sagt Thomas van Brunschot.

2009 ist die Familie von Holland nach Südafrika gezogen, dort wollten sie ursprünglich auch bleiben. "Zweieinhalb Jahre haben wir dort gelebt, doch dann ist das Immigrationsgesetz geändert worden, und wir mussten Südafrika innerhalb von zwei Monaten verlassen". In Südafrika habe er als Wildhüter gearbeitet, erzählt Thomas van Brunschot. Während er abwesend gewesen sei - oft länger und auch nachts -, habe seine Frau das Haus gehütet. Sie habe Brot gebacken, die Mahlzeiten bereitet und die Kinder unterrichtet. Keine leichte Aufgabe mitten im südafrikanischen Busch: "Obwohl mein Mann täglich mit Wilderern konfrontiert war, ist mein Leben in Südafrika weitaus gefährlicher gewesen", so Maria Anna van Driel. "Nicht nur auf Schlangen und Skorpionen musste ich achtgeben. Als Frau war man immer ein potenzielles Ziel für Raub und Diebstahl, Vergewaltigung und Entführung. Ich hatte ständig ein Messer und ein Gewehr bei mir". Vor allem in den Städten sei das so gewesen, und einmal sei ihr Sohn Adrian sogar gekidnappt worden. Mit vorgehaltener Pistole hätten die Räuber eine große Summe Bargeld erpresst, zum Glück sei niemandem etwas passiert. Trotzdem sei das Leben irgendwie freier gewesen, schätzt van Driel ein, mehr konzentriert auf die wesentlichen Dinge des Daseins.

Für Deutschland habe man sich schnell entschieden: "Nach Holland wollten wir nicht zurück. Deutschland war für uns erste Wahl. Denn das ist ein schönes Land, das uns schon immer gut gefallen hat", sagt Thomas van Brunschot. Er habe für die erste Zeit ein günstiges Haus gesucht und im Internet das Angebot in Cavertitz gefunden. Nur drei Monate sollte das Provisorium dauern, in dieser Zeit wollte sich die Familie Arbeit und ein komfortableres Haus suchen. Nun sind fast fünf daraus geworden - und die Auswanderer wollen bleiben. Auch ins Dorfleben habe man sich schon integriert, war beim herbstlichen Kartoffelfest ebenso wie beim Martinsfest und Weihnachtsmarkt dabei. Maria Anna van Driel hat außerdem in der Cavertitzer Grundschule bei einem Kunstprojekt über Mozart mitgemacht. "Das hat großen Spaß gemacht. Ich könnte mir gut vorstellen, dauerhaft etwas mit Kindern und Erwachsenen in Richtung Kunst zu tun, vielleicht auch Englischunterricht zu geben", sagt Maria Anna van Driel, und ihr Mann ergänzt: "Wir probieren einfach, überall mit dabei zu sein".

Die Kinder besuchen seit Anfang November die Mittelschule Oschatz. "Die Schule läuft bei allen gut", freut sich der Vater. Aber es gibt auch einen Unterschied: "Jetzt ist es schon eine andere Situation für die Kinder. In Afrika waren sie mehr draußen und hatten viel Freiheit. Dort durften sie viel. Jetzt haben sie mehr Stress und müssen mehr Dinge machen." Ein wenig Sehnsucht nach der Freiheit in Afrika hat die älteste Tochter Petronella. Sie würde am liebsten wieder zurück. "Zum Beispiel war die Verständigung durch die englische Sprache einfacher. Auch das Wetter war schöner, man konnte immer rausgehen. Und unseren Lehrer, den hatten wir immer zu Hause - unsere Mutter konnten wir immer fragen." Andererseits könne man hier in einer normalen Schule leichter Freunde finden, und das habe sie auch schon ausgiebig getan.

Für das neue Jahr wünscht sich die Familie: "Gute Gesundheit und Glück. Wir freuen uns, dass wir alle glücklich zusammen sind, denn in Holland haben wir nur für unsere Firma gelebt. In Südafrika haben wir gelernt, dass es wichtig für uns ist, zusammenzusein", so Thomas van Brunschot. Der 44-jährige arbeitet zurzeit bei einer Computerfirma in Leipzig. Er kann sich gut vorstellen, das Cavertitzer Haus zu erwerben. Im Frühjahr will er anfangen, es zu renovieren. Maria Anna van Driel kümmert sich vorerst um den neuen Haushalt, in dem jede Menge eingerichtet und repariert werden muss. Aber auch sonst hat sie alle Hände voll zu tun. Sie ist Künstlerin und bereitet gerade eine Ausstellung vor. Nächste Woche wird sie ihre Werke im Gestüt Sachsen Cavertitz zeigen. "Es ist mein erstes Projekt in Deutschland. Ich hatte bereits einige erfolgreiche Ausstellungen in Südafrika", erläutert die 38-Jährige. Ihr ist es wichtig, dass ihre Kunst die Menschen zusammenbringt und zu kontroversen Diskussionen anregt. Dieses Jahr möchte sie sich ein kleines Atelier in Cavertitz einrichten. Neben Gemälden werden in der Cavertitzer Ausstellung auch Aktzeichnungen, Skulpturen und Fotografien von Maria Anna van Driel zu sehen sein. Wer genau hinschaut, wird vielleicht südafrikanische Einflüsse darin erkennen. Mitten in Nordsachsen.

 

Ausstellung von Maria Anna van Driel im Gestüt Sachsen: 14. und 15. Januar - Vernissage am Sonnabend ab 16 Uhr, Sonntag von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

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