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Von Syrien nach Oschatz: Flüchtlinge laufen 3700 Kilometer

Von Syrien nach Oschatz: Flüchtlinge laufen 3700 Kilometer

Auf den ersten Blick ist es ihnen nicht anzusehen, dass sie Kriegsflüchtlinge aus Syrien sind. Doch der Eindruck täuscht. Das Ehepaar hat ein schweres Schicksal hinter sich.

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Kemal Abogarbia ist mit seinem Sohn Abjalyhman (10) und der Tochter Sondos (13) 3700 Kilometer nach Deutschland gelaufen.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Von Gabi Liebegall

 

Die Muslime Kemal Abogarbia und Majda Taleb (beide 52 Jahre) sind auf abenteuerlichen Wegen nach Deutschland und schließlich nach Oschatz gekommen.

 

Sie ist Ärztin von Beruf, ihr Mann Kaufmann. Sie kommen gerade von der Tafel für sozial Bedürftige in der Lichtstraße. Bereitwillig und freundlich beantwortet Majda Taleb die Fragen. Sie spricht englisch und deutsch. Ihr Mann ist sprachlich noch nicht so weit. Er kann sich bisher nur schwer verständigen. Wenn die Ehefrau ihn etwas in der Heimatsprache fragt, nickt er freundlich mit dem Kopf und lächelt.

 

Majda Taleb erzählt, warum sie flüchten mussten. Bomben haben ihr Haus und ihre Arztpraxis zerstört. "Es gab nichts zu essen, nichts zu trinken und auch keine Medikamente", berichtet sie in gebrochenem Deutsch.

 

In ihrer Heimatstadt Al Yarmouk, 170 Kilometer von der Hauptstadt Damaskus entfernt, und der Umgebung hätten früher etwa zwei Millionen Einwohner gelebt. Jetzt seien es vielleicht noch 20 000, schätzt die Syrerin ein. In ihrer Stadt hätten sie nicht mehr leben können. Es sei alles zerstört worden. "Es gibt so viele Tote. Und wer überlebt, flüchtet. Zurück bleiben alte hilflose Menschen", weiß sie und wiederholt immer wieder, dass es kein Wasser, nichts zu essen und keine Arznei gibt. Als Ärztin auf Grund der fehlenden Medikamente und Medizintechnik nicht helfen zu können, habe sie im Innersten getroffen.

 

Manchmal hält sie inne, überlegt. Die 52-Jährige sieht müde aus. Nur selten legt sie ein Lächeln auf. Das verschwindet sofort, als die OAZ fragt, auf welchem Weg das Ehepaar und die beiden Kinder nach Deutschland gekommen sind.

 

Sie sind verschiedene Wege gegangen. Kein Mitglied der vierköpfigen Familie wusste, ob sie sich jemals wieder sehen würden. Die Ärztin erzählt, dass sie mit weiteren 100 Flüchtlingen auf einem alten Boot übers Mittelmeer nach Italien gekommen ist. "3000 Dollar hat die zehntägige Überfahrt im Dezember 2013 gekostet." Es habe nichts zu essen und auch nichts zu trinken gegeben. Jeder habe mit dem zufrieden sein müssen, was er selbst zur Versorgung mitgebracht hatte.

 

Erst als sie sich in Sicherheit wiegen konnte, informierte sie ihren Mann, dass er mit dem Sohn Abjalyhman (10) und der Tochter Sondos (13) nachkommen könne. Nachdem die "Reise" vorbereitet war, ging es auf dem Landweg von Syrien nach Deutschland. Auf der Flucht sind die Drei gelaufen: Von Syrien - in die Türkei - Bulgarien - Serbien - Ungarn - Österreich - Deutschland, und zwar rund 3700 Kilometer in drei Monaten. Zum Vergleich: Ein Auto hätte das an einem Tag und 16 Stunden geschafft.

 

Die Ärztin sei im Flüchtlingslager München gelandet, ihr Mann in Chemnitz. Als die Frau ihren Mann gefunden hatte, kamen sie gemeinsam nach Oschatz. Seit September 2014 lebt die Familie hier in einer Wohnung.

 

Sie haben sich gut eingelebt, sagt die 52-Jährige: "Aber alles ist neu: die Menschen, das Wetter, die Schule für die Kinder, das Essen." Das aber sei nicht so schlimm. Daran würden sie sich gewöhnen. Und Unterstützung von Nachbarn bekämen sie auch.

 

Die Familie ist überglücklich, der Hölle entkommen zu sein und hier ein würdiges Leben beginnen zu können. Deshalb wollen sie schnell die deutsche Sprache lernen, damit sie auch arbeiten können. Und vielleicht ziehen sie irgendwann auch weiter. © Kommentar

Gabi Liebegall

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