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Vorurteile zum Biogasanlagenbau in Terpitz ausgeräumt - aber Zweifel bleiben

Vorurteile zum Biogasanlagenbau in Terpitz ausgeräumt - aber Zweifel bleiben

Gaunitz/Zschöllau/Cavertitz. Ärger und Unsicherheit herrschten nach der jüngsten Gemeinderatssitzung bei den Zschöllauer Gegnern der geplanten Biogasanlage bei Terpitz (wir berichteten).

 

 

 

 

Mit Landwirten und Betreibern bestehender Biogasanlagen in der Region Oschatz nahmen auch Beführworter an der Runde teil. Der größte Teil der rund 90 Gäste waren jedoch die Einwohner Zschöllaus. Sie diskutierten neben den bisherigen Kritikpunkten vor allem Sicherheitsfragen und Alternativen zur Energiegewinnung aus Biomasse.

In Sachen Geruchsbelästigung, einem der Hauptkritikpunkte, erwartet Dr. Tobias Möllenhoff vom Planungsbüro sogar eine Verbesserung im Vergleich zur bisherigen Situation: "Werden Gülle und Festmist derzeit unvergoren auf die Felder ausgebracht, wird in der Biogasanlage durch Vergärung Schwefelwasserstoff zu elementarem geruchsneutralem Schwefel abgebaut", sagte er. Deshalb sei mit deutlich weniger Geruch als zuvor zu rechnen.

Auch erhöhtes Verkehrsaufkommen schließen Investor und Planer aus. Als Grund nannte Olaf Kranen, Geschäftsführer der ABG Gaunitz und dem Tochterunternehmen Pro Natur GmbH, dass neben Schweinegülle aus Lonnewitz und Entenmist sowie Maissilage von umliegenden Feldern der ABG Gaunitz verarbeitet werde. "Wir beliefern dann nicht mehr die Anlage in Leuben, was bisher zwangsläufig über die Mühlberger Straße erfolgte. Die Verträge mit dem dortigen Investor sind bereits gekündigt", so Kranen auf Nachfrage. Auch beschränke sich die Anzahl der jährlichen Transporte auf rund 400, erklärte Tobias Möllenhoff. Nicht ausräumen konnten Planer und Investor den Vorwurf der "Vermaisung" der Felder, um die Anlagen beschicken zu können. "Seit 1993 bauen wir auf 300 bis 350 Hektar Mais an. Ab kommendem Jahr wird sich das auf 400 Hektar erhöhen. In der Region um Oschatz bleibt der Mais aber ein Nischenprodukt", so ABG-Geschäftsführer.

Appell aus Naundorf

Derzeit haben Bürger und andere Träger öffentlicher Belange erneut die Möglichkeit, die Pläne einzusehen und Einspruch zu erheben. Bisher existiert zwar Baurecht, jedoch noch keine Betriebsgenehmigung. Auch eine Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz (Bimsch) liegt noch nicht vor. Ins Netz einspeisen könne man von der Anlage frühestens in zwei Jahren, sagte Dr. Tobias Möllenhoff. Alle auftretenden Probleme, sicherte der Investor zu, könne man künftig auf Augenhöhe diskutieren. "Ich habe mich entschieden, hier zu investieren und werde auch noch als Ansprechpartner in Gaunitz sein, wenn die Anlage in Betrieb gegangen ist", versprach er. Laut Dr. Tobias Möllenhoff sei die Anlage in Terpitz für einen Betrieb von mindestens 15 Jahren ausgelegt, also eine langfristige Investition.

"Ich habe Unstimmigkeiten beim Betrieb der Biogasanlage in Leuben festgestellt. So wird bei der Anlieferung seit geraumer Zeit das vertraglich festgesetzte Sonntagsfahrverbot ignoriert", warf Eckhard Aust in die Diskussion ein. Er ist selbst Gemeinderat und verweist auf Erfahrungen bei der Bauleitplanung für die Biogasanlage zwischen Reppen und Raitzen (wir berichteten). Er appellierte an die Zschöllauer Bürger, den weiteren Planungsverlauf genau und kritisch zu verfolgen.

Vorteil einer Biogasanlage ist die Abgabe entstehender Wärme an Unternehmen, Haushalte und soziale Einrichtungen. Dies wird in Cavertitz und Treptitz bereits praktiziert, Vertreter der Treptitzer Anlage warben dafür, sich dies vor Ort anzuschauen. Auch der Zaußwitzer Landwirt Torsten Kühne lud die Zschöllauer auf seinen Hof ein, um sich die dortige Biogasanlage anzusehen. Unabhängig davon, ob es technisch möglich ist, die Zschöllauer Haushalte mit Wärme aus Terpitz zu versorgen, wollte der Oschatzer Stadtrat Lutz Biedermann (FDP) wissen, welche potenziellen Abnehmer es bereits gebe. "Die P-D Glasseiden GmbH, das Betonwerk Oschatz, die Lube & Krings GmbH und der Matratzenhersteller Frankenstolz für das im Bau befindliche Werk haben Interesse bekundet", versicherte Olaf Kranen gestern gegenüber der OAZ. Mit einem der Unternehmen bestehe bereits ein Vertrag. Um welches es sich handelt, wollte Kranen jedoch nicht sagen. Für Lutz Biedermann ist dies eine weitere Bestätigung: "Die Terpitzer Anlage hat industriellen Charakter und kann mit den deutlich kleinen Anlagen in Cavertitz und Treptitz keinesfalls nicht verglichen werden".

Christian Kunze

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