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Oschatz Wartelisten für Schwimmkurse in der Collm-Region
Region Oschatz Wartelisten für Schwimmkurse in der Collm-Region
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00:21 16.07.2018
Bademeister Klemens Paulin leitet den Kinderschwimmkurs im Stadtbad. Quelle: Foto: Christian Neffe
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Mügeln

„Schwimmlehrer sind ein seltenes Gut geworden“, sagt Klemens Paulin. Er muss es wissen: Seit 2008 ist Paulin Fachangestellter für Bäderbetriebe, seit fünf Jahren arbeitet er im Mügelner Stadtbad – als Schwimm- und Bademeister. Zu seinen Aufgaben gehört auch, Nichtschwimmer zu Schwimmern zu machen. Vor allem Kinder.

Schwimmkurs dauert sieben Tage

Diese Woche kümmert sich Paulin um Karla, Tiange, Paul, Moritz, Johann und Jakob. Sieben Tage dauert der Kurs, am Ende sollen sie alle mit dem Seepferdchen nach Hause gehen. Um die Prüfung zu bestehen, müssen 25 Meter geschwommen, ein Sprung vom Beckenrand ausgeführt und ein Gegenstand in schultertiefem Wasser ertaucht werden.

Der Unterricht beginnt um 9 Uhr, also schon bevor die ersten regulären Gäste das Freibad stürmen. Zu Beginn ein paar Trockenübungen: Hände zusammenschlagen, nach vorn stoßen, auseinander und wieder zusammenschlagen.

Die Probe aufs Exempel erfolgt dann im kühlen Nass: Langsam tasten sich die sechs Kinder an die richtige Bewegung heran, nutzen zwischendurch Schwimmnudeln und werden von Paulin immer wieder korrigiert und angespornt.

Ein norwegischer Schwimmschüler zu Gast in Mügeln

Währenddessen wechselt der Schwimmlehrer immer wieder die Sprache: Mit Jakob, der eigentlich in Norwegen wohnt und diese Woche bei seinen Großeltern in Mügeln zu Gast ist, kommuniziert Paulin in der Sprache der Wikinger, die er bei einem zweijährigen Aufenthalt in dem nordeuropäischen Land gelernt hat. „Wir dachten, es passt einfach super, wenn Jakob das Training in seiner Muttersprache absolvieren kann“, so sein Großvater.

Zum Schluss die Feuertaufe: ein Sprung vom Beckenrand. Ein paar Versuche dauert es, dann hat selbst die zögerliche Tiange ihre Angst überwunden. Eine gute halbe Stunde dauert das Training: Bei 20 Grad Wassertemperatur sollten Kinder nicht länger als 30 Minuten im Wasser bleibt, erklärt Paulin. Am Ende zeigt er sich zufrieden: Wieder ein paar Fortschritte gemacht.

Schwimmunterricht im Stadtbad Mügeln mit Bademeister Klemens Paulin. Teil der Prüfung ist auch ein Sprung vom Beckenrand. Quelle: Christian Neffe

Wartelisten sind „enorm lang“

Es ist weder der erste noch der letzte Schwimmkurs, den Paulin in dieser Saison leitet. „Die Warteliste ist enorm lang“, sagt er. Viele Eltern kämen spontan zu Beginn der Ferien zu ihm. „Meist ist es dann zu spät.“

Wer nur das Seepferdchen oder das Bronzeschwimmabzeichen ablegen will, der könne das zwar spontan zum Preis von fünf beziehungsweise sieben Euro machen. Doch wer einen sicheren Platz in einem Schwimmkurs möchte, der sollte sich bereits im April anmelden.

Auch das Platschbad bietet Kurse an

Die einzige Alternative für einen Schwimmkurs in der Collm-Region bildet das Oschatzer Platschbad. Aber auch da ist die Warteliste bereits voll, wie Britt Koop informiert: „Wer sich jetzt anmeldet, muss etwa bis Oktober warten.“ Die sechstägigen Kurse kosten rund 80 Euro. Darüber hinaus können hier spontan Seepferdchen sowie die Abzeichen in Bronze und Silber absolviert werden. „Man zahlt dafür auch nur, wenn man es besteht“, so Koop.

Auch im Naturbad Luppa sowie im Waldbad Schmannewitz werden Seepferdchen und Bronze-Abzeichen nach bestandener Prüfung verliehen. „Schwimmkurse können wir aber leider nicht anbieten“, so der Schmannewitzer Schwimmmeister Harald Kutsche.

Vielen Bädern fehlen die Kapazitäten für Kurse

Dass viele Bäder nicht mehr die Kapazitäten für Schwimmkurse haben und auch das Interesse nachgelassen hat, Kindern schon in jungen Jahren Schwimmen beizubringen, macht Paulins Arbeit umso schwieriger. Auch habe er in den vergangenen Jahre einen generellen Rückgang der Beweglichkeit und Koordination bei vielen Kindern bemerkt.

„Man spürt einen deutlichen Unterschied zwischen denen, die in einem Sportverein sind und denen, die es nicht sind“, sagt der 29-Jährige. Vielfach kämen auch jugendliche Nichtschwimmer zu ihm. „Aber je später man das Schwimmen lernt, desto schwieriger wird es.“ Zwar seien Schwimmstunden auch Teil des Schulunterrichts, da aber sei das Zahlenverhältnis zwischen Schülern und Lehrern problematisch.

DLRG warnt vor einem Land der Nichtschwimmer

Dass in Sachsen nun auch noch der Sportunterricht gekürzt werden soll, sieht Paulin deshalb doppelt problematisch. „Schwimmen ist etwas, das jeder zum Überleben können sollte. Da sollte man beim Kultusministerium mal langsam umdenken.“ Andernfalls könnten sich die Worte von Achim Haag, Vize-Präsident der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, bald bewahrheiten. Der warnte im vergangenen Jahr davor, Deutschland werde zu einem Land der Nichtschwimmer.

Von Christian Neffe

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