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Oschatz Wanderimker flieht mit seinen Bienen auf Öko-Felder bei Oschatz
Region Oschatz Wanderimker flieht mit seinen Bienen auf Öko-Felder bei Oschatz
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00:26 12.05.2018
Wander-Imker Thomas Laub bei seinen Bienen. Quelle: Foto: Andre Kempner
Oschatz

Mit den Blumen und Bienen ist das so eine Sache: Beide brauchen sich gegenseitig um fortzubestehen. Seit Jahren aber leidet die eine Hälfte diesen ungleichen Paares an akutem Populationsschwund. Vom „Massensterben der Bienen“ ist dieser Tage immer wieder zu lesen. Grund dafür ist vor allem der intensive Gebrauch von Insektenschutzmittel auf den Feldern in der konventionellen Landwirtschaft.

Bio-Imker wie Thomas Laub sind deshalb stets auf der Suche nach Nutzflächen, auf denen ihre schwarz-gelben Arbeiter gift- und gefahrenlos Nektar sammeln können. Fündig wurde der Leipziger kürzlich im Oschatzer Ortsteil Thalheim, beim Landwirt und Bio-Ladenbetreiber Axel Heinze. Der baut südlich der Döllnitzstadt 13 Hektar Raps an, ohne irgendwelche Insektizide zu nutzen. Deshalb hat Laub in der vergangenen Woche mehrere seiner Bienenbehausungen – sogenannte Beuten – neben Heinzes Feld platziert. Dort gehen die fleißigen Insekten derzeit ihrer Arbeit nach.

Allerdings nur für wenige Wochen. Thomas Laub ist nämlich Wanderimker. „Im Gegensatz zu Standimkereien sind wir Wanderimker immer heiß auf Sortenhonig und bringen unsere Bienen deshalb gezielt zu bestimmten Pflanzenarten.“ Der Raps blühe zwar derzeit auch rund um Leipzig in Hülle in Fülle, jedoch lassen sich nur wenige Felder finden, auf denen keine gefährlichen Chemikalien gespritzt werde. Das schade vor allem den Bienen, mache sich aber auch in Form von Rückständen im Honig bemerkbar.

Nutzen für beide Seiten

Heinzes Feld war eine kleine Offenbarung für den Leipziger Bienenzüchter. Der Kontakt zwischen dem Bio-Imker und dem Bio-Landwirt ist kürzlich über einen Bekannten zustande gekommen. Und beide profitieren von dieser Zusammenarbeit: Laub, weil er seine Bienen schonen und sortenreinen Honig ernten kann – Heinze, weil der Ertrag auf seinen Feldern durch die erhöhte Bestäubungsaktivität steigt. Und weil er in seinem Bio-Laden dann bald Laubes Raps-Honig von seinem eigenen Feld anbieten kann. „Ich freue mich auch, dass meine Kollegen aus der konventionellen Landwirtschaft so positiv reagiert haben, als ich sie darum bat, Bescheid zu geben, sobald gespritzt wird“, so Heinze. Dann heißt es für Laub und seine Bienen „Schotten dicht machen“ und im Schutze der Dunkelheit umziehen, damit die Tiere auch wirklich frei von Insektiziden bleiben. Schließlich halten sich die Honigsammler nicht an menschengemachte Grenzen.

Auch Honig aus städtischer Produktion

In seiner „Imkerei Laubinger“ im Südwesten Leipzigs fertigt Laub neben sortenreinem Honig aus dem Umland übrigens auch Mischhonige an – quasi aus städtischer Produktion. „Auf dem Land ist die Schwierigkeit: Wenn der Raps verblüht ist, gibt es für die Bienen nichts mehr. In der Stadt hingegen gibt es ein beinahe ununterbrochenes Futterangebot“, erklärt er. „Deshalb bringen auch immer mehr Imker ihre Bienen vom Land in die Stadt.“ Im Gegensatz zu Insektenschutzmittel kontaminiere der Feinstaub des Großstadtverkehrs den Honig auch nicht.

Dass die Europäische Union in der vergangenen Woche ein Verbot von Neo- nikotinoiden (Gruppe von hochwirksamen Insektiziden), die den Bienen besonders schaden, ausgesprochen hat, ist für Laub zunächst mal eine gute Nachricht. Das Problem dabei ist jedoch: Ein Freilandverbot wurde lediglich für die Stoffe Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid ausgesprochen. Thiacloprid, mit dem vor allem Raps behandelt wird, ist weiterhin erlaubt. „Genau davor aber flüchte ich mit meinen Bienen.“ Sicherheit für die fleißigen Insekten von Thomas Laub garantieren die Öko-Felder im ländlichen Thalheim bei Oschatz.

Von Christian Neffe

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