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Oschatz Wäschekörbe voll Westgeld: Heute vor 25 Jahren kam die D-Mark nach Oschatz
Region Oschatz Wäschekörbe voll Westgeld: Heute vor 25 Jahren kam die D-Mark nach Oschatz
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00:38 03.07.2015
Wäschekörbe voller D-Mark werden in die Oschatzer Sparkassenfiliale geschafft. Die Aktion sichern bewaffnete Polizisten und Soldaten ab. Quelle: Günther Hunger
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Region oschatz

von Axel Kaminski und Frank Hörügel

Am 1. Juli 1990 hatten 44 Bankschalter im Altkreis Oschatz von 8 bis 20 Uhr geöffnet, an denen sich bereits vorher lange Schlangen gebildet hatten. Am Tag der Währungsunion wertete allein die Kreissparkasse Oschatz 472 Millionen Mark der DDR in 311 Millionen D-Mark um. Die Vorbereitung auf und der 1. Juli selbst war für nicht nur für die Banker, sondern auch für Einzelhändler und Gastronomen eine große Herausforderung.

Hans-Joachim Kunath nutzte nach der Wende die Chance und machte sich am 12. April 1990 selbstständig. Am Tag vor der Währungsunion waren seine Bestände an Bier und alkoholfreien Getränken aufgebraucht. Am Vormittag des 1. Juli - das war 1990 ein Sonntag - kam die neue Lieferung. "Wir haben am Hausgiebel einen Tisch aufgebaut und angefangen zu verkaufen. Da war eine Schlange ohne Ende. Es war ein heißer Tag, und die Leute hatten Durst", erinnert sich der heute 64-Jährige. Am Abend brachte der Getränkehändler die Tageseinnahmen - weit über 1000 D-Mark - in die Volksbank. "Die Polizisten fragten mich: Sie wollen Geld holen? Ich sagte: Nein, ich will Geld bringen!" Wahrscheinlich sei er der erste Oschatzer gewesen, der nach der Währungsunion D-Mark eingezahlt habe. Sein Fazit nach 25 Jahren: "Die Einführung der D-Mark war richtig. Die Leute wären sonst in den Westen gegangen."

Die Währungsunion war für die Dahlenerin Bettina Horn der eigentliche Startpunkt ihren Schritt in die berufliche Selbstständigkeit. Sie hatte zwar seit dem 5. Mai eine Gewerbegenehmigung der Abteilung Handel und Versorgung des Rates des Kreises, wartete aber mit dem eigenen Geschäft bis nach dem 1. Juli 1990. "Ich stand zunächst auf dem Dahlener Markt und verkaufte hier Trikotagen, die wir vorher selbst beim Hersteller in Leipzig gekauft hatten", erinnert sie sich. Nach der Einführung der D-Mark eröffnete sie ihr erstes Geschäft und zog später in das Geschäftshaus am Busbahnhof ein. "Im Rückblick war die berufliche Selbstständigkeit der richtige Schritt, wenngleich das kein glatter Weg war und immer wieder neue Herausforderungen zu bewältigen sind", betont Bettina Horn.

Als die D-Mark in den Osten Deutschlands kam, arbeitete Klaus Wächtler für die Handelsorganisation (HO) im Oschatzer Kreiskulturhaus. "Ich musste dort raus, weil die damalige Leiterin des Hauses die Einrichtung übernahm", blickt er zurück. Seine Chance sei gewesen, dass andererseits die Leiterin des Imbiss auf der Sporerstraße die Imbiss-Einrichtung nicht für einen fünfstelligen Betrag von der HO abkaufen wollte. "Wir haben das übernommen und später noch einmal 300 000 D-Mark investiert", berichtet Klaus Wächtler. Dass die Leute nicht mehr nach Feierabend zu Bier und Skat in die Kneipe gehen würden, habe er sich vor 25 Jahren nicht vorstellen können. Übrigens seien vom Inventar der HO bis heute noch ein paar Regale übrig. "So etwas stabiles bekommt man heute nicht mehr zu kaufen."

In der IFA-Halle an der B 6, in der Ersatzteile für Fahrzeuge verkauft wurden, brachte der 1. Juli 1990 nach Einschätzung von Andreas Rochner keine einschneidende Veränderung. "Der Markt hatte sich schon mit der Grenzöffnung gründlich verändert", betont er. Man habe keinen großen Stress mit neuen Preisschildern gehabt, so wie das in den Kaufhallen der Fall war. "Die Preise standen damals schon - so wie heute - im Computer", erzählt Andreas Rochner. Diese Technik sei schon da gewesen.

Hörügel, Frank

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