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Oschatz Laientheater Priester feiert Geburtstagsgala
Region Oschatz Laientheater Priester feiert Geburtstagsgala
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09:29 20.04.2018
Hochmotiviert bereiten sich die Mitglieder des Musik- und Theaterfördervereins Priester auf die diesjährige Saison vor, unter anderem mit einem Musicalworkshop. Quelle: Alexander Prautzsch
Rackwitz

Mit seinen Aufführungen, ob in der Bunten Bühne im Rackwitzer Ortsteil Biesen oder an der Sommerspielstätte am Schladitzer See, lädt der Musik- und Theaterförderverein Priester seine Gäste zu Reisen durch Zeit und Raum mit fantastischer Musik, bezaubernden Tänzen und Kostümen, erfüllt von Farben und Lebensfreude ein. So versprechen es die 112 Mitglieder auf ihrer Internetseite. „Theater und Musik ist bei uns kein einfaches Hobby – es ist Abenteuer, Spaß und Leidenschaft und das auf sehr hohem Niveau“, formuliert es Vereinschef Christoph Zwiener, der zugleich auch als künstlerischer Leiter für das Laienensemble verantwortlich zeichnet.

Zehn Inszenierungen hat der Musik- und Theaterförderverein Priester in seiner 20-jährigen Geschichte auf die Bühne gebracht. In der Jubiläumsgala werden alle Stücke in Erinnerung gerufen.

Zum 20. Mal jährt sich 2018 das Datum, als die Musiktheaterbegeisterten mit „Geister der Weihnacht“ frei nach Charles Dickens im Schauspielhaus Leipzig zur Uraufführung vor 600 Besuchern und anschließend mit einer Tour durch den Landkreis Delitzsch/Nordsachsen die Bretter, die die Welt bedeuten, eroberten, nachdem der studierte Musiker Zwiener auf seinem Grundstück in Priester, einem Ortsteil der Gemeinde Krostitz, eine Musikschule installiert und für seine 180 Schüler das Musical „Geister der Weihnacht“ geschrieben hatte. Bei den Proben in der Zwienerschen Scheune gesellten sich dann Leute aus dem Ort hinzu, die mitspielen wollten und schließlich den Verein aus der Taufe hoben.

Freier Eintritt bei der Gala

Nun wird der Musik- und Theaterförderverein 20 Jahre alt. Und das wollen seine Mitglieder gemeinsam und mit ehemaligen Mitstreitern und Weggefährten feiern. Deshalb laden sie am 16. Juni, 20 Uhr, an die Seebühne am Biedermeierstrand nach Hayna zu einer großen Jubiläums-Gala ein. „Jeder ist eingeladen, der Eintritt ist frei“, so Zwiener. Auf der Seebühne spielt der Verein seit 2016 im Sommer zudem „Oliver Twist“. Karten für diese Vorstellungen gibt es im Vorverkauf über die Ticketgalerie in den Geschäftsstellen der Leipziger Volkszeitung, die wie der Zweckverband Kulturraum Leipziger Raum, das Landratsamt Nordsachsen, die Gemeinde Rackwitz und die Sparkasse Leipzig zu den Förderern des Theater- und Musikvereins gehört.

Die Proben für die große Gala haben bereits begonnen, denn extra zu diesem Anlass wird ein spezielles Bühnenprogramm mit den schönsten Szenen aus allen bisherigen Produktionen des Vereins – zehn sind es mittlerweile – konzipiert. Das ist für jüngere und alteingesessene Vereinsmitglieder spannend. Doch auch für „Oliver Twist“ sind die Vorbereitungen in vollem Gange – so kürzlich bei einem Workshop mit dem Musicaldarsteller, Schauspieler und Choreografen Maik Eckhardt.

Mann der ersten Stunde

Seit Beginn an ist Joachim Richter mit von der Partie. Seine Frau Karin habe ihn damals animiert mitzumachen, weil Männer benötigt wurden. „Ich habe früher einmal im Löbnitzer Gesangsverein gesungen. Und etwas Kulturelles in der Gemeinde auf die Beine zu stellen, fand ich gut“, erzählt der Krostitzer. 20 bis 30 Rollen habe er in all den Jahren singend, spielend und tanzend begleitet. Eine Lieblingsrolle hat er nicht. „Ich spiele alles gern und habe noch immer viel Spaß daran“, sagt er. Bei den Proben für die Jubiläumsgala stellt er immer wieder erfreut fest, wie viele Texte und Melodien er noch abrufen kann. Dennoch hat er eine CD mit in den Urlaub nach Polen genommen, um gemeinsam mit Gattin Karin Verlorengegangenes aufzufrischen. Ebenso offen ist er für Neues. „Ich lerne gern Texte und Melodien“, verrät der Stimmführer der Tenöre.

Der 76-Jährige verkörpert aber auch ein Merkmal, das den Verein auszeichnet. „Jeder ist hier willkommen. Wer tischlern kann, der baut; wer ein Instrument spielt, der musiziert; wer tanzen und schauspielern möchte, wird sich in der Besetzungsliste finden – jede Begabung wird gebraucht und gefördert“, beschreibt es Christoph Zwiener. Und so bringt der Rentner Joachim Richter sein handwerkliches Geschick ein. Ob Treppen, Geländer, schwebende Ringe oder Hochräder für die Inszenierung „80 Tage um die Welt“, alles, was der Verein benötigt, wird vom gelernten Schlosser gebaut. Im Theaterverein fühlt er sich auch als Rentner gut aufgehoben und freut sich, wie immer wieder Jugendliche hinzustoßen und hineinwachsen. Patricia Schramm ist eine von ihnen. Seit Oktober 2015 gehört sie zum Ensemble.

Musicalverliebt

Ihre jüngere Schwester Samantha, die schon ein Jahr länger Mitglied ist, hat die Gymnasiastin ermutigt. „Erst war ich wegen der Schule etwas skeptisch, die Belastung könnte für mich zu groß werden“, berichtet die 17-Jährige. „Hätte ich es nicht versucht, würde ich es jetzt bereuen, denn es macht viel Spaß. Ich singe gern und habe schon immer nach Musik getanzt.“ Mittlerweile ist sie musicalverliebt und erlernt mit Begeisterung Choreografien.

Im Verein schätzt sie die familiäre Atmosphäre. „Hier kann jeder er selbst sein. Man lernt viele Persönlichkeiten kennen und mit jedem auf der Bühne klarzukommen.“ Die Vereinsarbeit gebe ihr aber auch für die eigene Entwicklung eine Menge, weil sie sich in der Freizeit mit Musik und Theater beschäftige. Für das Gymnasium hat sie zum Beispiel eine Facharbeit über das Musical „Oliver Twist“ geschrieben. Schon jetzt freut sich die Rackwitzerin auf das Probelager, das der Verein in Vorbereitung auf die Gala für drei Tage in der Dahlener Heide beziehen wird.

Bei der Jubiläumsveranstaltung soll das Potpourri, so der Plan, von Zeitzeugen kommentiert werden, „die mit den emotionalsten und verrücktesten Anekdoten aus der Historie des Vereins zu Wort kommen“, verrät der Vereinsboss. Eingeladen ist beispielsweise der ehemalige Krostitzer Pfarrer Karl-Heinz Uth, der im ersten Stück, „Wird Dir plötzlich froh ums Herz“, einen Hirten spielte und für den es ungewohnt war, nicht frei sprechen zu können, sondern einen Text auswendig lernen zu müssen. Mit dabei sein wird ebenfalls Moderator Renato Bodenburg, die Wetterstimme aus dem MDR-Radio. Er wirkte als Gast in der Inszenierung „Kaiserbilder“ mit. Ebenso erwartet werden der Musiker Ingolf Bauer, der Songs für die „Halberstädter Zeitreise“ lieferte, und der Autor Jürgen Westphal. Er schrieb Texte für Zeitreise und Kaiserbilder. Zu Wort kommen soll auch der ehemalige nordsächsische Landrat Michael Czupalla (CDU). Er gehört zu den vielen Förderern des Vereins, und „er hat für uns viele Kontakte geknüpft, die für die Entwicklung des Vereins sehr wichtig waren“, schildert Zwiener. Dabei denkt er nicht nur an die Amerika-Reise 1999 und deren Finanzierung, sondern auch an die jährlichen Treffen, bei denen sich über die Vorhaben des Vereins ausgetauscht wurde. Deshalb widmete Zwiener dem Kommunalpolitiker, den er als einen Macher schätzt, der immer sein Wort gehalten habe, die Figur des Sportministers Michael Zumballa in dem Stück „Delitzscher Land Galaktisch“.

Und für die nächsten 20 Jahre ist dem 56-jährigen Vereinsvorsitzenden auch nicht bange. „Das Ensemble ist künstlerisch und auch im Organisatorischen zu einem so professionellen Gefüge gereift, sodass ich getrost Verantwortung in andere Hände legen kann.“ Bestes Beispiel ist die für 2020 geplante Inszenierung „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, die Zwiener gemeinsam mit Sohn Maximilian, der Filmkomposition und Medienkunst studiert hat, auf die Bühne bringen will. „Das wird spannend und zugleich sehr anspruchsvoll, das Stück auf die Strandbühne in Hayna zu bringen. Dazu braucht es unter anderem eine völlig neue Kulisse“, blickt Zwiener voraus.

Von Thomas Steingen

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