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Oschatz Wandmalereien auf Hartenfels machen Torgau zu einer echten Cranach-Stadt
Region Oschatz Wandmalereien auf Hartenfels machen Torgau zu einer echten Cranach-Stadt
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16:33 10.01.2017
Quelle: Wolfgang Sens LVZ
Torgau

Schloss Hartenfels in Torgau hat ein weiteres Geheimnis Preis gegeben. Nach den überraschenden bauarchäologischen Befunden in den ehemaligen kurfürstlichen Gemächern wurden gestern die Cranach-Malereien in der Spiegelstube über dem Wendelstein erstmals in ihrer restaurierten Form der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Ich bin überrascht von der Leichtigkeit der Ornamente und der dezenten Farbigkeit“, bestätigte Annette Mittring von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die die Arbeiten in erheblichem Maße finanziell unterstützt hatte. Dass die Malerwerkstatt von Lucas Cranach in Wittenberg auch für die ernestinischen Kurfürsten auf Schloss Hartenfels in Torgau tätig war, ließ sich schon früher aus Unterlagen herauslesen. Doch bisher fehlte es an echten Beweisen im Schloss selbst. Das änderte sich ab 1992, als die Torgauer Restauratorin Mechthild Moll-Minor über die Spiegelstube, die direkt über dem Wendelstein gelegen ist, ihre Diplomarbeit schrieb und dafür Untersuchungen zur historischen Wand- und Deckenfarbigkeit unternahm.

In den vergangenen Jahren wurden die Untersuchungen weiter geführt. So dass jetzt die beiden Restauratorinnen Daniela Arnold und Marie Heyer eine vorläufige Endfassung der Arbeiten vorstellen konnten. Dabei wird deutlich, dass neben der historischen Ausmalung von Lucas Cranach auch noch weitere Malereien aus den folgenden Jahrhunderten vorhanden sind. Der Fokus der Restaurierungsarbeiten lag jedoch auf der Dokumentation der Renaissance-Ausmalung, die wahrscheinlich auf das Jahr 1537 zurückgeht. Neben dem Fries, welches sich unter der hölzernen Decke lang schlängelt, gibt es eine großflächige Wandmalerei um die Türnische. „Maltechnisch und auch von den verwendeten Pigmenten her können wir nachweisen, dass diese Malerei zur Erstfassung des Raumes gehört“, erklärt Restauratorin Marie Heyer. Verwendet wurden unter anderem wertvolle Farben, die sich für diese Zeit nur der Kurfürst leisten konnte. „So wurde beispielsweise das teure Blaupigment Azurit verwendet. Aber auch Zinnober oder Gold wurden für die farbige Gestaltung des Raumes eingesetzt“, vervollständigt Marie Heyer.

Warum dieser kleine Raum über dem Wendelstein, der über viele Jahrhunderte auch als Abstellkammer, Archivraum oder Arreststube genutzt wurde, ursprünglich so wertvoll ausgemalt war, erklärt Torsten Nimoth vom sächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Dresden. Er beschäftigt sich schon seit den 1990er-Jahren mit Schloss Hartenfels. „Mich fasziniert diese Schlossanlage und es ist erstaunlich, dass früher gedacht wurde, dass es hier nichts mehr zu entdecken gibt, aber allmählich immer neue tolle Befunde zu Tage kommen.“ Seiner Meinung nach habe sich der Kurfürst mit dem Raum über dem Wendelstein den schönsten Raum des Schlosse für sich ausgewählt mit einem Blick über das Schloss, über die Elbaue und über Teile der Stadt. Inzwischen ist dieser Blick allerdings verbaut.

In den kommenden Jahren sollen die Cranach-Malereien auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Ich freue mich, dass wir nach der Restaurierung hier die Befunde gut gesichert zurücklassen können. Das ist nicht überall der Fall“, sagt Restauratorin Daniela Arnold. Sie bedankt sich auch bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und speziell bei der Jutta Schoeller-Meinz-Stiftung, die die Arbeiten finanziell möglich gemacht haben.

Von Hagen Rösner

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